SpOn 30.01.2026
17:31 Uhr

Fahrrad fahren: Betrunken im Sattel – Experten fordern strengere Promille-Grenze für Fahrradfahrer


Ein paar Bier in der Kneipe, dann mit dem Rad nach Hause: Wer dabei mehr als 1,1 Promille hat, soll Fachleuten zufolge strenger bestraft werden. Auch an anderer Stelle sehen sie ein unterschätztes Unfallrisiko.

Fahrrad fahren: Betrunken im Sattel – Experten fordern strengere Promille-Grenze für Fahrradfahrer

Der Deutsche Verkehrsgerichtstag fordert strengere Regeln für Radler, die unter Alkoholeinfluss fahren. Radfahren solle künftig bereits ab einem Alkoholgrenzwert von 1,1 Promille Blutalkohol mit einem Bußgeld bestraft werden, heißt es in den Empfehlungen zum Abschluss des jährlichen Verkehrsgerichtstags in Goslar. Bisher liegt der Grenzwert für Radfahrer bei 1,6 Promille.

Die Expertinnen und Experten schlagen demzufolge bei erstmaligem Verstoß eine Geldbuße in Höhe von 250 Euro sowie einen Punkt in der sogenannten Verkehrssünderdatei in Flensburg vor. Bei Pedelecs müssten den Experten zufolge womöglich noch strengere Alkoholgrenzwerte gelten.

Inzwischen gehen die meisten Alkoholunfälle im Verkehr auf Radfahrer zurück. Mehr dazu lesen Sie hier .

Beim Verkehrsgerichtstag beraten Fachleute über aktuelle Probleme des Verkehrs-, Versicherungs- sowie Strafrechts. Beteiligt sind unter anderem Vertreter von Politik, Justiz, Behörden, Wissenschaft und Unternehmen. Ihre Empfehlungen der Arbeitskreise beeinflussen oftmals Debatten über Gesetzesänderungen in Deutschland.

Wer beim Autofahren das Handy in die Hand nimmt, sollte außerdem zwei Punkte im Fahreignungsregister bekommen. Zudem soll das Bußgeld für Handy-Vergehen auf mindestens 250 statt 100 Euro angehoben werden. Kommt es zu einem Unfall oder werden andere Verkehrsteilnehmer gefährdet, soll die Geldbuße höher ausfallen – diese Logik gilt bereits jetzt.

Derzeit bekommen Autofahrer einen Punkt, etwa wenn sie ein Handy während der Fahrt in die Hand nehmen oder länger als einen »kurzen« Augenblick auf einen Bildschirm schauen. Aus Sicht der Expertinnen und Experten muss der Begriff »kurz« allerdings genauer definiert werden.

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Die Ablenkung durch Handys und andere elektronische Geräte im  Straßenverkehr sei noch immer ein unterschätztes Unfallrisiko, so die Fachleute. Sie forderten deshalb auch mehr Kontrollen, etwa mit sogenannten Handy-Blitzern, für die man eine bundesweite Gesetzesgrundlage braucht. Zudem sprachen sie sich für weniger Touch-Bedienung im Auto aus. Auch auf dem Fahrrad sollte die Handynutzung darüber hinaus härter bestraft werden, mit einem Punkt.

Die Experten in Goslar sprechen sich für einen Zuschuss für den Autoführerschein aus, dessen Kosten in den vergangenen Jahren gestiegen sind. Bis zu 3500 Euro und mehr – je nach Region – kostet ein Führerschein derzeit. Zu der genauen Höhe des Zuschusses oder dazu, wer ihn bekommen soll, gab es keine Empfehlung. Denkbar sei er etwa für Menschen, die einen Führerschein für die Arbeit benötigen, oder Menschen, die ihn sich nicht leisten können, sagte Experte Wolfgang Juris, der den Arbeitskreis leitete.

Die Fachleute zeigten sich auch offen für den Einsatz von Simulatoren in der Fahrausbildung, sofern sie keine Praxisfahrten ersetzen. Weiter forderten sie verbindliche Lernstandserhebungen sowie Qualitätskontrollen von Fahrschulen, damit Fahrschülerinnen und -schüler seltener durch Prüfungen fallen und so Kosten sparen.

ani/AFP/dpa