SpOn 01.12.2025
20:20 Uhr

Epitheloides Angiosarkom: An dieser Krebsart leidet Thomas Gottschalk


Der Moderator und Entertainer Thomas Gottschalk ist an einem sehr seltenen und hochaggressiven Krebs erkrankt. Er verursacht lange keine Beschwerden, wird oft spät erkannt – und betrifft vor allem Männer.

Epitheloides Angiosarkom: An dieser Krebsart leidet Thomas Gottschalk

Die erste Operation dauerte sieben Stunden, die zweite sechs, dann folgte wochenlange Bestrahlung. Thomas Gottschalk hat Krebs, seit knapp vier Monaten kämpft er gegen die Erkrankung. So schildert es der Moderator und Entertainer gemeinsam mit seiner Frau der »Bild«-Zeitung. In seinem Becken sei ein Tumor gewachsen, der sehr selten, aber auch sehr aggressiv sei: ein epitheloides Angiosarkom. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Erkrankung.

Was ist ein epitheloides Angiosarkom?

Beim epitheloiden Angiosarkom bildet sich ein Tumor aus Zellen, die Blutgefäße oder Lymphgefäße auskleiden. Es handelt sich um eine sehr seltene und hochaggressive Krebsform, die vor allem Männer betrifft und im Alter auftritt. Das höchste Risiko haben Menschen um die 70. Die Tumoren bilden sich in der Regel in tiefen Weichteilen der Arme und Beine, häufig in Muskeln, können grundsätzlich aber auch an vielen anderen Stellen des Körpers vorkommen, etwa Nebennieren, Schilddrüse, Haut und Knochen. Bei Gottschalk musste dem »Bild«-Bericht zufolge unter anderem ein Teil des Harnleiters und der Blase entfernt werden.

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»Epitheloide Angiosarkome sehen oft aus wie bläuliche Knoten oder, in der Blasenwand, auch wie eine flächige Rötung«, erklärt Jens Jakob, Leiter der Sarkomchirurgie und des Sarkomzentrums an der Universitätsmedizin Mannheim. Das epitheloide Angiosarkom gehöre zu den gefährlicheren Sarkomen. Es neige dazu, zurückzukommen und Metastasen zu bilden.

Dass Thomas Gottschalk mit seiner Krebsdiagnose an die Öffentlichkeit gegangen ist, sieht Jakob sehr positiv. »Ich habe hohen Respekt davor und ich danke Thomas Gottschalk für seinen Mut«, sagt er. »Für unsere Patientinnen und Patienten ist es sehr wichtig, dass sie offen mit ihrer Erkrankung umgehen können. Gottschalks Beispiel könnte ihnen helfen.«

Wie häufig ist die Erkrankung?

Extrem selten. Beim epitheloiden Angiosarkom handelt es sich um eine Unterform des Angiosarkoms, an dem in Deutschland Schätzungen zufolge jährlich 40 bis 80 Menschen erkranken.

Wie äußert sich die Erkrankung?

Angiosarkome werden oft erst spät diagnostiziert, da sie lange Zeit keine Beschwerden verursachen. Die Symptome unterscheiden sich außerdem abhängig von der Größe des Tumors und dem Ort, an dem er wächst. Das erschwert zusätzlich die Diagnose.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

»Für die Behandlung eines epitheloiden Angiosarkoms muss man, wie für jeden Tumor, ein Konzept aufstellen, am besten in einem Sarkomzentrum mit einem interdisziplinären Tumorboard«, sagt Jakob. »Dabei empfehlen wir in aller Regel ein multimodales Therapiekonzept, das heißt eine Kombination aus Chemotherapie, Bestrahlung und Operation.« Bei der Operation sollte der Tumor mit möglichst großem Sicherheitsrand entfernt werden.

»Die Strahlentherapie halbiert das Risiko für lokale Rezidive«, so Jakob. Und die Chemotherapie reduziere die Gefahr einer Metastasierung. Außerdem gebe es moderne Therapien, die gezielt an den Signalwegen des Tumors angreifen würden. Und auch eine Immuntherapie sei grundsätzlich möglich. Viele Fragen zur Wirksamkeit dieser Therapien seien aber noch offen. »Leider«, sagt Jakob, »sind randomisierte Wirksamkeitsstudien zur Behandlung von seltenen Tumoren nur sehr schwer durchführbar, einfach weil es zu wenige Patientinnen und Patienten gibt.«

Ganz wichtig sei es, jede Therapie vorher mit dem Patienten zu besprechen, sagt Jakob. »Die Patientin und der Patient entscheiden mit darüber, welche Therapie durchgeführt wird und wo eine Grenze liegt.«

Wie starke Schmerzen hat man nach der OP und durch den Tumor?

»Üblicherweise sind die Schmerzen nach der Operation durch eine professionelle Schmerztherapie gut beherrschbar«, sagt Jakob. Falls bei der Operation Nerven durchtrennt werden müssten, weil sie vom Tumor befallen seien, könnten aber hinterher sogenannte neuropathische Schmerzen auftreten. Zudem kann ein Tumor durch Einwachsen in das umgebende Gewebe zu starken und schwer behandelbaren Schmerzen führen. Eine Operation im Becken kann zudem Störungen der Harnkontinenz, des Schließmuskels und der Sexualfunktion verursachen.

Welche Heilungschancen haben Betroffene?

Jeder Krebspatient ist individuell, entsprechend stehen Statistiken nie für einzelne Personen. Grundsätzlich haben epitheloide Angiosarkome jedoch eine eher schlechte Prognose, da der Tumor häufig zurückkommt. Mehr als die Hälfte der Patienten stirbt innerhalb von zwei bis drei Jahren nach der Diagnose. 20 bis 30 Prozent der Betroffenen gelten zu diesem Zeitpunkt aber als krebsfrei. »Ich wünsche allen Patientinnen und Patienten eine optimale Therapie in einem spezialisierten Zentrum und von Angehörigen und Freunden viel Unterstützung«, sagt Jakob. »Und dann braucht man auch immer etwas Glück.«