SpOn 27.11.2025
15:05 Uhr

Frankreich: Freiwilliger Wehrdienst ab 2026


Die europäischen Länder rüsten sich für den Kriegsfall. Wie Deutschland setzt auch Frankreich nun beim Wehrdienst auf Freiwilligkeit. Präsident Macron spricht von einer »Mobilisierung der Nation«.

Frankreich: Freiwilliger Wehrdienst ab 2026

Nicht nur Deutschland ordnet seinen Wehrdienst neu: Frankreich führt ab kommendem Jahr einen freiwilligen Militärdienst ein, der in Krisenzeiten in eine allgemeine Wehrpflicht umgewandelt werden kann. Nach einem Start mit 3000 Freiwilligen soll der Militärdienst bis 2030 schrittweise auf 10.000 jährliche Freiwillige und bis 2035 auf 50.000 Freiwillige ausgeweitet werden, sagte Präsident Emmanuel Macron bei einem Kasernenbesuch in Varces bei Grenoble.

Mit ihrem zehnmonatigen Dienst sollten die jungen Leute der französischen Berufsarmee den Rücken stärken. Angesichts der geopolitischen Lage und zunehmenden Bedrohungen sei der ursprünglich geplante nationale Pflichtdienst nicht mehr angemessen, hieß es nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP zuvor im Élysée.

»In dieser unsicheren Welt muss sich dieses hybride Modell, das für alle Eventualitäten gerüstet ist, durchsetzen«, sagte Macron. »Wir brauchen eine Mobilisierung, eine Mobilisierung der Nation, um uns zu verteidigen, nicht gegen diesen oder jenen Feind, sondern um bereit zu sein und respektiert zu werden.« Die allgemeine Wehrpflicht war in Frankreich 1996 angesichts des Endes des Kalten Krieges abgeschafft worden.

Der neue freiwillige Dienst richtet sich hauptsächlich an junge Menschen im Alter von 18 bis 19 Jahren, die sich dazu an einem jährlich organisierten Tag der Mobilisierung melden könnten. Die geeignetsten Bewerber werden dann von der Armee ausgewählt. »Im Falle einer größeren Krise können das Parlament und die Regierung beschließen, über die Freiwilligen hinaus auch diejenigen einzubeziehen, deren Kompetenzen während dieses Mobilisierungstages festgestellt wurden, und dann würde der nationale Dienst obligatorisch werden«, sagte Macron.

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Nach einer einmonatigen Grundausbildung sollen die Freiwilligen für neun Monate einer Militäreinheit zugeteilt werden, wo sie die gleichen Aufgaben wie die aktive Armee erfüllen und diese entsprechend ihren operativen Bedürfnissen verstärken, sagte Macron. Der Einsatz sei aber strikt auf Frankreich beschränkt, eine Teilnahme an Missionen im Ausland ist nicht vorgesehen.

Die Freiwilligen erhalten neben Kost und Logis einen monatlichen Sold von 800 Euro sowie im Anschluss Hilfe bei der Arbeitssuche. Nach ihrem Dienst werden die Freiwilligen zu Reservisten und können sich auch für einen Einstieg in die Berufsarmee entscheiden. Für die Einführung des neuen Dienstes müsse die Armee ihre Infrastruktur und die Kasernen ausbauen sowie genügend Militärkräfte für die Ausbildung parat haben, sagte Macron. Für all das werde ein Budget von zwei Milliarden Euro reserviert.

Auch in Deutschland hat sich die Regierung kürzlich nach wochenlangem Ringen auf ein neues Wehrdienstmodell geeinigt . Sie setzt dabei zunächst ebenfalls auf Freiwilligkeit. Es kann aber auch eine Wehrpflicht greifen, wenn sich nicht genügend Rekruten für die Bundeswehr finden. In Dänemark und anderen europäischen Ländern laufen ähnliche Projekte. Die Europäer sehen sich wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine unter Zugzwang, ihre Armeen besser aufzustellen.

Die geplante Regel zur Musterung in Deutschland trifft als Erstes junge Männer, die im kommenden Jahr 18 werden. Was Zwölftklässler über den neuen Wehrdienst denken, lesen Sie hier .

hba/dpa