Gesucht wird eine Mülldeponie für die Ewigkeit: Etwa 60 Jahre lang lieferten deutsche Atomkraftwerke Energie, inzwischen sind sie abgeschaltet, doch der dabei entstandene hochradioaktive Müll ist geblieben – und im Moment weiß niemand, wohin damit.
Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) ist damit betraut, nach einem Standort zu suchen. Im Jahr 2031 sollte die Entscheidung fallen, doch daraus wird offenbar nichts, wie der Deutschlandfunk (DLF) berichtet .
Der DLF beruft sich auf einen Referentenentwurf des Bundesumweltministeriums, in dem das Zieljahr 2031 ersatzlos gestrichen wurde. Das Ziel sei nicht realistisch, hieß es demnach in der Begründung. Zudem sei eine gesetzliche Vorgabe nicht mit den Anforderungen an das Auswahlverfahren kompatibel. Details dazu wurden nicht bekannt.
Ersatz für Gorleben
Das BGE und das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hätten eine Stellungnahme abgelehnt und auf das Umweltministerium verwiesen, berichtet der DLF. Das Umweltministerium habe den Entwurf nicht kommentieren wollen, da er bisher nicht fertig sei.
Ursprünglich sollte ein Endlager im Salzstock Gorleben entstehen, was erhebliche Proteste auslöste, zudem gab es Zweifel, ob der Standort wirklich geeignet sei. Letztlich scheiterte der Plan. Seit ihrer Gründung im Jahr 2016 ist die BGE mit der Standortsuche betraut. Konkret geht es um ein Endlager für hochradioaktiven Müll, der über eine Million Jahre hinweg sicher gelagert werden soll. Endlager für schwach- und mittelradioaktiven Müll gibt es bereits, etwa in Morsleben, Sachsen-Anhalt.
Nach einer Schätzung des Bundesumweltministeriums werden bis zum Jahr 2080 circa 650.000 Kubikmeter Atommüll anfallen. Von diesen sind nur rund fünf Prozent hochradioaktive Abfälle, sie produzieren jedoch 99 Prozent der Radioaktivität des gesamten deutschen Atommülls.
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Es gibt schon länger Zweifel, dass der Zeitplan für die Endlagersuche eingehalten werden kann. Julia Neles vom Öko-Institut Darmstadt sagte in einem SPIEGEL-Interview im November, ein geeigneter Standort könnte frühestens im Jahr 2046 feststehen. »Atommüll ist eine Aufgabe von Generationen«, sagte die Forscherin weiter. (Das ganze Interview lesen Sie hier.)
Derweil arbeiten einige Start-ups daran, den Atommüll unschädlich zu machen. Statt einer Million soll er dann nur noch wenige Hundert Jahre strahlen. Ob das funktionieren kann, lesen Sie hier.
