Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Montag eine neue Einrichtung der Universität Köln zur Ausbildung von Fachkräften für Politik und Verwaltung eröffnet.
Mit der Adenauer School of Government (ASG) will die Universität zu Köln ein neues Zentrum im Bereich von Politik und Verwaltung aufbauen. Ziel ist es, Forschung und Lehre enger miteinander zu verbinden und künftige Führungskräfte für Politik, Verwaltung und öffentliche Institutionen auszubilden.
Merz hält es angesichts der Herausforderungen der liberalen Demokratie für geboten, gezielt junge Entscheidungsträger auszubilden. Dabei gehe es unter anderem darum, demokratische Prozesse noch besser mit Effizienz zu verbinden, sagte Merz. »Wir brauchen Freude an der Freiheit.«
Merz-Auftritt von Protest begleitet
Protestierende vor der Uni Köln
Foto: Henning Kaiser / dpaDoch nicht alle begrüßen das neue Projekt. Seit dem Mittag begleiten Studierendenvertretungen den Kanzlerbesuch mit lautstarken Protesten. Laut Polizei sind rund 1200 Protestierende beteiligt. Sie befürchten , dass an der Adenauer School of Government künftig einseitige, wirtschaftsnahe Eliten ausgebildet werden, während in anderen sozialen und universitären Bereichen das Geld gekürzt wird.
Die Universität Köln weist die Vorwürfe zurück. Sie bezeichnet die Adenauer School of Government als überparteiliches Forschungs- und Bildungszentrum. Der Protest richtet sich aber auch gegen Friedrich Merz selbst. Der Asta der Uni Köln kritisiert, unter seiner Regierung würden soziale und gesellschaftliche Errungenschaften zurückgedreht.
Neue Talentschmiede fürs Regieren?
Die Adenauer School of Government wird vom Kölner Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels geleitet, der auch das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern in Bonn leitet und durch seine Forschungen zur Spieltheorie und Verhaltensökonomik bekannt ist.
Wirtschaftswissenschaftler und Direktor Ockenfels, Bundeskanzler Merz
Foto: Rolf Vennenbernd / dpaEin zentrales Angebot der ASG soll ein englischsprachiger Masterstudiengang in »Public Governance« sein, der ohne Studiengebühren angeboten werden und zum Wintersemester 2027/28 starten soll. Vergleichbare Einrichtungen gibt es in Deutschland etwa an der Universität Duisburg-Essen sowie die privat getragene Hertie School in Berlin.
Finanziert wird die Einrichtung von der Alfred Landecker Foundation mit jährlich zehn Millionen Euro – für mehr als zehn Jahre. Die Stiftung wurde von der Unternehmerfamilie Reimann gegründet und ist nach Alfred Landecker benannt, einem jüdischen Prokuristen, der von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde. Nach Enthüllungen über die NS-Verstrickung des Familienunternehmens verpflichteten sich die Reimanns, gegen Antisemitismus und Hass gegen Minderheiten zu kämpfen.
