Es sind Worte, die mehr nach dem Ende einer Partnerschaft klingen als nach dem Beginn eines erfolgreichen Rüstungsprojekts. Der Chef des französischen Rüstungskonzerns Dassault, Eric Trappier, hat beim Kampfjet-Projekt FCAS Partner Airbus eine Blockadehaltung vorgeworfen und das Vorhaben damit für praktisch gescheitert erklärt. Sollte Airbus bei seiner Einstellung bleiben, sei das Thema FCAS »tot«, sagte Trappier in Paris.
Er nehme die Weigerung von Airbus, mit seinem Unternehmen zusammenzuarbeiten, zur Kenntnis. Das Projekt befinde sich in »echten Schwierigkeiten«. Es sei nun an den Regierungen, über die Meinungsverschiedenheiten zu entscheiden. Trappier erklärte zudem, Dassault sei bereit, das Projekt auf Anweisung auch allein fortzuführen. Sein Unternehmen habe die eingegangenen Verpflichtungen buchstabengerecht erfüllt.
Maßstabsmodelle für das Projekt
Foto: Charles Platiau / REUTERSDie Entwicklung eines gemeinsamen Kampfjets mit Frankreich gilt seit Längerem als unwahrscheinlich. Da Frankreich einen Jet benötigt, der auch Atomwaffen tragen und auf Flugzeugträgern landen kann, sind die Anforderungen dort andere als für Deutschland. Das Projekt FCAS soll aber über das eigentliche Flugzeug hinaus auch die Entwicklung von Drohnen und einer gemeinsamen Daten-Cloud umfassen.
Dringend benötigte Technik für die Europäer
Bei dem »Future Combat Air System« (FCAS) handelt es sich um das wichtigste europäische Rüstungsprojekt. Es wird von Frankreich, Deutschland und Spanien vorangetrieben. Es gilt auch als wichtiger Baustein, um die Abhängigkeit von den USA zu reduzieren – ein Ziel, das für Europa immer dringender wird. (Mehr darüber lesen Sie hier in einer großen SPIEGEL-Titelgeschichte ).
Ziel ist die Entwicklung eines Kampfflugzeugs der nächsten Generation, das von einem Verbund aus bewaffneten und unbewaffneten Drohnen begleitet wird. Das System soll ab 2040 die derzeitigen Kampfflugzeuge vom Typ Rafale in Frankreich und den Eurofighter in Deutschland und Spanien ersetzen.
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Industriell wird das Projekt von Dassault Aviation auf französischer Seite und von Airbus für Deutschland und Spanien geführt, wobei Dassault für die Entwicklung des eigentlichen Kampfjets federführend sein sollte. Seit Langem gibt es jedoch Streit über die Aufteilung der Arbeiten zwischen beiden Konzernen. Das Gesamtvolumen des Vorhabens wird auf rund 100 Milliarden Euro geschätzt.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Gerüchte eines bevorstehenden Endes des Vorhabens unlängst noch dementiert. »FCAS ist der Jet der Zukunft. Wir benötigen ein solches Flugzeug«, sagte er. Dass es auch gebaut wird, wurde damals allerdings schon bezweifelt.
