Ein ehemaliger französischer Kulturbeamter soll Hunderte Frauen gedemütigt haben. Beim Bewerbungsgespräch soll er ihnen stark harntreibende Mittel in den Kaffee oder Tee gemischt haben, sodass diese oft notgedrungen vor seinen Augen urinieren mussten oder sich sogar in die Kleidung machten.
Teils soll er auch Fotos von den Frauen gemacht haben. Zu den Übergriffen soll es zwischen 2009 und 2018 in Paris und Straßburg gekommen sein, wo der Beamte im Ministerium und dann in einer regionalen Kulturbehörde arbeitete.
Die Pariser Justiz ermittelt wegen sexueller Übergriffe auf rund 250 Frauen unter Einsatz von Medikamenten sowie wegen Verletzung der Privatsphäre. Laut der Zeitung »Le Monde « wurden sechs Jahre nach Verfahrensbeginn 248 Opfer identifiziert, von denen mindestens 180 Zivilklagen eingereicht haben. Angesichts der schieren Zahl der Opfer appellierte die Pariser Staatsanwaltschaft an die betroffenen Frauen: Diejenigen, die noch keine Aussage gemacht hätten, könnten sich bei den Fahndern melden und als Nebenklägerin auftreten.
Namen und Uhrzeiten minutiös aufgelistet
Die Schilderungen etlicher von dem Beamten gedemütigter Frauen haben in Frankreich für große Entrüstung gesorgt. Die perfide Masche des Mannes flog erst auf, als er 2018 bei einer Dienstbesprechung in Straßburg dabei ertappt wurde, wie er unter dem Tisch heimlich die Beine der Unterpräfektin fotografierte.
Fahnder, die nach einer Anzeige seinen Computer unter die Lupe nahmen, stießen dort auf zahlreiche Fotos von Frauenbeinen und eine Datei, in der er über die Übergriffe auf Frauen bei Bewerbungsgesprächen akribisch Buch geführt habe.
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Die Frauen waren dort mit Namen und Datum des Gesprächs aufgeführt, minutiös vermerkt war die Uhrzeit, zu der er das Medikament ins Getränk mischte sowie die Konsequenzen für die Frauen. Oft soll der Beamte die Frauen ermuntert haben, das Bewerbungsgespräch draußen während eines Spaziergangs zu führen, um sie abseits einer Toilette in eine noch unangenehmere Lage zu bringen.
Eine Betroffene schilderte dem Sender BFMTV, dass der Beamte ihr bis in die Toilette gefolgt sei, um zu hören, wie sie uriniert. Eine andere berichtete von ihrem Gespräch in Straßburg, wo sie notgedrungen auf offener Straße habe urinieren müssen und der Beamte seinen Mantel vor sie gehalten habe. Die erhoffte Stelle, auf die sie sich beworben hatten, erhielten die Frauen meist nicht.
