SpOn 29.09.2026
06:54 Uhr

Ebola: Behörden im Kongo melden mehr als 8000 Infektionen – bald 4000 Tote


Es gibt für diesen Erreger keinen Impfstoff und auch keine spezielle Therapie: In Kongo sterben weiter viele Menschen an Ebola. Zwei Faktoren erschweren die Bekämpfung der tödlichen Seuche.

Ebola: Behörden im Kongo melden mehr als 8000 Infektionen – bald 4000 Tote

Noch nie verbreitete sich das Virus so schnell: In der Demokratischen Republik Kongo  sind seit Mitte Mai bereits mehr als 8000 Ebolafälle bestätigt worden. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden  des zentralafrikanischen Landes wurden bis zum 26. September

  • 8067 Fälle der hochansteckenden Krankheit im Labor bestätigt.

  • In 3901 Fällen verlief die Krankheit tödlich,

  • 2070 Patientinnen und Patienten gelten als genesen.

  • Aktuell sind demnach 773 Menschen in Isolation oder Behandlung.

  • Betroffen seien sieben Provinzen des zweitgrößten afrikanischen Landes.

Bei der Mitte Mai bekannt gegebenen Epidemie handelt es sich bereits jetzt um die zweitgrößte – nach dem Ausbruch in Westafrika in den Jahren 2014 bis 2016. Zugleich gab es laut Africa CDC bei keinem vorangegangenen Ausbruch ein derart schnelles Wachstum im vergleichbaren Zeitraum.

Warum die Menschen den Weg zum Arzt scheuen

Die afrikanische Gesundheitsbehörde Africa CDC berichtete in ihrem jüngsten Briefing auch über eine hoffnungsvolle Entwicklung: In der nordostkongolesischen Provinz Ituri, einem Zentrum des Ausbruchs, sank in den vergangenen drei Wochen die Zahl der Fälle um 25 Prozent. Eine Entwarnung bedeutet dies aber nicht: In der Nachbarprovinz Nord-Kivu gab es im gleichen Zeitraum einen Anstieg um 56 Prozent.

In Nord-Kivu kam es nach Uno-Angaben in den vergangenen Wochen wieder verstärkt zu Kämpfen und der Flucht und Vertreibung Tausender Menschen. In der Region gibt es etwa hundert bewaffnete Gruppen. Die Unsicherheit in der Region führt nach Angaben von Africa CDC auch dazu, dass Menschen erst spät Gesundheitszentren aufsuchen, da sie den gefährlichen Weg dorthin scheuen. Ebolafälle werden daher oft erst relativ spät behandelt, was schwerere Krankheitsverläufe und eine höhere Sterblichkeit begünstigt.

»Wir können weder das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen noch Kranke isolieren, während Bomben fallen«, schrieb vor Kurzem Tedros Adhanom Ghebreyesus, Chef der Weltgesundheitsbehörde. Er appelliert an die Kriegsparteien, sich auf einen sofortigen Waffenstillstand zu einigen, damit der Ausbruch der Seuche eingedämmt werden kann.

Kontaktverfolgung bleibt problematisch

Zudem ist die Nachverfolgung von Kontakten von Ebolapatienten weiterhin schwierig – auch dies behindert die Bekämpfung des Ausbruchs. Africa CDC geht davon aus, dass für jeden Ebolafall etwa 60 Kontakte verfolgt werden müssten; tatsächlich beträgt das Verhältnis derzeit 1 zu 20.

Ebolafieber ist eine lebensbedrohliche Krankheit. Das Virus wird durch Körperkontakt und Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen und löst ein hochansteckendes Fieber mit Durchfall und Blutungen aus. Der aktuelle Ausbruch ist auch deshalb besonders schwer einzudämmen, weil es für den Ebola-Erreger vom Typ Bundibugyo bislang weder einen speziellen Impfstoff noch eine spezielle Therapie gibt.

Derzeit laufen seit Juli allerdings klinische Versuche zur Testung zweier antiviraler Therapieverfahren. In zwei weiteren Versuchsreihen wird untersucht, ob der Ebolaimpfstoff Ervebo auch vor dem Bundibugyo-Typ schützt. Ervebo ist für den Einsatz bei Ausbrüchen des Typs Ebola-Viruskrankheit – früher Zaire-Ebolavirus genannt – zugelassen und empfohlen.

Alle 30 Minuten stirbt in Kongo ein Mensch an Ebola, nie zuvor hat sich das Virus so schnell ausgebreitet. Es ist den Ärzten weit voraus, die in dem Kriegsgebiet auch noch bedroht werden. Die Uno ruft die Welt zu Hilfe. Mehr zu den Hintergründen lesen Sie hier: Ein Virus außer Kontrolle 

oka/dpa