SpOn 12.01.2026
10:16 Uhr

Ex-Sportvorstand Stefan Kuntz: Aufsichtsrat des Hamburger SV hält Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Kuntz für »glaubhaft«


Nach der Trennung von Stefan Kuntz beim Hamburger SV gibt es schwere Vorwürfe gegen den früheren Nationalspieler. Kuntz hat die Anschuldigungen als falsch bezeichnet. Der Aufsichtsrat hält dagegen.

Ex-Sportvorstand Stefan Kuntz: Aufsichtsrat des Hamburger SV hält Vorwürfe sexueller Belästigung gegen Kuntz für »glaubhaft«

Der Aufsichtsrat des Hamburger SV hat die Trennung von Sportvorstand Stefan Kuntz verteidigt und hält Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den früheren Nationalspieler für »glaubhaft«. Das hat das Gremium in einer Erklärung vom Montagvormittag deutlich gemacht.

Kuntz selbst hatte den Vorwürfen im Zusammenhang mit seinem plötzlichen Abschied als Sportvorstand des Hamburger SV widersprochen. »Erst einmal möchte ich sagen, dass mich die Vorwürfe hart treffen. Klar ist: Ich weise diese Vorwürfe entschieden zurück!«, hieß es in einem Statement auf dem offiziellen Instagram-Profil von Kuntz. Zuvor hatte die »Bild« von Anschuldigungen durch HSV-Mitarbeiterinnen gegen den 63-Jährigen berichtet.

Vorwürfe einer Klubmitarbeiterin

Laut »Bild« hat mindestens eine Klubmitarbeiterin Vorwürfe gegen Kuntz erhoben, von ihm sexuell belästigt worden zu sein. In der Woche vor dem letzten Spiel der Hamburger vor der Feiertagspause sollen demnach Mitglieder des Aufsichtsrats Kuntz über die Vorwürfe informiert haben. Der Sportvorstand habe sich demnach vor dem Gremium dazu äußern wollen, ein Treffen sei dann aber abgesagt worden.

In seiner Erklärung findet der Aufsichtsrat deutliche Worte: »Der HSV duldet unabhängig von der betroffenen Hierarchieebene kein Fehlverhalten der hier in Rede stehenden Art und bekennt sich nachhaltig zu den in der Satzung niedergelegten Werten der Toleranz und des Respekts und wendet sich gegen Diskriminierung jeder Art. Dem Aufsichtsrat war es wichtig, im vorliegenden Fall schnell und konsequent zu handeln.«

Die Vorwürfe sollen laut »Bild« der eigentliche Grund für die überraschende Auflösung seines Vertrags zum Ende des Jahres 2025 und seinen Abschied aus Hamburg nach anderthalb Jahren sein. Kuntz ließ in seinem Statement wissen, er habe »im Sinne meiner Familie und aller mir nahestehenden Personen« seine Anwälte eingeschaltet. Diese sollten laut Kuntz »gegen diese falschen Vorwürfe und Vorverurteilungen« vorgehen.

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Am 2. Januar hatte der Verein überraschend verkündet, dass sich der HSV und Kuntz auf die Auflösung des Vertrags geeinigt hätten. Laut Mitteilung hatte der 63-Jährige den Aufsichtsrat der AG nach den Weihnachtsfeiertagen aus persönlichen, familiären Gründen um eine sofortige Beendigung seiner Tätigkeit zum 31. Dezember 2025 gebeten.

»Manchmal gibt es wichtigere Dinge als Fußball. Das ist nun bei mir der Fall. Mehr möchte ich dazu nicht sagen und bitte darum, dies zu respektieren«, war Kuntz zitiert worden. »Dem HSV danke ich für tolle anderthalb Jahre. Ich wünsche den Teams und der gesamten Geschäftsstelle weiterhin das Beste.«

Europameister von 1996

Auch in einem Post auf der Plattform Instagram hatte er zu diesem Zeitpunkt keine weiteren Details genannt. »Es war mir eine große Ehre, Teil dieses besonderen Vereins zu sein. Die Zeit beim HSV war intensiv, emotional und geprägt von echten Werten«, hieß es in dem Beitrag auf Kuntz’ Profil unter anderem.

In seiner Karriere war Kuntz Profi unter anderem beim VfL Bochum, 1. FC Kaiserslautern, bei Arminia Bielefeld und in der Türkei bei Beşiktaş. Mit der Nationalmannschaft wurde er 1996 Europameister.

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Nach seiner Spielerkarriere arbeitete er als Trainer bei mehreren Vereinen, für die deutsche U21-Auswahl und die türkische Nationalmannschaft. Beim 1. FC Kaiserslautern war er von 2008 bis Januar 2016 Vorstandschef. Zudem war er als Experte bei TV-Sendern gefragt.

Im Mai 2024 hatte er Jonas Boldt als Sportvorstand des HSV abgelöst. Unter Kuntz’ Führung kehrten die Hamburger nach siebenjähriger Abstinenz in die Bundesliga zurück.

aha/dpa