SpOn 05.12.2025
17:01 Uhr

Frankreich: Kleinstadt spendiert 1000 Euro für Geburt im örtlichen Krankenhaus


In Saint-Amand-Montrond kommen immer weniger Kinder zur Welt, der Geburtsstation droht die Schließung. Verhindern will die französische Stadt das nun mit einer stattlichen Babyprämie. Die ist aber an Bedingungen geknüpft.

Frankreich: Kleinstadt spendiert 1000 Euro für Geburt im örtlichen Krankenhaus

Es ist ein Bonus, mit dem (werdende) Mütter angezogen werden sollen: Frauen, die ihre Kinder in der französischen Kleinstadt Saint-Amand-Montrond zur Welt bringen, erhalten künftig eine Prämie in Höhe von 1000 Euro. Der Stadtrat stimmte am Donnerstag dem Vorschlag des Bürgermeisters zu, der mit der Prämie die von der Schließung bedrohte Entbindungsstation des Ortes erhalten will. Vom 1. Januar 2026 an erhalten Mütter für die Geburt ihres Kindes in dem Ort einen Gutschein über 1000 Euro, den sie in örtlichen Geschäften einlösen können.

Die Prämie ziele nicht darauf ab, dass Frauen mehr Kinder bekommen, sondern sei für bereits Schwangere gedacht, die sich »für eine Entbindung in Saint-Amand-Montrond entscheiden«, sagte der konservative Bürgermeister des zentralfranzösischen Ortes, Emmanuel Riotte, der Nachrichtenagentur AFP.

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Um zu verhindern, dass Frauen aus weiter entfernten Orten wegen der Prämie zur Entbindung anreisen, müssen die Schwangeren auch die geburtsvorbereitenden Termine in Saint-Amand-Montrond wahrnehmen. »Es wäre verrückt, wenn eine werdende Mutter um 5 Uhr morgens in der Bretagne losfährt, damit sie um 13 Uhr bei uns entbinden kann«, sagte Riotte.

In Frankreich wurden wegen der sinkenden Geburtenrate in den vergangenen Jahren zahlreiche Entbindungsstationen geschlossen. Zwischen 2010 und 2023 sank die Zahl dieser Stationen um 100 auf 457. Die Geburtenrate sank nach Angaben des Statistikamts Insee seit 2010 um 20 Prozent auf 663.000 Geburten im vergangenen Jahr. Entbindungsstationen, in denen weniger als 300 Kinder im Jahr zur Welt kommen, sind von der Schließung bedroht.

In der Entbindungsstation in Saint-Amand-Montrond werden es in diesem Jahr schätzungsweise 226 Geburten sein – Medienberichten zufolge  waren es im Jahr 2010 noch 400. Eigentlich wären demnach 300 notwendig, damit die Station geöffnet bleiben kann. Die Nationalversammlung in Paris verabschiedete im Frühjahr allerdings einen Gesetzentwurf, um weitere Schließungen kleiner Entbindungsstationen vorerst auszusetzen. Der Entwurf muss jedoch noch vom Senat gebilligt werden.

Mehrere Ärzteverbände kritisierten die kommunale Geburtsprämie. »Die Entscheidung für eine Entbindungsstation sollte nicht von der Aussicht auf eine finanzielle Belohnung geleitet sein«, erklärten die Verbände in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der Bürgermeister lässt den Einwand nicht gelten. Schwierige Fälle würden an Spezialkliniken verwiesen, wie es bisher auch der Fall gewesen sei.

sol/AFP