SpOn 20.11.2025
11:08 Uhr

Einkommen: Lohnungleichheit steigt auf Rekordniveau


Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung ist die Einkommenskluft in Deutschland so groß wie seit 40 Jahren nicht mehr. Das schade auch dem Vertrauen in staatliche Institutionen.

Einkommen: Lohnungleichheit steigt auf Rekordniveau

Die Einkommensungleichheit in Deutschland hat nach Analyse der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ein bedenkliches Niveau erreicht. Wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Verteilungsbericht  des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der Stiftung hervorgeht, ist der sogenannte Gini-Koeffizient – ein Maß für Einkommensungleichheit – zwischen 2018 und 2022 um gut sechs Prozent gestiegen. Mit einem Wert von 0,31 erreichte er den höchsten Stand seit 1984.

Trotz Mindestlohn hätten Personen mit niedrigen Einkommen von der relativ positiven Wirtschafts- und Einkommensentwicklung im vergangenen Jahrzehnt vergleichsweise wenig abbekommen, heißt es in der Studie. Zudem seien solche Menschen von den Krisen seit 2020 am stärksten betroffen gewesen.

Die wachsende Ungleichheit schadet laut der Studie auch dem Vertrauen in staatliche und demokratische Institutionen. So gab rund ein Viertel der Erwerbspersonen unterhalb der Armutsgrenze an, der Polizei wenig oder gar nicht zu vertrauen, knapp ein Drittel zeigte geringes Vertrauen in Gerichte. Parallel dazu fällt die Wahlbeteiligung in unteren Einkommensgruppen niedriger aus als in höheren – auch wenn sie bei der Bundestagswahl 2025 insgesamt gestiegen ist.

Mehr zum Thema

Studienautorin Dorothee Spannagel warnte vor gesellschaftlichen Spannungen. Nach der in der Studie verwendeten Definition gelten Haushalte als arm, wenn ihnen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung stehen.

Für eine alleinlebende Person entspricht das derzeit einem jährlichen Nettoeinkommen von 15.439 Euro. Wer weniger als 50 Prozent des Medianeinkommens hat – also weniger als rund 12.866 Euro im Jahr – wird als »streng arm« eingestuft.

Der Verteilungsbericht stützt sich auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels, einer Haushaltsbefragung, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung seit 1984 jährlich durchführt. Weitere Datengrundlage ist eine regelmäßige Befragung der Stiftung, für die zuletzt im März 2025 mehrere Tausend Erwerbstätige und Arbeitsuchende befragt wurden.

kim/ssu/KNA