Die Vorwürfe der Vertuschung werden immer lauter in der Affäre um den verstorbenen Jeffrey Epstein. Opfer des Sexualstraftäters, Politiker der Opposition und sogar einzelne Republikaner kritisieren, dass die am Freitag veröffentlichten Akten an vielen Stellen geschwärzt, Gesichter auf Fotos unkenntlich gemacht und einige Aufnahmen nach ihrer Offenlegung wieder gelöscht wurden. Ein Name steht dabei immer wieder im Zentrum der Kritik: Pam Bondi.
Zwei US-Kongressmitglieder wollen die Justizministerin über einen parlamentarischen Winkelzug zur Veröffentlichung der restlichen Epstein-Akten zwingen. Zusammen mit dem Demokraten Ro Khanna arbeite er an einem entsprechenden Entwurf, sagte der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie bei CBS News.
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Stimmt das Repräsentantenhaus zu, müsste Bondi demnach für jeden Tag eine Geldstrafe zahlen, an dem die geforderten Dokumente in der Affäre um Epstein nicht herausgegeben werden. Massie und Khanna werfen dem Ministerium vor, Regeln zu missachten und gegen das Gesetz zu verstoßen.
Beide haben trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit schon öfter Gesetzesinitiativen vorangetrieben, sie gelten als lautstarke Kritiker der Arbeit des Justizministeriums in der Epstein-Affäre.
Am Freitag hatte das Justizministerium nach erheblichem Druck angefangen, erste Dokumente und Fotos zu veröffentlichen. Nur wenige Stunden danach geriet die Behörde bereits in Kritik, weil ein 119 Seiten langes Dokument mit Zeugenaussagen ohne jegliche Erklärung komplett geschwärzt worden sei. Das Ministerium veröffentlichte erst am Sonntag eine Version des Dokuments mit weniger Schwärzungen. Auch andere Dateien sind teils bearbeitet.
Bereits im November hatte Massie Konsequenzen für am Missbrauch beteiligte Personen verlangt: »In Großbritannien findet gerade eine Aufarbeitung statt, die auch in den Vereinigten Staaten erfolgen muss. … Ein Prinz hat seinen Titel verloren, der britische Botschafter in den Vereinigten Staaten seinen Posten.«
Bondi ist im Fall Epstein auffällig unauffällig
Seit der Veröffentlichung der Epstein-Akten hat sich Bondi öffentlich nicht zu Wort gemeldet – nicht einmal, als ihr Ministerium plötzlich bereits veröffentlichte Daten nicht mehr zum Download anbot (mehr zu dem Fall der Trump-Fotos in der Schublade lesen Sie hier).
Stattdessen musste ihr Vize Todd Blanche erklären, dass das kommentarlose Entfernen von Dateien auf Bitten von Betroffenen zurückgehe. Die entfernten Fotos zeigten potenzielle Opfer des gestorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, die zuvor nicht als solche identifiziert worden seien, sagte er bei NBC News. Inzwischen sind die gelöschten Bilder wieder online.
Massie betonte im Gespräch mit CBS News, dass Blanche derzeit zwar für die unzureichende Arbeit des Ministeriums in die Bresche springe. In Wahrheit allerdings sei Bondi als Ministerin für die Bearbeitung der Epstein-Akten verantwortlich.
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Zuletzt war es um Bondi überraschend ruhig geworden. Attacken kommen allerdings sogar aus dem Weißen Haus. In einem Interview mit der Zeitschrift »Vanity Fair« hatte die Stabschefin von US-Präsident Donald Trump, Susie Wiles, der Justizministerin vorgeworfen, bei der Bearbeitung der Epstein-Akten »völlig versagt« zu haben.
Generell wirkte Bondi in ihrem Posten immer wieder überfordert und ungeschickt, vor allem in Zusammenhang mit den Epstein-Akten. Allerdings hält Präsident Trump in seiner zweiten Amtszeit bisher vergleichsweise geduldig zu seiner Ministerriege. Das zeigt sich bei Bondi, besonders aber bei Verteidigungsminister Pete Hegseth, der trotz teils massiver Fehltritte (etwa in der Signal-Affäre) noch immer im Amt ist.
