SpOn 28.05.2026
16:19 Uhr

Einzelhandel: Kleine Läden sterben aus, während große Handelsketten wachsen


»Der ⁠deutsche Einzelhandel steckt mitten in einem historischen Strukturbruch«: Innenstädte verlieren einer Studie zufolge zunehmend inhabergeführte Geschäfte. Gleichzeitig profitieren Onlineplattformen und Filialisten.

Einzelhandel: Kleine Läden sterben aus, während große Handelsketten wachsen

In deutschen Innenstädten schließen immer mehr kleinere, inhabergeführte Geschäfte. Das geht aus einer Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Creditreform und des Handelsblatt Research Institutes (HRI) hervor. Demnach zählt der Einzelhandel zu den am stärksten ​schrumpfenden Wirtschaftsbereichen in Deutschland. Die ‌Zahl der Einzelhandelsbetriebe sei zwischen 2010 und 2025 um rund 16 Prozent auf 316.310 gesunken. Demnach beschleunigen Konzentrationsprozesse und Geschäftsaufgaben, insbesondere im stationären Handel, den Strukturwandel.

»Während Onlineplattformen, Discounter und große Filialisten Marktanteile gewinnen, geraten viele kleine und mittelständische Händler wirtschaftlich an ihre Grenzen«, sagte Creditreform-Chefökonom Patrik-Ludwig Hantzsch. Besonders in Innenstädten zeige sich dies. »Fachgeschäfte ​verschwinden, Leerstände nehmen zu und die Vielfalt des stationären Handels geht verloren.« Das klassische Warenhausmodell habe vielerorts keine ⁠Zukunft mehr. »Der ⁠deutsche Einzelhandel steckt mitten in einem historischen Strukturbruch.«

Die Zahl der kleinen Einzelhandelsgeschäfte mit einem Jahresumsatz von unter 250.000 Euro ist der Studie zufolge zwischen 2010 und 2025 um 28 Prozent ‌von rund 236.100 auf etwa 170.800 gesunken. Im gleichen Zeitraum habe ​sich hingegen die Zahl ‌der großen Einzelhandelsunternehmen mit Umsätzen von über 25 Millionen Euro verdoppelt.

Insolvenzen steigen

Ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Lage einer Branche sei die Entwicklung der Insolvenzen, erklärte Creditreform. Im Handel zeige sich seit einigen Jahren verstärkt das Phänomen, dass ‌zunehmend größere und prominente Unternehmen betroffen sind – »darunter Galeria Karstadt Kaufhof, die Hammer Fachmärkte, Esprit, Gerry Weber sowie der Schuhhändler Görtz und jüngst der Deko-Händler Depot«, hieß es. »Diese ‌Fälle bilden jedoch nur die Spitze des ​Eisbergs – der Rückzug geschieht größtenteils still.«

Insgesamt gab ‌es den Angaben zufolge 2025 im Einzelhandel rund 2440 Insolvenzen – ‌ein Anstieg ​von etwa neun Prozent zum Vorjahr. Damit setzte sich der Negativtrend fort. Bereits 2024 war die Zahl der Firmenpleiten im ​Einzelhandel um fast 20 Prozent gestiegen. Überdurchschnittlich ⁠stark betroffen waren zuletzt unter anderem ​der Buchhandel, ​der Einzelhandel mit Back- und Süßwaren sowie der Textileinzelhandel, wie es hieß.

kim/Reuters