Nach eigener Aussage wollte sie ihrem Opfer Angst machen: »Die gleiche Angst, die ich so oft verspüre.« Eine trans Frau soll einem Mann in Bad Homburg nach einer Beleidigung mit einer Schere in den Hals gestochen und ihn lebensgefährlich verletzt haben. Beim Prozessauftakt im Landgericht Frankfurt gestand die 29-Jährige die Tat.
In ihrer Erinnerung habe sie dem Mann die Rettungsschere nur an den Hals gedrückt, sagte die wegen versuchten Totschlags Angeklagte. Dann habe sie jedoch das Blut bemerkt, die Schere weggeworfen und den »miesen Schnitt« an dem Hals des 52-Jährigen gesehen. Das Opfer musste noch am Tatort mitten in Bad Homburg reanimiert und schließlich in einer Klinik notoperiert werden. Der Mann überlebte.
Die Angeklagte berichtete im Frankfurter Landgericht, täglich beleidigt oder angegriffen zu werden, sobald sie in Frauenkleidern unterwegs sei. Auch an dem Tattag im Februar 2025 trug sie demnach Frauenkleidung. Sie kam gerade von einer Psychotherapeutin, die es ablehnte, ein sogenanntes Indikationsschreiben für die von ihr gewünschte Hormontherapie zu verfassen. »Ich fühlte mich entmündigt«, erinnerte sich die damalige Studentin. Weinend und aufgewühlt sei sie aus der Praxis gelaufen.
Auf dem Weg zum Bahnhof traf sie auf die Gruppe, zu der auch der 52-Jährige gehörte. Dieser rief laut der Aussage der Angeklagten: »Ist das eine Transe oder eine Schwuchtel?« Im Vergleich zu den ansonsten üblichen Beleidigungen sei das eigentlich harmlos, meinte die Angeklagte. Normalerweise würde sie in solchen Fällen höchstens eine Beleidigung entgegnen und weitergehen. An diesem Tag habe der Satz jedoch hundertprozentig ihren wunden Punkt getroffen. Zu der Tat meinte sie: »So kenne ich mich nicht.«
- Selbstbestimmungsgesetz: Nirgendwo ändern so viele Menschen ihren Geschlechtseintrag wie in Leipzig. Warum? Von Jan Petter
- Wegen Trumps Kulturkampf: Pride-Paraden in Deutschland beklagen rückläufiges Sponsoring durch US-Firmen Von Malte Göbel
- Britisches Urteil zu Transrechten: Wann ist Frau eine Frau? Von Steffen Lüdke, London
Die trans Frau war noch am Tatort festgenommen worden, seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft. Nach der bisherigen Planung will die Schwurgerichtskammer Mitte Dezember ihr Urteil verkünden.
