SpOn 30.07.2026
14:47 Uhr

Ebola in der Demokratischen Republik Kongo: Mehr als 1500 Tote gemeldet


Das Ebolavirus breitet sich in der Demokratischen Republik Kongo so schnell aus wie nie zuvor. Bei vielen Betroffenen ist nicht klar, wo sie sich angesteckt haben.

Ebola in der Demokratischen Republik Kongo: Mehr als 1500 Tote gemeldet

Hohes Fieber, heftiges Erbrechen, Durchfall und Blutungen: Im Osten der Demokratischen Republik Kongo häufen sich die Ebolafälle. Das Virus breitet sich so schnell aus wie noch nie zuvor. In nur drei Monaten sind mehr als 1500 Ebolaerkrankte gestorben. Damit ist die aktuelle Epidemie schon nach wenigen Monaten der drittschwerste bekannte Ausbruch.

Besonders bedenklich: Trotz Nachverfolgung von Kontaktpersonen ist bei den meisten Neupatienten nicht klar, wo sie sich angesteckt haben. So lässt sich der Ausbruch kaum eindämmen, die Lage droht laut Fachleuten zu eskalieren.

Die Situation sehe derzeit wesentlich dramatischer und dynamischer aus als zu Beginn der bislang schlimmsten Ebolaepidemie in Westafrika 2014, sagte der Berliner Epidemiologe Maximilian Gertler, der für die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) mehrfach im Ebolaeinsatz war, der Deutschen Presse-Agentur. Damals starben binnen zwei Jahren mehr als 11.000 Menschen. »Es gibt leider im Moment kaum Anzeichen dafür, dass wir diese Epidemie besser, effektiver und früher stoppen können.«

Wie entwickelt sich der Ausbruch im Ostkongo?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte Mitte Mai den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Der erste nachgewiesene Ebolapatient starb Ende April in der ostkongolesischen Grenzprovinz Ituri, in der schätzungsweise viereinhalb Millionen Menschen leben. Experten gehen mittlerweile davon aus, dass das Virus schon seit Februar in der Region grassierte. Ebola wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen.

Schutzhandschuhe trocknen vor einem Krankenhaus in Bunia: Ebola endet häufig tödlich

Schutzhandschuhe trocknen vor einem Krankenhaus in Bunia: Ebola endet häufig tödlich

Foto: Dieudonne Dirole / EPA

Bislang sind knapp 3400 Fälle im Labor nachgewiesen worden. Die tatsächliche Zahl der Infizierten könnte nach Schätzungen der WHO zwei- bis viermal so hoch liegen. Demnach werden mehr als 80 Prozent der neuen Fälle außerhalb der Kontaktlisten anderer Patienten entdeckt, was zeigt, dass das Virus sich weiterhin ungehindert ausbreitet. Die Zahl der Neuerkrankungen steigt wöchentlich an.

Die Epidemie breitet sich auch räumlich immer weiter aus. Mittlerweile gibt es Fälle in fünf Provinzen, darunter direkt an der belebten Grenze zum armen und instabilen Südsudan.

Wieso ist das Fieber so tödlich?

Nach Behördenangaben liegt die Todesrate derzeit bei etwa 44 Prozent. Das bedeutet: Fast die Hälfte der nachweislich Erkrankten stirbt. Gegen die für den Ausbruch verantwortliche Bundibugyo-Variante des Ebolavirus gibt es noch keine gezielten Impfstoffe oder Medikamente.

Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen (MSF) berichten, dass viele Erkrankte erst mit kritischen Symptomen in die Behandlungszentren kämen, wenn die Überlebenschancen gering seien. Zwei Drittel der Toten sind nach Angaben der WHO Menschen, die in ihren Gemeinden sterben und nie in einer auf Ebola spezialisierten Einrichtung behandelt wurden. Todesfälle in Familien sind besonders gefährlich, weil sich pflegende Angehörige leicht anstecken können.

Warum scheitert die Eindämmung weiterhin?

Nach Angaben der WHO gibt es mittlerweile knapp 950 Betten in Isolations- und Behandlungszentren im Krisengebiet. »Angesichts der Dynamik der Epidemie und der sehr heterogenen Sicherheitslage vor Ort ist es sehr schwer, rechtzeitig ausreichend Kapazitäten unmittelbar dort zu haben, wo es am dringendsten ist«, sagt Mediziner Gertler.

Mangelnde Aufklärung und Misstrauen zählen zudem weiterhin zu den größten Problemen. Die Menschen hätten Angst davor, Erkrankte in Behandlungszentren abzugeben, sagt Gertler. Vielen fehle das Vertrauen in das Gesundheitssystem sowie die Bildung, um Übertragungswege nachvollziehen zu können. Helfer werden immer wieder angegriffen.

Mitarbeitender eines Gesundheitszentrums: Ebola ist hoch ansteckend

Mitarbeitender eines Gesundheitszentrums: Ebola ist hoch ansteckend

Foto: Gradel Muyisa Mumbere / REUTERS

Die Sicherheitslage im Osten des zentralafrikanischen Landes ist ein weiteres großes Problem. Hunderttausende Vertriebene leben teils seit Jahren in Behelfslagern mit schlechten sanitären Verhältnissen und kaum medizinischer Versorgung. Krankheiten wie Malaria und Cholera, die oft mit ähnlichen Symptomen wie Ebola einhergehen, sind verbreitet. Viele Menschen leiden Hunger und leben in ständiger Furcht vor Massakern oder sexueller Gewalt.

Die Provinzen Nord- und Süd-Kivu werden teilweise von Rebellen kontrolliert, die gegen die Regierung und mit ihr verbündete Milizen kämpfen. In Ituri greift die mit der Terrormiliz IS verbündete Rebellengruppe ADF Dörfer an. In diesem Jahr wurden der Konfliktdatenorganisation Acled zufolge mindestens rund 1100 Zivilisten in den drei Provinzen getötet.

Welche Maßnahmen werden ergriffen?

Seit Kurzem wird ein Impfstoff der Universität Oxford gegen die Bundibugyo-Variante an Menschen getestet. Nach Angaben der Entwickler liegen bereits 620.000 Dosen bereit – allerdings dürfte es selbst im besten Fall noch Monate dauern, bis großflächig geimpft werden kann.

Außerdem werden zwei antivirale Medikamente getestet: ein Antikörpercocktail namens MBP134 und das antivirale Medikament Remdesivir. Zudem läuft eine Studie mit dem Mittel Obeldesivir, das Personen vor einer Ansteckung schützen soll, die engen Kontakt zu Infizierten hatten.

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Die Nachverfolgung der Kontakte lag nach Angaben der WHO zuletzt bei 78 Prozent. Zur Eindämmung seien 95 Prozent nötig.

Wie sind die Aussichten?

Weitere Isolierbetten, noch mehr Kontaktnachverfolgung und ein massiver Ausbau bei der Aufklärung der Bevölkerung seien dringend nötig, sagt Ebolaexperte Gertler. »Wenn das nicht in ausreichendem Maße geschieht, müssen wir gegenwärtig davon ausgehen, dass der Ausbruch sich noch sehr lange, mit Sicherheit im nächsten Jahr, fortsetzen wird und auch andere Länder in der Region erreicht werden können.«

Craig Spencer war 2014 in Guinea, um Ebolakranke zu behandeln – und steckte sich an. Hier erzählt er, wie er dem Tod entkam.

koe/dpa