SpOn 18.12.2025
14:16 Uhr

Europäische Zentralbank belässt Leitzins bei 2,0 Prozent


Die Geldpolitik im Euroraum bleibt vorerst unverändert: Die Europäische Zentralbank verzichtet erneut auf eine Zinsanpassung. Über eine Erhöhung im kommenden Jahr wird aber bereits spekuliert.

Europäische Zentralbank belässt Leitzins bei 2,0 Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält ihren Leitzins angesichts einer Inflationsrate nahe ihrem Zielwert konstant. Den wichtigen Einlagensatz beließ der EZB-Rat um Präsidentin Christine Lagarde am Donnerstag bei 2,0 Prozent. Diesen Satz erhalten Finanzinstitute, wenn sie bei der Notenbank überschüssiges Geld parken.

Mit dem Schritt verlängert die EZB angesichts unsicherer Zeiten und einer eingedämmten Inflation ihre Zinspause. Bereits bei den geldpolitischen Sitzungen im Juli, September und Oktober hatte die Notenbank die Leitzinsen nicht angetastet. Zuvor hatte es eine Serie von Senkungen gegeben: Noch im Frühjahr 2024 lag der Einlagenzins, den Banken erhalten, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, doppelt so hoch bei 4,0 Prozent.

Tendenziell sind niedrigere Leitzinsen gut für die Konjunktur: Kredite werden erschwinglicher, Firmen und Privatleute kommen günstiger an Finanzierungen für Anschaffungen oder Investitionen und können so für Wirtschaftswachstum sorgen. Sparerinnen und Sparer erhalten jedoch weniger Zinsen für Tages- und Festgeld, da Banken niedrigere Einlagenzinsen für geparkte Gelder an ihre Kundschaft weiterreichen.

Zuletzt lag die Inflation in der Eurozone in der Nähe des angepeilten Ziels von mittelfristig zwei Prozent. Im November lag die Teuerungsrate unverändert bei 2,1 Prozent. Die Inflationswelle nach Ausbruch des Ukrainekriegs wurde also gebrochen. Zudem ließ auch die Unsicherheit an den Finanzmärkten mit Blick auf den Zollstreit mit den USA nach.

EZB-Präsidentin Lagarde betonte zuletzt wiederholt, die Notenbank sei mit dem derzeitigen Zinsniveau »gut aufgestellt«, um durch die Unsicherheit zu steuern. Das kann als Hinweis darauf gesehen werden, dass die Leitzinsen im Euroraum vorerst stabil bleiben.

Kommt bald eine Zinserhöhung?

An den Finanzmärkten wird demgegenüber bereits über eine mögliche Zinserhöhung 2026 oder spätestens 2027 spekuliert. Preisdruck dürfte etwa von der expansiven deutschen Finanzpolitik ausgehen, die im kommenden Jahr viele Milliarden Euro für Infrastruktur und Verteidigung ausgeben will. Das könnte für neuen Inflationsdruck sorgen. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte zuletzt signalisiert, dass der nächste Schritt eine Zinserhöhung sein könnte. Händler preisen inzwischen eine etwa 30-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt bis Ende 2026 ein.

Mehr zum Thema

Hinzu kommt, dass die Euro-Wirtschaft trotz Belastungen wie den hohen US-Zöllen in diesem Jahr um mehr als ein Prozent wachsen könnte. Auf neue Impulse durch billigeres Geld ist sie damit nicht so sehr angewiesen. »Bisher zeigt sich die Euroraum-Wirtschaft widerstandsfähig«, sagte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner dazu.

sol/dpa/Reuters