SpOn 26.11.2025
10:12 Uhr

EU-Beitrag: Deutschland bleibt größter Nettozahler trotz Wirtschaftskrise


Kein anderes Land zahlt so viel in den EU-Haushalt ein wie Deutschland. Doch angesichts der Wirtschaftskrise sinkt der Nettobeitrag. Umgekehrt erhalten wachstumsstarke Länder weniger Unterstützung.

EU-Beitrag: Deutschland bleibt größter Nettozahler trotz Wirtschaftskrise

Deutschland bleibt trotz Wirtschaftskrise Nettozahler Nummer eins der Europäischen Union (EU) — mit Abstand. Zu dem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln). Im vergangenen Jahr zahlte Europas größte Volkswirtschaft 13,1 Milliarden Euro mehr in den EU-Topf ein, als sie daraus erhielt.

Die Ergebnisse der Studie lagen der Nachrichtenagentur Reuters vorab vor. Demnach macht sich die schwächelnde Konjunktur in Deutschland bemerkbar: 2022 lagen die Nettozahlungen noch bei 19,7 Milliarden Euro, 2023 bei 17,4 Milliarden Euro. Der aktuelle Wert entspricht in etwa dem Schnitt der Vor-Brexit-Jahre 2014 bis 2020 von 13,5 Milliarden Euro, als Großbritannien noch in den Topf einzahlte.

Auf Platz zwei liegt Frankreich, das im vergangenen Jahr 4,8 Milliarden Euro mehr abführte als zurückflossen. Auf Platz drei folgt Italien mit einem Nettobeitrag von 1,6 Milliarden Euro. Größter Nettoempfänger sind laut Studie Griechenland (3,5 Milliarden Euro) vor Polen (2,9 Milliarden Euro) und Rumänien (2,7 Milliarden Euro). Noch vor zwei Jahren lag hier Polen mit rund acht Milliarden Euro auf dem ersten Platz.

Sorgenkinder der EU

»Der EU-Haushalt ist ein Spiegel der wirtschaftlichen Machtverhältnisse in Europa«, sagte IW-Expertin Samina Sultan. Wachstumsstarke Länder wie Polen erhielten zuletzt weniger Unterstützung. »Deutschland und Frankreich sind die Sorgenkinder der EU«, fügte Sultan hinzu. »Ihre Wirtschaftskrise zeigt sich auch an den kleiner werdenden Beiträgen zum EU-Haushalt.« Wegen der anhaltenden Flaute und unterdurchschnittlichen Wachstums könnte die Bundesrepublik in diesem Jahr erneut weniger netto einzahlen, sagte Sultan.

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Auch bei den Nettozahlungen pro Kopf lag Deutschland im vergangenen Jahr mit 157 Euro auf Platz eins: Beim zweitplatzierten Irland waren es nur 130 Euro. Bis 2020 hat die EU-Kommission ihre Statistik über die Nettozahler und -empfänger noch selbst veröffentlicht. Sie verzichte inzwischen aber aus politischen Gründen darauf, so das IW. »Zwar lassen sich die Effekte der europäischen Integration nicht auf die Nettopositionen der Mitgliedstaaten reduzieren, aus Transparenzgründen ist ihre Berechnung dennoch wichtig«, betonte das Institut.

Forscher verweisen darauf, dass sich die EU-Mitgliedschaft für Deutschland trotz hoher Zahlungen nach Brüssel ökonomisch auszahlt. So profitiert die exportabhängige deutsche Wirtschaft enorm vom europäischen Binnenmarkt, die EU schafft zudem politische und wirtschaftliche Stabilität und ein Gegengewicht zu großen Wirtschaftsmächten wie den USA und China.

Seit der Coronakrise ergänzt der Wiederaufbaufonds NextGeneration EU den Haushalt und finanziert Investitionen für Digitalisierung und Klimaschutz. Rechnet man Haushalt und Wiederaufbaufonds zusammen, tragen Österreich, Schweden und Irland dem IW zufolge gemessen an ihrer Wirtschaftsleistung die größte Last – jeweils rund 0,5 Prozent. Deutschland folgt erst auf Platz sechs mit 0,35 Prozent.

abu/Reuters