SpOn 02.12.2025
06:28 Uhr

Embargo: Forscherin entwickelt neues Warngeräusch für leise Elektrofahrzeuge


Zu leise, um sicher zu sein: Eine japanische Forschergruppe testet neue Töne, damit Elektroautos besser wahrgenommen werden – und entdeckte dabei das »perfekte Brummen«.

Embargo: Forscherin entwickelt neues Warngeräusch für leise Elektrofahrzeuge

Elektroautos machen wenig Lärm, weil sie mit einer leisen Batterie statt eines Verbrennermotors fahren. Was für Anwohner ein Segen ist, wird für Fußgänger und Radfahrer im Straßenverkehr zum Risiko. Weil diese die geräuscharmen Fahrzeuge oft erst im letzten Moment bemerken, müssen Hersteller künstliche Fahrgeräusche in die Autos einbauen. Welche Töne sich dafür besonders gut eignen, ist bislang jedoch kaum erforscht.

Ein Team um die japanische Akustikforscherin Mei Suzuki hat nun erstmals künstliche Fahrgeräusche getestet und herausgefunden, dass sich besonders tiefe Frequenzen am besten eignen. Ihre Arbeit stellte sie laut einer Mitteilung bei einem Kongress  der Acoustical Society of America und der Acoustical Society of Japan vor, der derzeit in Honolulu stattfindet.

Die Forschenden erstellten dafür eine ganze Bibliothek von Tönen, darunter verschiedene Varianten von sogenanntem rosa Rauschen  – einer speziellen Geräuschform mit dominanten tieffrequenten Anteilen. Dabei nimmt die Leistung pro Oktave mit steigender Frequenz ab – konkret um etwa drei Dezibel pro Oktave. Das bedeutet: Tiefe Töne sind stärker vertreten, hohe Töne klingen leiser. So entsteht ein wärmeres Geräusch, das dem Klang vieler realer Umgebungen wie Regen, Wind oder Meeresrauschen nahekommt. Die Forschenden ließen sich von der japanischen Onomatopoetika, also lautmalerischen Wörtern, inspirieren.

Die Klänge spielten die Forschenden dann Testpersonen in Laborumgebung und im Straßenverkehr vor. Anschließend bewerteten die Teilnehmenden, wie auffällig, angenehm und alarmierend die Geräusche wirkten.

Testpersonen bewerten Klänge von leisen Fahrzeugen: Tiefe Frequenzen schneiden am besten ab

Testpersonen bewerten Klänge von leisen Fahrzeugen: Tiefe Frequenzen schneiden am besten ab

Foto: Mei Suzuki

Japanische Lautmalerei als Inspiration

Das Ergebnis: Tiefe Frequenzen, die vorwiegend beim rosa Rauschen vorkommen, schneiden am besten ab. Sie ähneln dem natürlichen Motorengeräusch und bleiben auch im Straßenlärm klar erkennbar. »Die Probanden nahmen das tieffrequente Rauschen selbst in lauter Umgebung zuverlässig wahr«, sagt Suzuki. Das mache es besonders geeignet, um Unfälle mit Fußgängern – insbesondere mit sehbehinderten Menschen – zu vermeiden.

Das Forschungsteam plant, ähnliche akustische Warnsignale auch für E-Bikes, E-Scooter und andere Mikromobilitätsgeräte zu entwickeln. Denn für diese kleineren Fahrzeuge fehle bislang fast jede Forschung. »Wir hoffen, mit unseren Ergebnissen zur Sicherheit im urbanen Raum beizutragen«, sagt Forscherin Suzuki.

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sug