Das 143 Jahre alte Rathaus der französischen Stadt Limoges ist während der Ausschreitungen der landesweiten Massenproteste in Flammen aufgegangen und weitgehend niedergebrannt. Es habe sich um eine »vorsätzliche Tat von Randalierern« gehandelt, sagte am Samstagabend der zuständige Präfekt Maurice Barate der Nachrichtenagentur AFP. Augenzeugen zufolge waren maskierte Demonstranten in das Rathaus der Stadt eingedrungen, um Feuer zu legen. Das markante Gebäude sei »zum großen Teil verloren«.
Löscharbeiten in Limoges
Foto: Elise CABANE / MAXPPP / IMAGO»Das Dach ist auf die darunterliegenden Stockwerke gestürzt – mit Ausnahme des Westflügels«, sagte Barate. »Zwei Drittel der Fassade sind bereits verschwunden.« Der Brand sei eine »Katastrophe für das kulturelle Erbe« der Region und ganz Frankreichs.
Das Rathaus wurde 1883 fertiggestellt. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude zeitweise zur Heimat belgischer Exilpolitiker. Das Rathaus war außerdem ein wichtiges Zentrum der Widerstandsaktivitäten in der südlichen Region des Landes gegen die deutsche Besatzung.
In Frankreich hatten Gewerkschaften, Schüler, Studierende, Landwirte und andere Organisationen für Samstag zu einem Protesttag gegen hohe Lebenshaltungskosten und Missstände im Bildungssystem aufgerufen. Nach Angaben des Innenministeriums beteiligten sich 550.000 Menschen an den landesweiten Demonstrationen, die Organisatoren sprachen von 800.000 Teilnehmern.
Am Rande der Demonstrationen kam es an vielen Orten zu Gewalt und zu Auseinandersetzungen zwischen den Teilnehmern und der Polizei. In mehreren Städten standen Gebäude in Flammen, Rathäuser wurden beschädigt, Geschäfte geplündert, Tränengasschwaden lagen in der Luft. In Paris, wo laut Innenministerium 110.000 Menschen an den Protesten teilnahmen, wurden nach Angaben von Bürgermeister Emmanuel Grégoire ganze Straßen »methodisch verwüstet«. Nach Angaben des Innenministeriums wurden landesweit rund 400 Menschen festgenommen.
