SpOn 05.03.2026
12:27 Uhr

Fleimstal: Jetzt wissen wir, woher Stradivari das Holz für seine Geigen holte


Besonderer Klang und Millionen wert: Musiker auf der ganzen Welt schätzen die Arbeit des italienischen Geigenbauers Antonio Stradivari. Nun zeigt eine Studie, welches Holz der Geigenbauer benutzt hat.

Fleimstal: Jetzt wissen wir, woher Stradivari das Holz für seine Geigen holte

Obwohl der italienische Geigenbauer Antonio Stradivari seit mehr als zwei Jahrhunderten tot ist, er starb 1737, sind seine Instrumente bis heute begehrt. Im Jahr 2022 brachte eine seiner Geigen bei einer Auktion unglaubliche 15,3 Millionen Dollar ein.

Nun zeigt eine Studie, dass Stradivari auf Holz aus den italienischen Alpen setzte, um einige seiner berühmtesten Geigen zu bauen. Für die Analyse  untersuchte ein internationales Forschungsteam um den Holzexperten Mauro Bernabei die Jahresringe auf mehr als 275 Violinen des berühmten Geigenbauers.

Stradivari-Geige: 15,3 Millionen Dollar

Stradivari-Geige: 15,3 Millionen Dollar

Foto: Lev Radin / Pacific Press Agency / IMAGO

Die Ringe entstehen im Stamm eines Baums jedes Jahr erneut. Je nachdem, wie warm es ist, wie feucht und wie viele Nährstoffe zur Verfügung stehen, sind die Ringe unterschiedlich dick. Eine Abfolge von Jahresringen ist dadurch wie eine Art Strichcode, aus dem sich ablesen lässt, wann und wo ein Baum gewachsen ist. Dendrochronologen haben eine Datenbank mit Jahresringen angelegt, die teils Jahrtausende zurückreicht.

Mehrere Geigen aus einem Stamm

Da die Jahresringe auf den Instrumenten gut zu erkennen sind, blieben die Instrumente bei der Untersuchung unversehrt. Die Analyse zeigte, dass Stradivari gern Fichtenholz verwendete. In seiner »goldenen Periode« zwischen 1720 und 1725, in der er die berühmtesten Geigen baute, setzte er offenbar ausschließlich auf Holz aus dem Fleimstal in den Dolomiten. Einige Bretter vom selben Baumstamm benutzte er offenbar sogar über Jahre hinweg für mehrere Instrumente. Die Analyse der Jahresringe soll auch dabei helfen, mögliche Fälschungen zu erkennen.

Das Fleimstal, in dem in diesem Jahr ein Teil der Olympischen Spiele stattfand, ist bis heute beliebt bei Geigenbauern. Allerdings sind die Bestände nahezu aufgebraucht, berichtet der Schweizer Sender SRF . Zudem hat ein Orkan viele Fichten in der Region vor einigen Jahren entwurzelt.

Dünne, gleichmäßige Ringe

Die Jahresringe in dem Holz, das Stradivari benutzte, sind besonders dünn und regelmäßig – ein Indiz für ein eher kaltes Klima mit wenig Sonnenschein. Die Fichten wuchsen dadurch langsam und gleichmäßig. Das verwendete Holz ist laut Experten entscheidend für den Klang, etwa die Dichte des Holzes und dessen Flexibilität. »Die Ergebnisse lassen auf ein sehr genaues Bewusstsein des Geigenbauers für die Eigenschaften des Holzes schließen und bestätigen die Bedeutung der Alpenwälder für die Tradition des Geigenbaus«, schreiben die Studienautoren.

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Insgesamt soll Stradivari mehr als 800 Instrumente gefertigt haben, neben Geigen auch Cellos, Gitarren und eine Harfe. Viele davon sind bis heute erhalten und bei berühmten Musikern beliebt – vermutlich trägt das zum Mythos der Instrumente bei. Der Stargeiger David Garrett etwa soll schon als Teenager über Jahre auf einer Stradivari gespielt haben.

Unter Experten ist indes umstritten, wie außergewöhnlich der Klang der Instrumente tatsächlich ist. In einer Studie aus dem Jahr 2017 schnitten moderne Geigen bei einer Hörprobe besser ab.

koe