SpOn 26.11.2025
07:13 Uhr

Familienunternehmer und die AfD: Lars Klingbeil warnt vor Kooperation


Die Annäherung der Familienunternehmer an die AfD sorgt für politische und wirtschaftliche Spannungen. Finanzminister Lars Klingbeil findet deutliche Worte in Richtung des Verbandes – und die Deutsche Bank zieht Konsequenzen.

Familienunternehmer und die AfD: Lars Klingbeil warnt vor Kooperation

Die Bundesregierung hat die Wirtschaft vor einer Annäherung an die in Teilen rechtsextreme AfD gewarnt. »Diese Partei schadet unserem Land«, sagte Bundesfinanzminister und SPD-Chef Lars Klingbeil am Dienstag beim Arbeitgebertag in Berlin. Die demokratische Mitte müsse Lösungen für Deutschland finden. »Aber dafür macht man nichts mit den Rechtsextremen.« Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz warnte vor Populismus von rechts. AfD-Chefin Alice Weidel lobte dagegen das Vorgehen des Verbands der Familienunternehmer, aktiv das Gespräch mit ihrer Partei zu suchen.

Die Familienunternehmer haben mit ihrer Entscheidung eine Debatte in der Wirtschaft ausgelöst. »Empörung allein hat sich als politische Strategie erschöpft«, hatte Verbandspräsidentin Marie-Christine Ostermann dies begründet. Die Hoffnung, man könne ein Viertel der deutschen Wähler durch moralische Ausgrenzung zur Umkehr bewegen, sei nicht aufgegangen. Andere Verbände distanzierten sich von dem Ansatz.

»Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass Wirtschaft und Mittelstand das Gespräch auch mit Vertretern der Opposition suchen, noch dazu, wenn diese die nach Umfragen stärkste politische Kraft im Land darstellt«, teilte Weidel mit. Die Familienunternehmer müssten für ihren Mut gelobt werden. »Auch andere Vertreter von Wirtschaft, Finanzwelt und Mittelstand wären gut beraten, dem Beispiel der Familienunternehmer zu folgen.« Distanzierungen und Ausgrenzungsrituale seien nicht hilfreich.

Arbeitgeber unzufrieden mit Regierung Merz

Die Union und auch alle anderen großen Parteien in Deutschland lehnen eine Zusammenarbeit mit der AfD ab. Deswegen hatte sie bislang keine Chance, trotz guter Wahlergebnisse an einer Regierung in Bund oder Ländern beteiligt zu werden. Doch in Umfragen für den Bundestag kam die größte Oppositionspartei zuletzt auf rund 25 Prozent und ist damit in etwa gleichauf mit der Kanzlerpartei CDU.

Merz warnte bei den Arbeitgebern, Deutschland müsse trotz großer Herausforderungen eine offene, freiheitliche, liberale, tolerante und demokratische Gesellschaft bleiben. Dies sei nicht mehr so selbstverständlich. »Wir sehen mittlerweile eine tiefe Spaltung auch des Westens.« Ohne die AfD zu nennen, sagte der Kanzler, rechter Populismus sei keine Antwort. »Schauen Sie in die Geschichtsbücher, was daraus geworden ist. Es wiederholen sich heute zu viele Muster, die wir in unserer Geschichte alle schon einmal gesehen haben.«

»Gegen die AfD sprechen eine Vielzahl von manifesten ökonomischen Gründen«, sagt der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, dem »Handelsblatt«. Dennoch gelte: »Dass Unternehmen auf kommunaler Ebene über Standortfragen auch mit Vertretern der AfD, wenn sie dort in Verantwortung sind, sprechen, ist wohl unvermeidbar.« Im Ausland werde oft nicht verstanden, dass die AfD – im Gegensatz zu den meisten anderen ähnlichen Parteien in Europa – »sich immer weiter radikalisiert hat«.

Vorfeldorganisation des Kreml

In einer gemeinsamen Erklärung üben die Grünenpolitiker Konstantin von Notz und Andreas Audretsch Kritik an der Kontaktaufnahme des Verbands zur AfD: »Wir können uns schlicht nicht vorstellen, dass die Mitglieder im Verband der Familienunternehmen sich von diesem Agieren repräsentiert fühlen.« Jedes Mitgliedsunternehmen, das eine Kooperation mit der Partei ablehne, sollte Ostermann nun »deutlich in die Schranken weisen«. Die beiden Bundestagsabgeordneten betonen, gefährlich sei eine Zusammenarbeit auch aus folgendem Grund: »Die AfD betätigt sich immer wieder als Vorfeldorganisation des Kreml und anderer autoritärer Staaten.«

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Eine praktische Folge der neuen Gesprächsbereitschaft des Familienunternehmer-Verbandes gegenüber der AfD ist, dass er sich für seinen nächsten Parlamentarischen Abend einen anderen Veranstaltungsort suchen muss. Denn die Deutsche Bank verweigert dem Verband eine weitere Nutzung. Man sei »übereingekommen, die Räumlichkeiten künftig dem Verband nicht mehr zur Verfügung zu stellen«.

Christine Ostermann, Präsidentin des Verbands Die Familienunternehmer, hält nichts mehr von der Brandmauer gegen die AfD. Glaubt die Lobbyistin ernsthaft, die Rechtsextremen bekehren zu können? Lesen Sie hier  den SPIEGEL-Leitartikel.

fhi/dpa/Reuters