SpOn 09.02.2026
12:09 Uhr

FC Bayern München: Gala-Vorstellung von Luis Díaz gegen Hoffenheim stärkt Max Eberl


Drei Tore erzielt, zwei Elfmeter herausgeholt: Luis Díaz war beim 5:1 des FC Bayern gegen die TSG Hoffenheim der überragende Spieler – und inzwischen auch Sinnbild für die gestärkte Machtposition von Max Eberl.

FC Bayern München: Gala-Vorstellung von Luis Díaz gegen Hoffenheim stärkt Max Eberl

Die letzte Begegnung zum Abschluss des 21. Spieltags hätte einige spannende Geschichten liefern können. Potenzial dafür gab es genug.

Das Duell Erster gegen Dritter, die zuletzt zweimal sieglosen Bayern gegen die TSG Hoffenheim – das beste Bundesligateam des Kalenderjahrs 2026.

Ein weiterer Ausrutscher des Meisters und der Vorsprung auf Verfolger Dortmund wäre weiter geschrumpft.

Ein Hauch von Krisenstimmung hätte sich womöglich in München breitgemacht. Aber die Bayern gewannen ja 5:1.

Das Spiel hätte auch die Geschichte von Manuel Neuer und Oliver Baumann erzählen können. Von einem möglichen Duell um die Nummer eins im Tor der Nationalmannschaft, in gut vier Monaten bei der WM in Amerika.

Nach der erneuten Verletzung von Marc-André ter Stegen wurde bereits über ein mögliches Neuer-Comeback beim DFB spekuliert.

Das Spiel selbst lieferte darauf keine Antwort und keinen Punktsieger.

Zwar patzte Neuer, als er mit einem Fehlpass im Strafraum Hoffenheims Ausgleich einleitete. Ansonsten zeigte Neuer – wie es Neuer eben seit Jahren macht – teils überragende Paraden.

Und auch Oliver Baumann, der aktuelle Stammtorwart bei Julian Nagelsmann, glänzte trotz einiger Unsicherheiten immer wieder. An den Gegentoren war er schuldlos.

An den fünf Gegentoren, an denen immer ein Spieler des FC Bayern beteiligt war. Und so wurde das Spiel zur Geschichte von Luis Díaz. Weil er zwei Elfmeter herausholte. Weil er drei Treffer selbst erzielte. Weil er zeigte, warum er so wichtig ist für den FC Bayern.

Eine halbe Stunde nach Abpfiff schlich der Kolumbianer durch die Interviewzone der Arena. Unter den linken Arm geklemmt hatte er einen Ball als Trophäe für seinen ersten Dreierpack in München. Fragen beantworten und sprechen wollte er nicht.

Luis Díaz (l.) mit dem Ball, seiner Trophäe für den ersten Bundesliga-Hattrick

Luis Díaz (l.) mit dem Ball, seiner Trophäe für den ersten Bundesliga-Hattrick

Foto: Luka Kolanovic / STEINSIEK.CH / IMAGO

Über Díaz redete später Vincent Kompany. Und er vermittelte dabei einen ganz guten Eindruck, wie man sich als Gegenspieler von Luis Díaz wohl fühlen muss. Kompany war einst einer der weltbesten und kompromisslosesten Abwehrspieler, aber auch er, so gab er zu verstehen, hätte gegen einen wie Díaz große Probleme gehabt.

»Ich weiß, wie das ist als Verteidiger, wenn ein Spieler auf dich zukommt, und du glaubst, jetzt hast du den Ball. Aber dann hat er einen Extraschritt gemacht und die Richtung geändert. Du glaubst, die Phase ist vorbei, sie ist aber nicht vorbei. Entweder kommt er dann allein vors Tor oder manchmal passieren diese Fouls.«

Kompany sagte dann noch: »Er hat diese Chaos-Kreativität«. Und: »Er liebt dieses Chaos. Das macht ihn so gefährlich.« Wie Luis Diaz dieses Chaos erzeugt, das zeigte sich bei und vor den Situationen, die zu den beiden Elfmetern für die Bayern führten.

Etwa als er nach 18 Minuten in Hoffenheims Strafraum stürmte und sich im Laufduell mit Kevin Akpoguma wiederfand. Es folgte ein gegenseitiges Halten und Ziehen, dann ließ sich Díaz im richtigen Moment fallen.

Akpoguma sah Rot, Bayern bekam den Elfer, Kane traf zum 1:0, es war die vorentscheidende Szene des Spiels.

Dieses Mal nur spielerische Konfrontationen

Chaos zu kreieren, das gelang ihm auch kurz vor der Halbzeitpause sehr eindrucksvoll. Nach einem Zweikampf mit Albian Hajdari kam es zu Wortgefechten, auch Rechtsverteidiger Vladimir Coufal suchte die Konfrontation mit Díaz. Für einen Augenblick fühlte man sich an jenen Moment Anfang November in Paris erinnert, ebenfalls kurz vor der Halbzeit, als Díaz im Champions-League-Spiel bei PSG nach seinen beiden Toren kurz vor der Halbzeit Rot sah. Wegen eines Tritts gegen Achraf Hakimi.

Am Sonntag ließ er sich nicht hinreißen durch ein Foul, durch Provokationen. Am Sonntag suchte er nur 50 Sekunden nach der hitzigen Szene den direkten Zweikampf mit Coufal. Díaz lief in den Strafraum und wurde von seinem Bewacher niedergerissen. Weil Coufal vielleicht glaubte, er habe bald den Ball, die Phase sei bald vorbei. Aber dann machte Díaz den Extraschritt und war nur durch ein Foul zu bremsen.

Der nächste Elfmeter, Kane, das 2:1.

Doppelt vom Elfmeterpunkt erfolgreich: Harry Kane

Doppelt vom Elfmeterpunkt erfolgreich: Harry Kane

Foto: Luka Kolanovic / STEINSIEK.CH / IMAGO

Als Hoffenheim kurz nach Anstoß den Ball verlor und Kane einen Konter einleitete, da musste Díaz das Chaos einmal nicht selbst erzeugen. Das Chaos war schon vorhanden. Hoffenheims Abwehr stand aufgrund des schnellen Gegenzugs in kompletter Unordnung. Es ging jetzt nur darum, das bestehende Chaos zu nutzen und zu vollenden. Mit einem flachen Schuss in die Lücke, ins lange Eck, gar nicht einmal mit hohem Tempo.

Genugtuung für Eberl

Chaos zu erzeugen und im Chaos die richtige Lösung zu finden: eine wesentliche Kernkompetenz des Kolumbianers. Darüber freute sich am Sonntagabend auch Max Eberl. Schließlich war es der Sportvorstand, der vergangenen Sommer den Transfer gegen massive Kritik verteidigen musste. Zu alt, zu teuer, einen 28-Jährigen für 75 Millionen Euro vom FC Liverpool zu verpflichten, wie kann man nur. Und dass sie sich an der Anfield Road womöglich köstlich amüsieren, doch noch einen Klub gefunden haben, der ihnen so viel Geld überweist.

Die Kritiker sind längst verstummt. Max Eberl wollte auf Nachfrage am Sonntagabend dezidiert nicht von einer Genugtuung sprechen. Er sagte nur, dass sie im Klub damals gemeinsam von der Verpflichtung überzeugt gewesen seien. Und dass Díaz eben ein Schlüsselspieler sei, ein Unterschiedsspieler, der liefert, wenn andere Offensivkräfte wie Michael Olise, Serge Gnabry oder Lennart Karl wie am Sonntag eher durchwachsen agieren.

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So steht Díaz inzwischen sinnbildlich für Eberls Entwicklung im Klub. Im Sommer 2025 auch durch öffentliche Kommentare von Uli Hoeneß noch geschwächt, gilt der Sportvorstand mittlerweile als mächtig und unantastbar wie nie zuvor in seinen zwei Jahren beim FC Bayern. Zu sehen ist das auch an seinem Auftreten in Interviews und Gesprächen mit Reportern. Das Dünnhäutige, seine leichte Reizbarkeit, die kurze Zündschnur ist Vergangenheit. Eberl ist angekommen in seiner Rolle.

Luis Díaz hat noch gut drei Jahre Vertrag beim FC Bayern, er ist jetzt 29, und ob er mit 32 dann auch noch so viel positive Unruhe stiftet im Spiel, bleibt abzuwarten. Im Moment beweist er aber, dass er auch in eher mittelmäßigen Auftritten seiner Mannschaft ein Spiel fast allein entscheiden kann. Das kann ihnen auch am Mittwoch helfen, im Viertelfinale des DFB-Pokals zu Hause gegen Leipzig, sofern das Spiel überhaupt stattfindet. Aufgrund eines Streiks im öffentlichen Nahverkehr und darauf resultierender Probleme bei An- und Abreise der Zuschauer wollte Klubchef Jan-Christian Dreesen eine Spielverlegung nicht definitiv ausschließen.

Helfen soll Díaz den Bayern dann auch in der Champions League, ab dem Achtelfinale Mitte März.

Damit er weiter viel Chaos kreiert. Auf dem Weg zum Henkelpott.