SpOn 02.02.2026
22:01 Uhr

Frankreich: Regierung übersteht Misstrauensvoten – Haushalt beschlossen


Der diesjährige Etat des hoch verschuldeten Frankreichs ist verabschiedet. Premierminister Lecornu hat die letzten Hürden im Streit über den Haushalt genommen und bleibt im Amt, auch wenn er dafür das Parlament umgehen musste.

Frankreich: Regierung übersteht Misstrauensvoten – Haushalt beschlossen

Das monatelange Ringen in Frankreich um den diesjährigen Haushalt ist beendet. Die Minderheitsregierung unter Premierminister Sébastien Lecornu überstand zwei weitere Misstrauensvoten der Opposition in der Nationalversammlung wegen des Budgetstreits.

Nur 260 beziehungsweise 135 der 577 Abgeordneten entzogen dem Mitte-Kabinett das Vertrauen. Der Haushalt 2026 gilt damit als offiziell beschlossen und die Regierung bleibt im Amt.

Beantragt hatten die Abstimmungen Linke, Grüne und Kommunisten einerseits und die Rechtsnationalen hinter Marine Le Pen andererseits. Sie beanstanden, dass Lecornu den Haushalt für das angelaufene Jahr mit dem umstrittenen Artikel 49.3 der französischen Verfassung ohne Endabstimmung durch die Nationalversammlung gedrückt hatte.

Eigentlich hatte der Premierminister auf dieses Vorgehen, das von der Opposition als undemokratisch kritisiert wird, verzichten wollen. Der sah sich wiederum dazu gezwungen, da er trotz langwieriger Verhandlungen keinen Kompromiss beim Haushalt finden konnte.

Positives Signal für Wirtschaft und EU

Nach dem nun verabschiedeten Text soll das Haushaltsdefizit des hoch verschuldeten Landes auf fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts gesenkt werden. Auch wenn es ursprünglich ehrgeizigere Ziele für einen Sparhaushalt gab, dürften Frankreichs Wirtschaft und Partnerländer in der EU dies begrüßen. Wegen der Schulden ist derzeit ein EU-Defizitverfahren gegen Frankreich anhängig.

In den vergangenen Wochen überstanden Lecornu und seine Regierung bereits vier Misstrauensabstimmungen, die im Kontext der Haushaltsdebatte gestellt wurden. Weil Lecornu sich mit Zugeständnissen die Unterstützung der Sozialisten gesichert  hatte, war bereits erwartet worden, dass er das Vertrauen nicht verlieren würde. Lecornus Vorgänger François Bayrou und Michel Barnier waren im Streit um Haushaltsfragen im Parlament aus dem Amt geschieden.

Mehr zum Thema

Nun kann der Vertraute von Präsident Emmanuel Macron sich auch anderen Themen widmen: Es dürfte etwa eine kleine Regierungsumbildung anstehen, weil einige Kabinettsmitglieder wie Kulturministerin Rachida Dati für Posten bei den französischen Kommunalwahlen im März kandidieren.

jmm/dpa