SpOn 21.11.2025
11:18 Uhr

Eurovision Song Contest: ESC bekommt neue Abstimmungsregeln


Höchstzahl abzugebender Stimmen eingeschränkt, Ächtung von PR-Kampagnen durch Regierungen: Mit neuen Regelungen will der Veranstalter des Eurovision Song Contest offenbar die israelkritischen Sender vom Boykott abbringen.

Eurovision Song Contest: ESC bekommt neue Abstimmungsregeln

Die Europäische Rundfunkunion (EBU) nimmt Änderungen am Regelwerk des von ihr veranstalteten Eurovision Song Contests (ESC) vor. ESC-Direktor Martin Green betonte in einer EBU-Mitteilung, man unternehme »klare und entschiedene Schritte, um sicherzustellen, dass der Wettbewerb eine Feier der Musik und Einigkeit bleibt.« Der Contest solle ein neutraler Raum bleiben und »nicht instrumentalisiert werden«, so Green.

Insgesamt hat die EBU vier neue Regelungen eingeführt:

  • Neue Regeln für die Werbung für einzelne Beiträge: Zwar heißt man die Promotion für Künstlerinnen, Künstler und Lieder ausdrücklich gut. Aber man »rate von unangemessenen PR-Kampagnen ab«, insbesondere wenn sie »von Dritten wie etwa Regierungen oder Regierungsagenturen unternommen oder unterstützt werden«. Den teilnehmenden Sendern wird die Mitwirkungen an solchen Kampagnen untersagt. Diese Maßnahme bezieht sich offenkundig auf Vorwürfe gegen Israel, das in Internetanzeigen zur Wahl für seinen ESC-Titel aufrief, finanziert von einer Regierungsagentur .

  • Änderung der Höchststimmenzahl: Bisher durfte jede Zuschauerin und jeder Zuschauer insgesamt 20 Stimmen abgeben. Für den Wettbewerb 2026 wurde die Maximalzahl auf zehn Stimmen pro Zahlungsmethode (Online, SMS oder Anruf) begrenzt. Die EBU ermutigt Fans dazu, ihre Stimmen über mehrere Beiträge zu verteilen. Auch hier wurde Israel 2025 kritisiert: In der genannten Werbekampagne wurde ausdrücklich erklärt, wie man seine 20 Stimmen für einen Song einsetzen kann.

  • Rückkehr des Juryvotums im Halbfinale: Im Eurovision Song Contest werden die Platzierungen zu 50 Prozent durch Publikumsstimmen und zu 50 Prozent durch die Voten professioneller Jurys bestimmt. Dies gilt zumindest für die Finalsendung. Bei den beiden Halbfinals wurde das Juryvotum 2022 abgeschafft. Nun werden die Jurystimmen wieder eingeführt. Zudem wurden die Regeln für die Besetzung der Jurys geändert: Statt bisher fünf sollen zukünftig sieben Musikprofis pro Land abstimmen. Unter ihnen sollen zukünftig mindestens zwei Mitglieder aus der Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren stammen. Damit soll der große Erfolg des ESC beim jungen Publikum auch in den Jurys repräsentiert werden.

  • Ausweitung technischer Sicherheitsmaßnahmen: Zuletzt will die EBU mit dem Dienstleister Once, der die Abstimmungen durchführt, vermehrt an Sicherheitssystemen zu arbeiten, um betrügerische oder koordinierte Wahlaktivitäten aufzudecken. Immer wieder wurde über Unregelmäßigkeiten spekuliert. ESC-Direktor Green betont: »Wir sind überzeugt, dass der Contest 2025 ein valides und robustes Resultat hatte«, man wolle aber das Vertrauen in die Ergebnisse stärken.

2025 hatte der israelische Beitrag »New Day Will Rise« von Yuval Raphael in der Rangfolge der Jurystimmen den 15. Platz erreicht, kam im Televote hingegen auf Platz eins – daraus resultierte insgesamt der zweite Gesamtrang. Umgekehrt stürzte bei den Juryvoten zweitplatzierte Schweiz durch null Punkte aus dem Publikum auf Platz zehn ab. Auch in früheren Jahren gab es starke Diskrepanzen zwischen den Jury- und Publikumsstimmen.

Mehrere Länder, darunter Spanien, Irland und die Niederlande, drohten zuletzt mit einem Boykott des Wettbewerbs, sollte Israel auch im kommenden Jahr dabei sein. Hintergrund war einerseits das Vorgehen Israels im Gazastreifen nach dem Angriff der Hamas im Oktober 2023, zum anderen hatte es aber auch Vorwürfe gegeben, Israel könne die Zuschauerabstimmung manipuliert haben. Zumindest könnte Israel von der aufwendigen Werbekampagne in sozialen Netzwerken profitiert haben. Deutsche Politiker und auch Stimmen aus anderen Ländern sprachen sich allerdings gegen einen Ausschluss Israels aus.

Bei der Generalversammlung der EBU am 4. und 5. Dezember in Genf werden Entscheidungen zur Teilnahme der Rundfunkanstalten erwartet. Die neuen Regelungen sollen allem Anschein nach die kritischen Länder besänftigen. Der ESC wird nach dem Sieg des Sängers JJ 2026 in Wien stattfinden. Der ausrichtende ORF hofft sogar auf eine Rekordzahl an Teilnehmerländern.

feb