SpOn 21.01.2026
07:33 Uhr

Flensburger Förde: Finnwal in der Ostsee gesichtet


Ungewöhnlicher Besuch: Vor Flensburg zieht ein Finnwal seine Kreise. Er ist etwa acht Meter lang – und offenbar auf der Suche nach Nahrung in der Förde gelandet.

Flensburger Förde: Finnwal in der Ostsee gesichtet

In der Flensburger Förde ist derzeit ein seltenes Schauspiel zu beobachten: Ein Finnwal ist zwischen dem Flensburger Hafen und dem dänischen Kollund unterwegs. Eigentlich sind große Wale in der Ostsee nicht beheimatet. Der Deutschen Stiftung Meeresschutz zufolge leben nur die etwa 1,90 Meter langen Schweinswale hier.

Doch jetzt können Interessierte den etwa acht Meter langen Finnwal beobachten. Eine erste Sichtung wurde dem Deutschen Meeresmuseum am 7. Januar gemeldet.

Es handele sich eindeutig um einen Vertreter dieser Art, sagte Judith Denkinger vom Deutschen Meeresmuseum in Stralsund der Nachrichtenagentur dpa. Auf Fotos des Tieres sei eine Kerbe an der Rückenfinne zu erkennen, über die der Wal gut zu identifizieren sei.

Mutmaßlich ein Jungtier

Die ehemalige Leiterin der Nabu-Landesstelle Ostseeschutz, Dagmar Struß, geht davon aus, dass es sich um einen jungen Finnwal handelt. Vertreter dieser Art können bis zu 25 Meter lang werden und sind die zweitgrößten Tiere der Erde – nur der Blauwal ist größer.

Finnwale sind nach Angaben der Walschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) meist allein oder zu zweit unterwegs. Sie gehören zu den Bartenwalen und ernähren sich von Krill, kleinen Fischen und Krustentieren.

Wie gelangte der Meeressäuger in die Ostsee?

Der Flensburger Finnwal ist vermutlich bei der Nahrungssuche in die Beltsee geschwommen. Die Wale ziehen in der Regel von den arktischen Gewässern, wo sie sich im Sommer aufhalten, in wärmere Gewässer, um sich fortzupflanzen, sagt Judith Denkinger. »Aber wenn es ein junges Tier ist, dann pflanzt es sich noch nicht fort, sondern bleibt in kühleren Gewässern.« Daher könne es gut sein, dass er einem Heringsschwarm hinterher in die Ostsee geschwommen sei.

Laut Dagmar Struß sind über die Jahrhunderte immer mal wieder Finnwale in der Ostsee aufgetaucht – auch in der Flensburger Förde. »Finnwale sind schon immer in der Zeit gekommen, wenn die Heringe in die Ostsee kamen.« In der Regel seien die Finnwale nur kurze Zeit in der Ostsee und griffen ab, was an Heringen da sei. Danach schwimmen sie wieder zurück.

Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Sichtungen von Walen in der Ostsee. Der Deutschen Stiftung Meeresschutz zufolge ist der häufigste Besucher der Buckelwal. In den vergangenen Jahrzehnten wurden aber auch Belugas, Narwale und Zwergwale in der Ostsee gesichtet. Nicht immer überlebten die Tiere den Abstecher in das Binnenmeer.

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Allein im vergangenen Jahr wurden mehrere Buckelwale gesichtet – etwa im Sommer vor der Nordspitze Rügens und im Mai vor Ahrenshoop in Mecklenburg-Vorpommern. Auch bei einer Sichtung am Ostermontag 2025 nahe Hiddensee vermuten die Fachleute anhand eines Videos, dass es ein junger Buckelwal war.

Bei Travemünde in Schleswig-Holstein war im Frühjahr ebenfalls ein Wal gesehen worden. Struß ging damals anhand von Videoaufnahmen davon aus, dass es sich wahrscheinlich ebenfalls um einen jungen Buckelwal handelt.

Dem Deutschen Meeresmuseum zufolge war vor ein, zwei Wochen nicht nur der Finnwal, sondern auch ein Buckelwal in der Flensburger Förde zu sehen.

Was sollten Wassersportler beachten?

Auch wenn zu dieser Zeit wenige Boote und Wassersportler auf der Förde unterwegs sind, bittet die Deutsche Stiftung Meeresschutz angesichts der Finnwal-Sichtung um Vorsicht und Rücksicht. So sollten mindestens 100 Meter Abstand gehalten und die Geschwindigkeit gedrosselt werden. Zudem sollte der Wal nicht verfolgt werden.

ala/dpa