Frankreichs früherer Präsident Nicolas Sarkozy rückt von der Unterstützung von Bündnissen gegen den rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) ab. Das geht aus dem am Mittwoch erscheinenden Buch »Tagebuch eines Häftlings« hervor, aus dem französische Zeitungen bereits Auszüge veröffentlichten.
Sarkozy schildert darin unter anderem, wie ihn RN-Fraktionschefin Marine Le Pen im Gefängnis angerufen und nach seiner möglichen Unterstützung für die »Republikanische Front« gefragt habe. »Meine Antwort war eindeutig: ›Nein, und außerdem werde ich dazu stehen und mich zu gegebener Zeit öffentlich dazu äußern‹«, schreibt der Ex-Präsident dazu. In Frankreich ist häufiger von der »republikanischen Front« die Rede, was bedeutet, dass Linke und Rechte durch taktische Kandidatenrückzüge gemeinsam einen möglichen Wahlsieg des RN verhindern.
»Keine Bedrohung für die Republik«
Sarkozy schreibt den Auszügen zufolge, er habe »viele Meinungsverschiedenheiten mit den Führern des Rassemblement National«, zudem würden bestimmte Persönlichkeiten innerhalb der Partei »ein Problem darstellen«. Dennoch glaube er, dass es »ein Fehler und eine Fehlinterpretation wäre, sie aus dem republikanischen Raum auszuschließen«. Vertreter der Partei repräsentierten viele Franzosen, respektierten das Wahlergebnis und beteiligten sich am Funktionieren der Demokratie des Landes. Der Rassemblement National stelle »keine Bedrohung für die Republik« dar.
Ob die Brandmauer bei den Kommunalwahlen 2026 oder bei der Präsidentschaftswahl 2027 stabil bleibt, ist offen. Das bislang geltende Tabu einer Zusammenarbeit mit dem RN scheint derzeit immer weiter zu bröckeln.
Nach einer Umfrage aus dem November befürworten derzeit ebenso viele konservative Wähler für die Kommunalwahlen 2026 ein Bündnis mit den Rechtspopulisten wie ein Bündnis mit dem Regierungslager.
Sarkozy war Ende September in der Affäre um illegale Wahlkampffinanzierung aus Libyen wegen der Gründung einer kriminellen Vereinigung zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass enge Mitarbeiter für ihn mit der libyschen Staatsführung verhandelten, um Geld für seinen Präsidentschaftswahlkampf 2007 zu erhalten. Wegen der Schwere der Tat hatten die Richter eine sofortige Vollstreckung des Urteils angeordnet. Nach einer drei Wochen Haft konnte er das Gefängnis dann jedoch unter Auflagen verlassen.
»Grau beherrschte alles, verschlang alles, bedeckte alle Oberflächen«: In seinem Buch beschäftigt sich Sarkozy offenbar auch ausgiebig mit seinem Gefängnisalltag. Lesen Sie hier mehr darüber.
