Christine Lagarde könnte länger an der Spitze der Europäischen Zentralbank (EZB) bleiben als zuletzt erwartet. Die EZB-Präsidentin hat nach Berichten über angebliche Pläne für einen vorzeitigen Abgang in einem Zeitungsinterview durchscheinen lassen, dass sie ihre Amtszeit wohl doch bis zum Ende absolvieren will.
»Wenn ich auf all diese Jahre zurückblicke, denke ich, dass wir viel erreicht haben, dass ich viel erreicht habe«, sagte sie dem »Wall Street Journal «. »Wir müssen das konsolidieren und sicherstellen, dass es wirklich solide und verlässlich ist. Meine Grundannahme ist daher, dass dies bis zum Ende meiner Amtszeit dauern wird.«
Perspektive Weltwirtschaftsforum?
Die »Financial Times« hatte zuvor berichtet, Lagarde wolle ihr Amt als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) vorzeitig niederlegen, um dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron ein Mitspracherecht bei der Wahl ihrer Nachfolge zu geben – ehe möglicherweise in Frankreich Rechtsextreme regieren. Manche Beobachter hatten sie dafür bereits gelobt. Lagarde ging auf diesen Bericht laut »Wall Street Journal« allerdings nicht ein.
Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet unter Berufung auf Insider, dass Lagarde am Mittwoch in einer privaten Nachricht an ihre EZB-Kollegen versichert habe, dass sie weiter auf ihren Job konzentriert sei. Sollte sie zurücktreten wollen, würden sie dies von ihr und nicht aus der Presse erfahren. Dem »Wall Street Journal« sagte Lagarde weiter, sie sehe ihre Aufgabe in der Preis- und Finanzstabilität sowie darin, »den Euro zu schützen und sicherzustellen, dass er solide und stark und für die Zukunft Europas gerüstet ist«.
Lagardes reguläre Amtszeit läuft bis Ende Oktober 2027, im April 2027 wird in Frankreich gewählt. Lagarde sagte dem »Wall Street Journal« weiter, auch das Weltwirtschaftsforum sei »eine der vielen Optionen«, die sie nach ihrem Ausscheiden aus der Zentralbank für ihre Karriere in Betracht ziehe.
In den vergangenen Tagen war vor allem von rechter Seite aber auch Kritik laut geworden, dass Lagarde mit einem frühzeitigen Rückzug die Zentralbank politisieren könnte. Dem »Wall Street Journal« zufolge sähe sie die Unabhängigkeit der EZB durch solch einen Schritt aber offenbar nicht in Gefahr. »Ich denke, die EZB ist eine sehr angesehene und glaubwürdige Institution, und ich hoffe, dass ich dazu beigetragen habe«, wird Lagarde zitiert.
