SpOn 01.08.2026
15:55 Uhr

Eisherstellung früher und heute: Von Schnee aus den Bergen zu Mango-Limette-Basilikum


Schon im alten China liebte man Eis mit Honig und Früchten, der Schnee dafür kam aus den Bergen. Heute isst man Sorten wie Mango-Limette-Basilikum. Ein Besuch bei »Luicella’s Ice Cream« in Hamburg.

Eisherstellung früher und heute: Von Schnee aus den Bergen zu Mango-Limette-Basilikum

Wenn der ägyptische Sultan Lust auf Eis hatte, setzte sich eine ganze Reihe von Leuten in Bewegung: Boten bestellten im heutigen Syrien Schnee und Eis. Arbeiter schlugen Eisblöcke aus den Bergen, packten sie in Kisten und luden sie auf Kamele. Die Kamelreiter übergaben sich das Eis wie beim Staffellauf, alles musste schnell gehen, damit es unterwegs nicht wegschmolz.

In Kairo wurde die kostbare Fracht in den Palast gebracht. Dort löffelte der Herrscher das Eis wohl mit gezuckertem Rosenwasser. Um das Jahr 1040 erhielt allein die Küche des Sultans täglich 14 Kamel­ladungen Eis, so schrieb ein damaliger Reisender.

Früher war Eis ein Luxusgut, heute gibt es rund 4800 Eisdielen in Deutschland. Zehn davon gehören zu »Luicella’s Ice Cream«, einer Kette in Hamburg.

Früher war Eis ein Luxusgut, heute gibt es rund 4800 Eisdielen in Deutschland. Zehn davon gehören zu »Luicella’s Ice Cream«, einer Kette in Hamburg.

Foto: Eva-Maria Gebhardt / DEIN SPIEGEL

Tür auf, Schokoeis aus dem Tiefkühler holen – das gab es damals natürlich noch nicht. Deshalb war Eis sehr lange Zeit ein Luxusgut. Es war aufwendig zu beschaffen und schwierig zu lagern.

Heute dagegen ist es fast überall auf der Welt erhältlich und beliebt. Auf Sizilien isst man Granita, in Dänemark Softeis, in Südkorea Bingsu mit roter Bohnenpaste. In Japan steckt man eine Kugel Eiscreme in eine Hülle aus Mochi-Reis, in Deutschland gibt’s Spaghetti-Eis.

Bevor es Kühlschränke gab, wurde das Eis im Winter aus zugefrorenen Seen geschlagen. Es lagerte in tiefen Kellern und diente vor allem dazu, Lebensmittel zu kühlen.

Noch vor den alten Griechen und den Römern erkannte man in China vor mehreren Tausend Jahren das Genuss-Potenzial von Eis und Schnee, die mit Früchten, Gewürzen und Honig vermischt wurden. Die Speise nennen wir heute Sorbet. Ein paar Jahrhunderte später entdeckten die Chinesen: Wenn man Kaliumnitrat (Salpeter) in Wasser rührt, entzieht das Salz dem Wasser seine Wärme. Dann wird das Wasser sehr kalt, und man kann zum Beispiel Fruchtsäfte abkühlen oder sogar gefrieren lassen.

1843 erfand die US-Amerikanerin Nancy Johnson eine Eismaschine, die mit einer Handkurbel betrieben wurde. Das machte die Herstellung deutlich einfacher. Gut 30 Jahre später baute der deutsche Ingenieur Carl von Linde eine »Kältemaschine«. Mit seiner Erfindung war Eis kein Luxusgut mehr, sondern wurde zum Genuss für viele.

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Eis wurde nun in Wagen auf der Straße serviert. Händler zogen mit rollenden Karren durch Großstädte wie New York oder London. Sie schaufelten das Eis mit einem Holzspatel in einen kleinen Glasbecher, der »Penny Lick« (Schlecken für einen Pfennig) hieß. Wer das bestellte, leckte das Glas aus und gab es dem Händler zurück. Der füllte es für den Nächsten in der Schlange. Abwaschen war Nebensache.

»Luicella’s« hat einen großen Rezeptfundus und entwickelt seit rund zehn Jahren Eissorten: Klassiker wie Stracciatella und Ausgefallenes wie Frischkäse-Karottenkuchen oder Birne-Salbei.

»Luicella’s« hat einen großen Rezeptfundus und entwickelt seit rund zehn Jahren Eissorten: Klassiker wie Stracciatella und Ausgefallenes wie Frischkäse-Karottenkuchen oder Birne-Salbei.

Foto: Eva-Maria Gebhardt / DEIN SPIEGEL

Weil sich Menschen deshalb beim Eisessen mit Krankheiten wie Tuberkulose ansteckten, verboten viele Städte die Eiswagen. Den italienischen Einwanderer Italo Marchiony brachte das in New York auf eine Idee: Wie wäre es, wenn man den Becher einfach mitisst? Für die Erfindung der gerollten Eiswaffel wurde ihm in seiner italienischen Geburtsstadt ein Denkmal gesetzt.

In der Test-Küche stehen Zutaten in Gläsern bereit. Es wird viel ausprobiert – manches klappt, manches nicht. »Einmal habe ich versucht, geschmolzenen Käse ins Eis zu rühren. Das war nicht lecker«, sagt Marie.

In der Test-Küche stehen Zutaten in Gläsern bereit. Es wird viel ausprobiert – manches klappt, manches nicht. »Einmal habe ich versucht, geschmolzenen Käse ins Eis zu rühren. Das war nicht lecker«, sagt Marie.

Foto: Eva-Maria Gebhardt / DEIN SPIEGEL

Auch in Deutschland waren nach dem Zweiten Weltkrieg fahrende Eiswagen verboten. Eismacher verkauften deswegen die Ware direkt aus ihrer Küche. In den Städten öffneten sie die Tür zum Hausflur, damals Diele genannt. Dort saßen die Gäste und aßen ihre Kugeln in der: Eisdiele. Der Name ist bis heute geblieben.

Heute gibt es rund 4800 Eisdielen in Deutschland. Zehn davon gehören zu »Luicella’s Ice Cream«, einer Kette in Hamburg, zu deren Gründern der frühere Weltrekord-Schwimmer Markus Deibler gehört.

Fotostrecke

So entsteht Eis bei »Luicella's« – Schritt für Schritt

Foto: Eva-Maria Gebhardt / DEIN SPIEGEL
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