SpOn 26.11.2025
10:36 Uhr

Fachkräftemangel in Deutschland: Was die Lücke in MINT-Berufen verkleinert


Fast 150.000 Fachkräfte fehlen in technischen Berufen, zeigt eine Studie. Die Autoren fordern, stärker auf ausländische Studierende zu setzen – und manches zu verändern, um sie im Land zu halten.

Fachkräftemangel in Deutschland: Was die Lücke in MINT-Berufen verkleinert

Die schlechte Nachricht: Auf Deutschlands Arbeitsmarkt fehlen weiter »Nerds«, also Menschen, die in MINT-Berufen arbeiten. MINT steht für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Die gute Nachricht: Ausländische Studierende helfen, die Lücke zu schließen. Ungefähr so lassen sich, salopp formuliert, die Ergebnisse des jüngsten MINT-Reports zusammenfassen, der an diesem Mittwoch veröffentlicht wurde.

Die Studie wird zweimal jährlich vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erstellt. Im Oktober fehlten demnach 148.500 Arbeitskräfte in MINT-Berufen . Der Mangel bleibe damit trotz der Konjunkturflaute in Deutschland hoch und gefährde wichtige Zukunftsprojekte in den Bereichen Digitalisierung, Klimaschutz, Infrastruktur und Verteidigung, warnen die Studienautoren. Im April war die Lücke mit 163.600 fehlenden Fachkräften sogar noch etwas größer gewesen.

  • Der größte Engpass besteht derzeit mit rund 93.500 Personen bei den Facharbeiterinnen und Facharbeitern mit Berufsausbildung.

  • 40.800 Akademikerinnen und Akademiker fehlen.

  • Zudem mangelt es an 14.200 Spezialistinnen und Spezialisten in Meister- und Technikerberufen.

Zuwanderung über Hochschulen

Die Studienautoren gehen davon aus, dass sich der Fachkräftemangel durch den demografischen Wandel und sinkende MINT-Kompetenzen bei Jugendlichen wieder deutlich verschärfen wird, wenn sich die Wirtschaft erholt. Fachkräfte seien jedoch entscheidend, um den Weg aus der Stagnation zu ebnen und das Wachstum nicht auszubremsen, mahnen die IW-Forscher – und nennen eine zentrale mögliche Lösung.

Ein entscheidender Hebel zur Sicherung des Fachkräftebedarfs ist laut der diesjährigen Sonderauswertung zum MINT-Report die Zuwanderung über die Hochschulen. Dem Bericht zufolge lebten 2022 rund 153.000 Zuwanderinnen und Zuwanderer in Deutschland, die hier ein MINT-Fach studiert hatten. Sie trugen im selben Jahr 14,6 Milliarden Euro zur Wertschöpfung bei.

»Die Zahl international Studierender in den MINT-Fächern nimmt stark zu.«

Axel Plünnecke, Leiter der IW-Studie

»Auch viele Start-up-Gründerinnen und Gründer sind im Ausland geboren, jede oder jeder zweite davon hat in Deutschland studiert«, erklärte Axel Plünnecke, Leiter der Studie und des Themenclusters Bildung, Innovation und Migration am IW. »Die Zahl international Studierender in den MINT-Fächern nimmt stark zu, die meisten wollen in Deutschland bleiben«, so Plünnecke.

Gelinge es, den Übergang in den Arbeitsmarkt erfolgreich zu gestalten, könne dies »einen erheblichen Beitrag für Innovation, Wachstum und Wohlstand bedeuten«, sagte der IW-Forscher. Als Hürde für den Berufseinstieg erwiesen sich jedoch oft die Sprachanforderungen. Rund die Hälfte der Unternehmen erwartet laut IW fortgeschrittene Deutschkenntnisse, nur bei knapp zehn Prozent reichen geringe Kenntnisse aus.

Willkommenskultur stärken

Damit mehr internationale Talente zum Studium nach Deutschland kommen und langfristig bleiben, müssten Hochschulen, Politik, Wirtschaft und Verwaltung gezielt handeln, heißt es im MINT-Report. Die Forderungen:

  • Lehrkapazitäten sichern,

  • Standort-Marketing ausweiten,

  • Visaverfahren beschleunigen.

  • studienbegleitende Sprachkurse ausbauen,

  • Netzwerke für Studierende verstetigen.

Ebenso wichtig sei eine offene Willkommenskultur in der Gesellschaft, erklären die Studienautoren. Ebenso müsse die MINT-Bildung entlang der gesamten Bildungskette von der frühkindlichen Ausbildung an in Deutschland gestärkt werden.

Mehr zum Thema

Der MINT-Report entsteht im Auftrag der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Arbeitgeberverband Gesamtmetall und MINT Zukunft schaffen.

Nach Angaben des Deutsche Akademischen Austauschdiensts (DAAD) waren im Wintersemester 2024/25 rund 402.000 Studierende und Promovierende aus anderen Ländern an Hochschulen in der Bundesrepublik eingeschrieben – rund sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Sie stellen mittlerweile 14 Prozent aller Studierenden in Deutschland.

»Damit setzt sich der Aufwärtstrend der vergangenen Jahre fort«, teilte der DAAD mit. Mehr als die Hälfte der internationalen Studierenden ist in Ingenieur- und Naturwissenschaften eingeschrieben. Zugleich fallen die Studienabbrüche internationaler Studierender geringer aus als bisher angenommen: Ihre Abbruchquoten liegen relativ nah bei denen deutscher Studierender.

Warum Mädchen in Mathematik oft immer noch schlechter abschneiden als Jungen, lesen Sie hier .

fok/Reuters