Die Holocaustüberlebende Eva Schloss ist im Alter von 96 Jahren gestorben. Die einstige Freundin von Anne Frank, die später Stieftochter von deren Vater Otto Frank wurde, starb am Samstag, wie die britische Zeitung »Jewish News« unter Berufung auf die Familie berichtete.
Sie lebte seit vielen Jahren in Großbritannien und setzte sich als Ehrenpräsidentin der Stiftung Anne Frank Trust bis ins hohe Alter für die Erinnerung an den Holocaust und für Toleranz ein.
»Meine Frau und ich sind zutiefst betrübt, von Eva Schloss’ Tod zu hören«, hieß es in einer Mitteilung von König Charles III. und Königin Camilla. Der Horror, den sie als junge Frau habe erdulden müssen, sei unmöglich zu begreifen.
Trotzdem habe sie den Rest ihres Lebens den Bemühungen gewidmet, Hass und Vorurteile zu überwinden. »Wir fühlen uns beide geehrt und sind stolz, sie gekannt zu haben und wir bewundern sie zutiefst«, hieß es weiter. Charles hatte 2022 mit Schloss getanzt, als er mit ihr ein jüdisches Gemeindezentrum im Norden Londons besuchte.
Schloss, die 1929 als Eva Geiringer in Wien in eine jüdische Familie geboren wurde, floh gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder vor den Nazis in die Niederlande, wo sie sich mit Anne Frank anfreundete. Beide Familien versteckten sich in Wohnhäusern in Amsterdam, wurden aber verraten, entdeckt und in Konzentrationslager verschleppt.
Viele Jahrzehnte in Großbritannien gelebt
Anne Frank, deren Tagebuchaufzeichnungen aus ihrem Versteck in Amsterdam weltweit bekannt wurden, starb 1945 in Bergen-Belsen. Ihr Vater Otto Frank heiratete 1953 Evas Mutter Elfriede, nachdem beide ihre Partner im Holocaust verloren hatten. Auch der Bruder von Eva Schloss kam in Auschwitz ums Leben. Schloss ließ sich nach dem Krieg in Großbritannien nieder und heiratete dort. Sie hinterlässt drei Töchter, Enkel und Urenkel.
Dem »Guardian« hatte Schloss 2017 gesagt : »Anna war viel reifer und ernster als ich. Sie war ein Schuljahr über mir und ging auf eine Montessori-Schule. Ich war auf einer regulären Schule.«
2019 hatte Schloss Schlagzeilen gemacht, als sie in den USA Jugendliche traf, die zuvor mit Hitlergruß und Hakenkreuzen posiert hatten. Die Fotos verbreiteten sich damals schnell im Internet, die Scham in der Stadt Newport in Kalifornien war groß. Schloss sagte nach dem Treffen, die Schüler hätten sich zwar bei ihr für ihr Verhalten entschuldigt, hätten aber nicht verstanden, was es heiße, mit Hitlergruß und Hakenkreuz zu posieren. »Sie dachten, es sei ein Witz.« (Mehr zu dem Treffen lesen Sie hier.)
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version der Meldung stand, Eva Schloss sei 1926 geboren. Wir haben die Jahreszahl korrigiert.
