SpOn 26.02.2026
10:46 Uhr

Friedrich Merz in China: Kanzler vermeidet Konflikte bei Treffen mit Xi Jinping


Beim Antrittsbesuch von Friedrich Merz in China geht es dem Bundeskanzler um »gegenseitigen Respekt«. Kritische Themen? Lieber nicht. SPIEGEL-Redakteur Roland Nelles mit einer Einordnung aus Peking.

Friedrich Merz in China: Kanzler vermeidet Konflikte bei Treffen mit Xi Jinping

Roland Nelles, SPIEGEL:
»Der Kanzler ist in China, um für die deutsche Industrie zu werben, um ein gutes Verhältnis auch zum chinesischen Staatspräsidenten aufzubauen. Es ist sein Antrittsbesuch hier in China, er kannte Xi Jinping bisher noch nicht richtig persönlich. Aber ich glaube, er hat jetzt inzwischen ein gutes Verhältnis zu ihm aufgebaut. Und das ist wichtig, denn die deutsche Industrie, die schwächelt in China, die brauchen neue Absatzmärkte, die will hier mehr Autos verkaufen, mehr Maschinen verkaufen. Und der Kanzler ist als Handlungsreisender in Peking und auch an der Küste, um genau das zu erreichen, um den chinesischen Markt weiter für deutsche Produkte zu öffnen.«

Friedrich Merz, Bundeskanzler:
»Ich habe darauf hingewiesen, dass wir ein ziemliches Ungleichgewicht in der Handelsbilanz seit etwa zwei Jahren haben. Wir wollen diese Ungleichgewichte abbauen, die vor allen Dingen aus Überkapazitäten in China entstanden sind. Wir wollen außerdem über Zugangsbeschränkungen und über Exportrestriktionen weiter sprechen.«

Roland Nelles, SPIEGEL:
»Gleichzeitig vermeidet er es, alles zu tun, was möglicherweise die Chinesen verärgern könnte, also die wirklich heiklen Themen, den Ukrainekrieg, das Verhältnis zu Russland, aber auch die Taiwanfrage oder Menschenrechte. Diese Dinge, die spricht er eher im persönlichen Gespräch mit den Chinesen an.«

Friedrich Merz, Bundeskanzler:
»Ich habe deshalb meine Gesprächspartner heute gebeten, ihren Einfluss geltend zu machen, um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden. Darauf kann Beijing Einfluss nehmen.«

Roland Nelles, SPIEGEL:
»Er möchte China nicht zu sehr öffentlich kritisieren, weil er eben befürchtet, dass dadurch das Verhältnis möglicherweise belastet werden könnte. Ein Wort, das man hier immer wieder hört, ist Respekt. Und der Kanzler legt großen Wert darauf, dass es eben im gegenseitigen Verhältnis Respekt gibt, dass man miteinander kooperiert, aber dass man sich nicht gegenseitig belehrt oder als Schulmeister hier auftritt. Und ich glaube, er versucht damit auch einen klaren Gegenakzent zur Ampelregierung, zur Vorgängerregierung zu setzen, die ja immer so ein bisschen hier auch in China wahrgenommen wurde als zu China-kritisch. Und die Chinesen sind, glaube ich, ganz froh, dass mit Friedrich Merz jetzt ein Kanzler kommt, der sie nicht ständig öffentlich kritisiert, sondern der versucht, hier mit ihnen ins Geschäft zu kommen. Weil am Ende ist für die Chinesen, dass das Allerwichtigste, nämlich, dass sie mit den Deutschen ins Geschäft kommen oder im Geschäft bleiben.«

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