SpOn 09.12.2025
14:05 Uhr

Friedrich Merz nennt Teile von neuer US-Sicherheitsstrategie »inakzeptabel«


Die USA beschreiben in einem neuen Strategiepapier einen Verfall Europas, seit Tagen wird die Doktrin scharf diskutiert. Nun wehrt sich Kanzler Merz gegen die angeblichen Demokratie-Retter aus Washington.

Friedrich Merz nennt Teile von neuer US-Sicherheitsstrategie »inakzeptabel«

Aus Sicht der US-Regierung steht Europa vor dem Niedergang, werde zunehmend antidemokratisch geführt. So legt es eine neue Sicherheitsstrategie aus Washington nahe. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich nun gegen die europapolitischen Aussagen dieser Doktrin verwahrt.

»Manches darin ist für uns aus der europäischen Sicht inakzeptabel«, sagte Merz am Dienstag in Mainz mit Blick auf das Dokument aus Washington. »Dass die Amerikaner nun die Demokratie in Europa retten wollen, dafür sehe ich keine Notwendigkeit. Wenn sie zu retten wäre – das würden wir schon alleine hinbekommen.«

»›America alone‹ kann nicht in eurem Interesse sein«

Merz warnte die USA vor einer zunehmenden Isolierung und bot die Partnerschaft Deutschlands an. »Ich sage in meinen Gesprächen mit den Amerikanern: ›America first is fine‹, aber ›America alone‹ kann nicht in eurem Interesse sein.« Seine Botschaft an die USA sei vielmehr: »Ihr braucht auf der Welt auch Partner, und einer der Partner kann Europa sein. Und wenn ihr mit Europa nichts anfangen könnt, dann macht wenigstens Deutschland zu eurem Partner«, sagte Merz bei seinem Antrittsbesuch in Rheinland-Pfalz.

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Die US-Regierung prangert in ihrer neuen Sicherheitsstrategie eine angebliche »Zensur der Meinungsfreiheit und Unterdrückung der politischen Opposition« in Europa an und sagt rechtspopulistischen Kräften ihre Unterstützung zu. Zudem fordert sie Europa auf, die »Masseneinwanderung« zu beenden.

Die US-Sicherheitsstrategie bestätige ihn in seiner Einschätzung, »dass wir in Europa und damit auch in Deutschland sicherheitspolitisch sehr viel unabhängiger werden müssen von den USA«, sagte Merz. Die Europäer müssten sich darauf vorbereiten, dass die USA nicht mehr als Bündnispartner zur Verfügung stünden.

Er sei überzeugt, »dass wir ein gemeinsames Ziel haben: nämlich die Bewahrung von Freiheit, Sicherheit und Frieden auf unserem Kontinent«, sagte Merz. »Und ich hoffe, dass uns die Amerikaner auf diesem Weg folgen«, fügte er hinzu. »Wenn das anders sein sollte, sollten wir zumindest gedanklich und eines Tages auch tatsächlich darauf vorbereitet sein«, sagte der Kanzler. Dass Deutschland sich auf diesen Fall vorbereite, »können wir heute in unseren Verteidigungsausgaben sehen«.

Ungeachtet all der Differenzen ist für kommendes Jahr ein Besuch Trumps im Geburtsort seines Großvaters in Rheinland-Pfalz geplant. »Die Einladung steht«, sagte Merz. Mehr zum geplanten Treffen lesen Sie hier.

mrc/AFP