Ein Vorfall am Grenzfluss Narva alarmiert die estnische Regierung. Nach Angaben des Außenministeriums in Tallinn haben drei russische Grenzschützer unerlaubt die Grenze zum benachbarten EU- und Nato-Land Estland überschritten.
Demnach sollen die Beamten illegal die Kontrolllinie auf einem Wellenbrecher im Grenzfluss Narva nahe dem Ort Vasknarva überquert haben, an dem sie mit einem Luftkissenfahrzeug eingetroffen und zu Fuß entlanggegangen waren. Danach seien sie wieder zu ihrem Fahrzeug und auf die russische Seite zurückgekehrt. Das Ministerium in Tallinn veröffentlichte ein Video, das von einem Überwachungssystem festgehalten wurde und den Vorfall am Mittwochmorgen belegen soll.
Nach Angaben von Estlands Innenminister Igor Taro ist unklar, was die Motive der russischen Grenzbeamten waren und warum sie die Kontrolllinie überschritten. »Es bestand keine unmittelbare Sicherheitsbedrohung, aber die Polizei und der Grenzschutz haben ihre Präsenz und Patrouillen deutlich verstärkt«, sagte er im estnischen Fernsehen. Wegen des Vorfalls sei ein Treffen von Vertretern der Grenzschutzbehörden der beiden Länder angesetzt worden. Estland hat zudem angekündigt, den Geschäftsträger der russischen Botschaft in Tallinn einzubestellen und verlangt eine Erklärung.
Bereits in der Vergangenheit war es an den Nato-Außengrenzen im Osten zu Spannungen gekommen. Im vergangenen Jahr beschuldigte Estland russische Grenzschützer, mehrere Navigationsbojen aus dem Fluss Narva gezogen zu haben. Tallinn bewertete den Vorfall damals als »Akt der Provokation«. Immer wieder kommt es zudem zu Verletzungen des europäischen Luftraums und Drohnensichtungen.
Estland beginnt mit Bau von Bunkern an Grenze zu Russland
Zum Schutz gegen russische Angriffe plant Estland den Bau Hunderter neuer Bunker und kilometerlanger Panzergräben im Grenzgebiet. In dieser Woche hat das Land mit den Arbeiten an den ersten fünf Bunkern begonnen. In den kommenden Monaten sollen 23 weitere Schutzräume eingerichtet werden, wie das Estnische Zentrum für Verteidigungsinvestitionen in Tallinn mitteilte.
Insgesamt sollen bis Ende 2027 bis zu 600 Bunker im Nordosten und Südosten Estlands gebaut werden, die demnach in erster Linie dem Schutz von Soldaten vor direkten Treffern durch 152mm-Artilleriegranaten dienen sollen. Auch soll bald mit dem Ausheben eines 3,4 Kilometer langen Panzergrabens begonnen werden, hieß es in einer Mitteilung der Regierung in dieser Woche.

