Die Menschheit hortet große Datenmengen. Die Frage nach der zuverlässigen und langfristigen Speicherung des globalen Wissens beschäftigt Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Ein Forschungsteam von Microsoft Research hat eigenen Angaben zufolge ein System namens Silica entwickelt, das Antworten liefern soll: Mit Laser werden winzige Datenpunkte in Glas eingraviert. Laut Microsoft könnten die Daten so Jahrtausende erhalten bleiben.
Daten werden dafür in Form von Bits zu Symbolgruppen umgewandelt und dann mit einem sogenannten Femtosekundenlaser als winzige Verformungen in ein dünnes Stück Quarz- oder Borosilikatglas codiert. Das Glas ist zwei Millimeter dick und wird in verschiedenen Schichten beschrieben – um die gesamte Dicke ausnutzen zu können.
Zwei Millionen Bücher auf 12 × 12 Zentimetern
Die Daten lassen sich laut Microsoft mit einem automatisierten Mikroskop auslesen. Experimente deuten demnach zudem darauf hin, dass die Datenträger mehr als 10.000 Jahre überdauern würden.
Laut Richard Black, Forschungsleiter des Projekts Silica, können so auf einer Fläche von zwölf mal zwölf Zentimetern 4,8 Terabyte Daten gespeichert werden.
Das wären laut den Forschern Feng Chen und Bo Wu von der Shandong-Universität in China, die nicht an der Studie beteiligt waren, so viele Daten wie in etwa zwei Millionen gedruckten Büchern.
Ein Bild, das der Vergangenheit angehört?
Foto:Erik Isakson / Getty Images
In einem Artikel in der Fachzeitschrift »Nature« haben Feng Chen und Bo Wu geschrieben, dass das neue Speichermedium noch einige Herausforderungen zu bestehen habe. Dazu gehöre die Suche nach einer Möglichkeit, die Daten schneller zu schreiben, die Platten in Massenproduktion herzustellen und sicherzustellen, dass die Menschen leicht auf die Informationen zugreifen und sie lesen können.
Sie erklärten zugleich, Silica habe eine »tragfähige Lösung für die Bewahrung der Aufzeichnungen der menschlichen Zivilisation« geschaffen.
- USB-Sticks, Speicherkarten, SSDs und Co.: So finden Sie den richtigen Datentransporter Von »c't«-Redakteur Christof Windeck
- Rechnen mit Licht: Kommt KI bald mit einem Hundertstel des Stroms aus? Aus Phoenix berichtet Martin Schlak
- Künstliche Intelligenz in der Forschung: »Eines Morgens fand ich eine Datei auf meinem Desktop: solution.txt« Ein SPIEGEL-Gespräch von Marc Hasse und Martin Schlak, Tübingen
Die Entwicklung könne ein »Meilenstein in der Geschichte der Wissensspeicherung darstellen, vergleichbar mit Orakelknochen, mittelalterlichem Pergament oder der modernen Festplatte«, schreiben die Forscher.
