Die deutschen Bauern haben diesen Sommer wegen der anhaltenden Hitze und Trockenheit eine deutlich schlechtere Getreideernte eingefahren als im Vorjahr. Der Deutsche Bauernverband (DBV) geht in seiner Erntebilanz 2026 von 41,9 Millionen Tonnen aus, das sind 7 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders die Hitzewelle in der zweiten Junihälfte, in der die Körner üblicherweise an Größe und Gewicht gewinnen, habe das Getreide beeinflusst.
Wie die Ernte ausfällt, ist aber auch eine Frage des Ortes. »Die diesjährige Ernte ist von enormen regionalen Unterschieden geprägt, mit einem starken Nord-Süd-Gefälle. Insbesondere in Süd- und Westdeutschland haben fehlende Niederschläge zu schwachen Erträgen bis hin zu Missernten bei einzelnen Kulturen geführt«, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied zur diesjährigen Ernte.
Besonders hart traf es demnach den Raps mit einem Ertragseinbruch von 20 Prozent, hiervon wurden nur 3,3 Millionen Tonnen geerntet. Neben Hitze und Trockenheit sorgten Schädlinge wie insbesondere der Erdfloh und die Kohlschotenmücke für einen Rückgang. Beim Weizen liegt die Erntemenge mit knapp 21 Millionen Tonnen rund sieben Prozent unter dem Vorjahr. Bei Gerste wurden zwar wie im Vorjahr 9,5 Millionen Tonnen geerntet, aber nur weil sie auf einer größeren Fläche angebaut wurde. Der Ertrag je Hektar sank um vier Prozent.
Bauernpräsident: Stoppelfelder bleiben aus Kostengründen stehen
»Dort, wo die Trockenschäden, und das gibt es insbesondere in Baden-Württemberg und Bayern, stark ausgeprägt sind, beispielsweise beim Mais, da wird der Regen nichts mehr helfen«, sagte Rukwied vor der Präsentation der Erntebilanz in der Sendung »Frühstart « von RTL und n-tv. Die Ernteschätzung basiert auf Meldungen der Landesbauernverbände beziehungsweise auf langjährigen Mittelwerten.
Für Herbstkulturen wie Kartoffeln, Soja, Rüben oder Gemüse, die meist noch gar nicht geerntet sind, sieht es ebenfalls düster aus. Bei Kartoffeln etwa seien selbst auf bewässerten Flächen kaum durchschnittliche Erträge zu erwarten. Bei Zuckerrüben seien regional teils 25 Prozent geringere Erträge zu erwarten. Bei den Herbstkulturen könnte Regen jedoch noch helfen, auch Grünland profitiere davon, solange es noch nicht braun sei. Dann sei der Regen »höchstwahrscheinlich zu spät«.
Bei Obst und Gemüse sind Mengen und auch Anbauflächen rückläufig. Hierfür machte Rukwied vor allem den zuletzt stark gestiegenen Mindestlohn auch in der Landwirtschaft verantwortlich. Man werde dabei deshalb immer abhängiger von Importen, beklagte der Bauernpräsident bei der Vorstellung der Ernteergebnisse – und verlangte für seine Branche erneut Mindestlohn-Ausnahmen etwa für Saisonarbeitskräfte.
Die Gesamtsituation in vielen Betrieben sei angespannt, vielerorts sei sie schlicht »toxisch«, sagte Rukwied. Er verwies auf zahlreiche nicht Stoppelfelder, die von einigen Landwirten schlicht aus Kostengründen derzeit nicht weiter bearbeitet würden. »Unsere Betriebe brauchen aktuell Saatgut und Diesel, später Dünge- und Pflanzenschutzmittel. Ohne die notwendige Liquidität sind sie nicht in der Lage die nächste Ernte zu finanzieren«, sagte er.
Der Bauernpräsident verlangte, dass die Politik den betroffenen Bauern unter die Arme greift und forderte ein Sofortpaket. So sollten etwa die Hilfen für Düngemittel aufgestockt werden, auch sollten 80 Prozent der Direktzahlungen vorgezogen und bereits im Oktober ausbezahlt werden, verlangte er. Die Steuern auf Diesel müssten weiter abgesenkt werden. Langfristig, so Rukwied, könnte auch eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage helfen, Verluste über die Jahre zu glätten.
Die Politik müsse nun rasch liefern, sagte Rukwied. »Versorgungssicherheit ist genauso wichtig wie Verteidigungsfähigkeit.«
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer hatte angekündigt, die betroffenen Betriebe nicht allein zu lassen. Ob und welche Hilfen fließen können, will der CSU-Politiker aber erst entscheiden, wenn auch die amtlichen Daten zur diesjährigen Ernte vorliegen. Dies dürfte Ende des Monats der Fall sein.
Die Verbraucherorganisation Foodwatch wies die Forderungen dagegen zurück. Den landwirtschaftlichen Betrieben nur immer noch mehr Geld für Kunstdünger und Diesel zu geben, sei falsch, sagte Andreas Winkler. Stattdessen bräuchten Agrarbetriebe Hilfe, um die Landwirtschaft klimasicherer umzubauen.
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