SpOn 14.12.2025
19:35 Uhr

FC Bayern München spielt nur unentschieden gegen Schlusslicht FSV Mainz 05


Das ist die Überraschung dieses Spieltages: Die bisher so überlegenen Bayern mühen sich zum Remis – und das daheim gegen das Schlusslicht der Bundesliga, den FSV Mainz 05.

FC Bayern München spielt nur unentschieden gegen Schlusslicht FSV Mainz 05

Erster gegen Letzten: Der FC Bayern München auf Platz eins mit 37 Punkten, Mainz 05 lockere 31 Punkte weniger auf Rang 18. Klarer geht es nicht in Sachen Ausgangsposition. Erster gegen Letzten, das gab es an diesem Wochenende auch in England, wo Spitzenreiter FC Arsenal in letzter Sekunde durch ein Eigentor gegen Wolverhampton 2:1 siegte. Man sieht also: Das muss nicht unbedingt etwas heißen.

Ergebnis des Spiels: Tabellenschusslicht Mainz 05 ringt den Bayern beim 2:2 (1:1) wahrhaft einen Punkt ab. Das ist erst der zweite Punktverlust der Münchner nach dem 2:2 vor Wochen bei Union Berlin.

Die erste Hälfte: Nach 45 Minuten hatten die Münchner 89 Prozent Ballbesitz, ein Passübergewicht von 522 zu 50, aber das alles bedeutet nichts, weil Fußball ein Ergebnisspiel ist. Alles andere ist Schnullibulli, wie der Kollege Werner Hansch einst so fachkundig anmerkte. Der 18-jährige Kacper Potulski köpfte in der Nachspielzeit frei stehend zum 1:1 ein, und jäh war die Bayern-Führung, zuvor erzielt durch Lennart Karl, perdu.

Die zweite Hälfte: Der Tabellenführer war schon in adventlicher Stimmung, verschenkte vorn beste Gelegenheiten und verteilte dann auch in der Abwehr Präsente. Lee Jae-sung bedankte sich mit einem präzisen Kopfball an Manuel Neuer vorbei ins Netz. Die Sensation lag in der Luft, aber es gibt ja noch Elfmeter, und es gibt noch Harry Kane. So bleibt es beim Unentschieden.

Spieler des Spiels: Daniel Batz kam 2023 aus Saarbrücken nach Mainz und hatte sich eigentlich auf das Leben als Ersatztorwart im Herbst seiner Karriere eingerichtet. Stattdessen ist er jetzt mit 34 Jahren plötzlich die Nummer eins und hatte am Sonntag seine Hände überall. Kane, Gnabry, Olise, Karl: Sie alle brachte er zur Verzweiflung. Im Strafstoßschützen Kane fand er dann seinen Meister, aber das ist schon ganz anderen so gegangen.

Mainzer Jubel nach dem 2:1

Mainzer Jubel nach dem 2:1

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / AFP

Reserve zur Verteidigung: Bayern-Trainer Vincent Kompany gönnte diesmal seinem Defensivverbund eine Startelfpause und begann ohne Konrad Laimer, Dayot Upamecano, Jonathan Tah und Aleksandar Pavlović. Angesichts dessen, wie selten die Mainzer vorn auftauchten, hätten die vier am Anfang auch spielen und sich dennoch schonen können. Laimer und Pavlović kamen dann auch noch in die Partie und durften gleich mal das 1:2 hinnehmen.

Niemals vergessen: Urs Fischer ist wieder zurück in der Bundesliga, jener besonnene Trainer, der einst in Berlin-Köpenick das so erfolgreich zelebrierte, was irgendwann liebevoll als Terrorfußball benannt wurde. Unattraktiv, aber effektiv. Der Terrorfußball ist zurück.

Mainzer Trainer Urs Fischer

Mainzer Trainer Urs Fischer

Foto: Joeran Steinsiek / STEINSIEK.CH / IMAGO

Der Fischer: Der Schweizer Coach hat in Mainz einen Klub übernommen, der schon relativ abgeschlagen am Tabellenende steht. Aber als belesener Mensch weiß er um seinen Namensvetter bei Goethe, dass es da unten gar nicht so schlimm sein muss: »Ach, wüsstest du, wie’s Fischlein ist, so wohlig auf dem Grund. Du stiegst herunter, wie du bist, und würdest erst gesund.«

Der Mann aus den Bergen: Vielleicht hat ihn der eine oder andere auf der Bayern-Ehrentribüne sogar gar nicht sofort erkannt. Schließlich ging Thomas Müller nach 14 bartlosen Jahren aus München und kam am Sonntag als echter Kanadier mit Vollbart zurück, um sich seinen Nachfolger Lennart Karl mal genau anzuschauen. Das Holzfällerhemd hat er sich noch geschenkt. Aber als Nikolaus für die Weihnachtsfeier des Klubs stünde er zur Verfügung.

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Zahl des Spiels: Das Führungstor von Lennart Karl war der 50. Saisontreffer der Bayern, dies schon am 14. Spieltag. Das hat bisher noch keiner geschafft. Die Hinrunde ist noch längst nicht vorbei, das läuft auf Dreistelligkeit am Ende der Spielzeit hinaus.

Zitat des Spiels: »Ja, ist denn heut schon Weihnachten?« Dazn-Livereporter Marco Hagemann beim 1:2, eine Verbeugung vorm Kaiser.

Erkenntnis des Spiels: Die Bundesliga plötzlich wieder irre spannend. Erreicht Vincent Kompany seine Spieler noch?