SpOn 22.01.2026
10:42 Uhr

FC Bayern München: Dayot Upamecanos neuer Vertrag - Die eine Baustelle im Klub


Die Münchner marschieren durch die Champions League. So gut es sportlich läuft: Wie der Bayern-Kader künftig aussieht, ist offen. Viele Verträge enden, und gerade um einen wird gerungen – mit Abwehrboss Dayot Upamecano.

FC Bayern München: Dayot Upamecanos neuer Vertrag - Die eine Baustelle im Klub

Bei der Analyse verfiel Max Eberl kurz in seinen Heimatdialekt. Max Eberl stammt aus Bogen, die Stadt liegt tief in Niederbayern. Seine Herkunft hört man dem Sportvorstand des FC Bayern selten an, meist spricht Eberl gepflegtes Hochdeutsch. Als er am späten Mittwochabend aber zu einer Bewertung des Spiels anhob, sagte Eberl, dass er die erste Halbzeit als »zaach« empfunden habe. Also als zäh. Es war eine sehr treffende Beschreibung.

Zwar war auch die zweite Hälfte an diesem kalten Januarabend nicht wirklich erwärmend, immerhin sorgten die beiden Tore von Harry Kane kurz nach der Pause für einen letztlich mühelosen 2:0-Erfolg gegen Union Saint-Gilloise. Und noch viel wichtiger: Der Sieg sicherte den Bayern am vorletzten Spieltag der Ligaphase die vorzeitige Qualifikation fürs Achtelfinale der Champions League.

Kommenden Mittwoch, am letzten Champions-League-Spieltag, geht es bei der PSV Eindhoven nur noch darum, ob die Mannschaft Platz zwei in der Tabelle behauptet und damit in der K.-o.-Phase bis einschließlich Halbfinale im Rückspiel Heimrecht genießt. Sofern die Bayern natürlich das Halbfinale erreichen.

Die Frage, ob die Bayern wie im Vorjahr den Umweg über die Playoffs nehmen müssen, ist nun also geklärt, sie müssen es nicht. Andere Fragen hingegen sind in diesen Wochen noch unbeantwortet, das betrifft den Kader und die Zukunft mancher Spieler über das Saisonende hinaus. Wer geht, wer bleibt, wer bekommt einen neuen Vertrag?

Bei gleich einem halben Dutzend gestandener Profis laufen die Verträge im Sommer aus. Bei den meisten Personalien sind die Bayern-Bosse entspannt. Nur eine sorgt für Unruhe, es geht um Dayot Upamecano, Münchens Abwehrboss, der sich ziert, den Bayern endgültig zuzusagen.

Guerreiro gegen Union: Flexibel einsetzbar

Guerreiro gegen Union: Flexibel einsetzbar

Foto: Ronald Wittek / EPA

Aber zunächst zu den anderen offenen Fragen. Etwa die nach Sven Ulreich, dessen Vertrag ausläuft und der als Nummer drei in der Torhüterhierarchie hinter Manuel Neuer und Jonas Urbig kaum noch Aussicht auf Spielzeit hat.

Eine Entscheidung zu Ulreichs Verbleib hat aber derzeit genauso wenig Priorität wie bei Raphaël Guerreiro, der am Mittwoch als Rechtsverteidiger einen eher durchwachsenen Auftritt hinlegte. Der 32-Jährige spielt nur dann eine Rolle, wenn andere verletzt ausfallen, so wie derzeit die Außenverteidiger Josip Stanišić und Konrad Laimer. Für Guerreiro spricht, dass er viele Positionen ausfüllen kann, auch die im Mittelfeld. Aber: Eine Trennung zum Saisonende wäre für die Bayern verschmerzbar.

Die Goretzka-Frage

Eher fraglich scheint auch der Verbleib von Leon Goretzka. Der Nationalspieler war 2018 zu den Bayern gekommen, in den Anfangsjahren spielte er neben Joshua Kimmich im Mittelfeld, die beiden waren eine feste Größe als Doppelsechs. Doch zuletzt blieb dem einstigen Führungsspieler oft nur die Zuschauerrolle von der Ersatzbank.

So auch am Mittwoch, als neben Kimmich wieder einmal Aleksandar Pavlović in der Startelf stand. Nach Spielende vermeldete der Datenanbieter Opta 150 erfolgreiche Pässe, die Pavlović gegen den belgischen Meister gespielt hatte – und damit mehr als jeder andere Bayern-Spieler seit Beginn der Datenerfassung 2003, ein vereinsinterner Rekord.

Goretzka kam in der zweiten Minute der Nachspielzeit aufs Feld, er spielte drei Pässe, dann war Abpfiff. Gut vorstellbar, dass sich der bald 31-Jährige aufgrund fehlender Perspektive im Sommer einen neuen Verein sucht.

Neuer am Mittwochabend: Hat er bald genug vom Profifußball?

Neuer am Mittwochabend: Hat er bald genug vom Profifußball?

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / AFP

Aber auch hier sind die Bayern-Bosse genauso entspannt wie bei Manuel Neuer, der kürzlich ankündigte, eine Entscheidung zu seiner Zukunft werde gegen Ende März fallen. Womöglich also in der Länderspielpause. Am 27. März, wenn die DFB-Auswahl ein Testspiel gegen die Schweiz bestreitet, wird Neuer 40, womöglich wird er zum Geburtstag mit einem neuen Vertrag für ein weiteres Jahr beschenkt. Viel hängt in dieser Frage vor allem an Neuer selbst, ob er verlängern möchte oder ob er genug hat vom Profifußball.

Und dann gibt es noch Serge Gnabry, den in der Offensive vielseitig einsetzbaren Allrounder, dem zwar seit Jahren die nötige Konstanz fehlt, der aber immer wieder gut ist für Tore und Vorlagen. Sportchef Eberl sagte in dieser Woche, er sehe bei den Gesprächen mit Gnabry »Licht am Ende des Tunnels«.

Nur bei Upamecano wird es kribbelig

Das klingt aus Klubsicht erfreulich, so wirkt bei den Personalfragen fast alles sehr entspannt beim FC Bayern.

Wäre da nicht das Thema Upamecano. Die bei den Vertragsfragen wohl wichtigste Personalie.

Upamecano, 27, war schon immer ein sehr guter Verteidiger, doch seit Vincent Kompany im Sommer 2024 sein Trainer geworden ist, hat sich der Franzose weiter verbessert. Seine Mischung aus Tempo, Athletik, vorausschauendem Stellungsspiel und Ballfertigkeit macht ihn zum idealen Bayern-Verteidiger. Und die Aussetzer, die er sich einst regelmäßig in der Defensive leistete, suchte man in seinem Spiel zuletzt vergeblich. Upamecano hat sich auf Topniveau stabilisiert.

Upamecano in Leipzig: »Wir werden mit ihm reden«

Upamecano in Leipzig: »Wir werden mit ihm reden«

Foto: Matthias Koch / IMAGO

Am Mittwoch fehlte er krankheitsbedingt, auch sein Einsatz am Samstag gegen den FC Augsburg ist zweifelhaft. Viel drängender aber ist die Frage, ob er über den Sommer hinaus bleibt.

Seit vielen Wochen sind die Bayern mit dem französischen Nationalspieler und seinem Berater in intensiven Verhandlungen. Laut Eberl steht das Angebot des Klubs, auf eine Rückmeldung des Münchner Abwehrchefs wartet er aber noch immer.

Mehr zum Thema

»Die Entscheidung liegt nun beim Spieler«, sagte Eberl vor einigen Tagen zu »Bild Sport« auf Welt TV. »Wir alle wünschen und hoffen, dass bald eine Entscheidung fällt. Es gibt keine Frist, aber es wäre für alle Beteiligten hilfreich, wenn bald eine Entscheidung getroffen würde.« Aufhorchen ließ Eberl dabei mit dem Satz: »Selbst wenn die Entscheidung gegen uns ausfallen sollte, würden wir damit leben können.«

Am Mittwoch noch einmal darauf angesprochen, reagierte Eberl schmallippig: »Wir werden mit ihm reden. Wir werden verkünden, wenn es etwas zu verkünden gibt, in welche Richtung auch immer.« Und dann sagte er noch: »Wir klären das intern.«

»Ich glaube, das, was er jetzt da liegen hat, das sollte er unterschreiben. Es wird nicht besser.«

Vorstandschef Jan-Christian Dreesen über das Angebot an Upamecano

Dass die Personalie allmählich zum Reizthema wird und die Münchner Ungeduld wächst, war schon bei Vorstandschef Jan-Christian Dreesen herauszuhören. Bei einem Fanklubbesuch vor zwei Wochen riet er Upamecano, sehr bald eine Entscheidung zu treffen. »Ich glaube, das, was er jetzt da liegen hat, das sollte er unterschreiben«, so Dreesen, »es wird nicht besser. Wir haben ihm ein außerordentlich gutes Angebot gemacht.«

Dass man »nicht jeden Blödsinn« mitmachen würde, meinte Dreesen noch mit einem Machtwort und fügte hinzu: »Wenn man einen Kaugummi zu lange kaut, ist der Geschmack irgendwann raus. Deshalb darf sich das nicht wie Kaugummi ziehen«.

Sonst wird der Kaugummi wie die erste Halbzeit am Mittwoch. Ziemlich zaach.