Als Amazon Ende September die neuen Echo-Show-Modelle präsentierte, war auf den ersten Blick erkennbar, dass die Geräte eine ordentliche Transformation hinter sich haben. Das Vorgängermodell von 2023 war noch ziemlich klobig: vorn ein dicker Bildschirm, dahinter eine noch dickere Lautsprecherbox, die der Form des Bildschirms folgte. Das hat sich nun glücklicherweise geändert. Der neue Echo Show der vierten Generation wirkt wie etwas, wovon Apple-Fans träumen: hinten ein dicker Lautsprecher, vorn ein schlankes Tablet. Aus Nutzerperspektive betrachtet könnte man meinen, der Bildschirm schwebt.
Echo Show 8: Vorne dünn und hinten dick
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDie Basis selbst ist rundlicher geworden. Auf diese Weise ließen sich neben dem Basslautsprecher noch zwei nach links und rechts abstrahlende Breitbandlautsprecher einbauen. Die sollen laut Amazon »raumfüllendes 3D-Audio« produzieren. Tatsächlich klingt der kleine Kasten ganz schön breit. Mit echtem Stereosound ist das aber nicht zu verwechseln. Dafür könnte man den Look mit dem von Apples HomePods verwechseln: Beide sind mit einem groben Kunststoffgewebe überzogen.
Rückansicht: Die Basis ist mit einem groben Gewebe überzogen
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDen Echo Show gibt es in zwei Größen, die Basis samt der Technik darin ist bei beiden Varianten identisch. Einen Unterschied macht nur der Bildschirm, der beim Echo Show 8 8,7 Zoll groß ist, beim Echo Show 11 aber 11 Zoll. Der Preisunterschied ist demgemäß gering. Das kleine Modell kostet 200 Euro, das große 40 Euro mehr. Ausschlaggebend für die Kaufentscheidung sollte daher maßgeblich die angedachte Nutzung sein. Wer ein solches Gerät vor allem als Mini-Fernseher betrachtet, sollte lieber zur 11-Zoll-Variante greifen. Wir haben zum Test die für viele deutsche Küchen besser geeignete 8-Zoll-Version gewählt.
Im Smarthome der Chef
Dessen Bildqualität ist absolut alltagstauglich. Mit einer Auflösung von 1340 × 800 Pixeln ist die Anzeige sehr scharf, Farben werden kräftig wiedergegeben, die Kontraste sind gut. Die Ausleuchtung wirkt allerdings etwas unregelmäßig. Mit hochwertigen Tablets wie den iPads oder Samsungs Galaxy Tab S ist das nicht zu vergleichen. Die sind allerdings auch sehr viel teurer, ganz ohne Lautsprecherbox.
Der Bildschirm: Kräftige Farben, knackscharf und immer mal wieder Hinweise auf beliebte Rezepte und Sportübertragungen
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELDabei sind Amazons Smart-Displays viel mehr als bloß Bildschirme. Tief in ihrem dicken Bauch sind sie auch Smarthome-Hubs, die Technologien wie Zigbee, Matter und Thread beherrschen. Viele vernetzbare Gadgets, von Leuchten bis Türschlösser, lassen sich damit ins Heimnetz bringen, ohne dass man dafür eine zusätzliche Steuerzentrale anschaffen muss.
So wundert es nicht, dass man ein Smarthome-Dashboard auf den Bildschirm holen kann, auf dem alle erreichbaren – und in meinem Falle viele nicht mehr erreichbare – Smarthome-Geräte angezeigt und gesteuert werden können. Von hier aus kann man vernetzte Lampen per Knopfdruck steuern oder einen Blick darauf werfen, was die vernetzten Überwachungskameras aufzeichnen oder wer an der Haustür gerade die vernetzte Türklingel gedrückt hat. Immer vorausgesetzt, dass man solche Smarthome-Gadgets besitzt und diese sich auch mit Amazons Alexa verstehen.
Smarthome-Dashboard: Nicht alle Gadgets spielen mit
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELUnd dass sie mitspielen. Während sich ein paar meiner vernetzten Lampen ein- und ausschalten ließen, schaffte es der Echo Show nicht, eine Verbindung zu Überwachungskameras von Amazons Hausmarke Blink herzustellen. Beim Einkaufen solcher Geräte sollte man daher auf einen Aufdruck wie »Works with Alexa« oder eine Matter-Kennzeichnung auf der Verpackung achten. Sie zeigen Kompatibilität mit dem Echo Show an. Bei älteren Gadgets, wie meinen Blink-Kameras, kann es zu Kommunikationsproblemen kommen. Als ich versuchte, den Videostream einer Blink-Kamera aufzurufen, deren Batterien leer waren, reagierte das Widget sogar mit einem Absturz.
Musik zum Wohlfühlen
Der Sound ist so, wie der Echo Show aussieht: fett! Die tiefen Bässe dominieren das Klangbild, das ansonsten von manchmal etwas zu spritzigen Höhen und leicht gedämpften Mitten geprägt wird. Taylor Swift und Miley Cyrus kommen da voll auf ihre Kosten, Genesis-Titel aus den frühen Siebzigern eher nicht. Was die Lautstärke angeht, muss man sich keine Sorgen machen: Amazons Smart-Display ist für »Casual Listening« gemacht, genau richtig, um beim Kochen die Dunstabzugshaube zu übertönen oder beim Gemüseschnippeln einen Podcast zu hören.
Musikvorschläge: Wie wäre es heute mit »Christmas Oldies«?
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELWobei beides nicht problemlos möglich ist, sofern man nicht Amazons eigenen Musikstreamingdienst benutzt. Spotify und Apple Music lassen sich zwar einbinden, aber nur eingeschränkt nutzen. Neben einigen Playlists, wie Apples »Top-Empfehlungen« und Spotifys »Für dich«-Listen, blendet das Gerät stets Amazons eigene Musikangebote ein. Schade, denn mir war gerade weder nach »Christmas Oldies« noch nach der Playlist »Deutsche Weihnachtslieder«.
In der Podcasts-Abteilung von Amazons Musik-Widget wurden mir kurioserweise nur Podcasts von Amazon und Spotify angezeigt, obwohl ich in der Alexa-App Apple-Podcasts als Standard-App vorgegeben habe. Immerhin: Per Sprachbefehl lassen sich Apple-Podcasts starten, man hat dann nur eben keine Übersicht oder Liste.
Eine sparsame Videoabteilung
Ähnlich sparsam wirkt die Abteilung »TV und Videos«. Nur Prime Video und Netflix werden hier mit nativen Apps unterstützt. YouTube, Disney+, TikTok, Facebook, Instagram und Red Bull TV werden über Amazons Silk-Browser aufgerufen. Das ist ziemlich nervig. Ein Blick in das Einstellungen-Menü des Browsers bringt wenig Einstellbares zum Vorschein. Hier kann man etwa eine von fünf Suchmaschinen auswählen, voreingestellt ist Microsofts Bing. Ruft man aber die Einstelloption »Standort« auf, wird man bloß belehrt, dass Websites »in der Regel Ihren Standort für relevante Funktionen« verwenden. Schön zu wissen, aber nicht abzuschalten.
»TV und Videos«: Außer Prime Video und Netflix läuft alles im Browser
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELSehr merkwürdig ist das Multitasking. Starte ich ein YouTube-Video, das so lange lädt, dass ich in ein anderes Widget wechsle, startet irgendwann im Hintergrund der Soundtrack des Videos. Ich kann dann aber nicht dorthin wechseln. Rufe ich jedoch über das Startmenü erneut den Menüpunkt TV und Videos und dort YouTube auf, stoppt das Video und ist nicht mehr zu finden.
Ansonsten macht es sogar auf dem vergleichsweise kleinen Display durchaus Spaß, Videos anzuschauen. Die Bildqualität ist, wie oben erwähnt, gut, und der Sound kann sich hören lassen. Als Küchen-TV, etwa, um beim Kochen oder Backen eine TV-Serie laufen zu lassen oder sich auf YouTube anzuschauen, wie man das perfekte Baguette knetet, reicht das allemal.
YouTube auf dem Echo Show 8: Derzeit nur im Browser
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELEin halb fertiger Bilderrahmen
Weil es ein Bildschirm ist, kann man den Echo Show auch als digitalen Bilderrahmen verwenden. Will man eigene Fotos anzeigen lassen, muss man die freilich auf Amazon Photos hochladen, mit Google Fotos und Apples Fotos funktioniert das nicht. Man kann aber auch von Amazon kuratierte Bilder und Fotos abspielen lassen, wenn man die mag. Die angebotene Kunstsammlung ist jedenfalls recht altbacken.
Bilderrahmen-Modus: Mögen Sie Stillleben?
Foto: Matthias Kremp / DER SPIEGELIm Bilderrahmen-Widget zeigt sich allerdings, wie schludrig die Texte der Benutzeroberfläche eingedeutscht worden sind. So werden dort aus Jahreszeiten »Jehreszeiten«, und das Menü, in dem man festlegt, wie lange die Bilder jeweils dargestellt werden sollen, wird als »Geschwindigkeit der Umdrehung« bezeichnet. Die Auswahlmöglichkeiten »Langsam – Sekunden«, »Mittel – 12 Sekunden« und »Schnell – Sekunden« manifestieren den Eindruck, dass die Software hier noch unfertig ist.
Fazit
Der neue Echo Show ist in vielerlei Hinsicht deutlich besser als die Vorgängermodelle. Das Design ist substanziell veredelt worden, die Bildschirme taugen etwas, und der Sound kann sich hören lassen – und wenn es sein muss, auch eine Küchenparty beschallen. Dass man den smarten Bildschirm als Steuerzentrale für Gadgets unterschiedlicher Hersteller nutzen kann, ist ein willkommenes Extra. Wer mit der Heimvernetzung gerade erst anfängt, kann sich die Anschaffung vieler anderer Smarthome-Hubs sparen. Das sollte man in den ohnehin günstigen Preis einbeziehen.
👍 Guter Bildschirm 👍 Kräftiger Sound 👍 Umfangreiche Smarthome-Integration | 👎 Wenige Streamingdienste 👎 Teilweise schludrige Übersetzungen |
Perfekt ist der Show aber nicht. Die Sprachsteuerung per Alexa funktioniert oft gut, macht aber auch Fehler. Auf die verbesserte Alexa+ muss man hierzulande noch warten. Wie lange, ist unklar. Nerviger ist ohnehin, dass das System an manchen Stellen schlecht oder falsch eingedeutscht wurde, dass es noch große Lücken bei den Musik- und Videostreamingdiensten gibt und dass die Smarthome-Integration nicht immer fehlerfrei funktioniert.
Aber all das sind Probleme, die man mit Softwareupdates lösen könnte. Ob und wann solche Updates kommen werden, hat Amazon uns bisher nicht verraten.

