Um russische Drohnen abzuwehren, arbeitet die Ukraine offenbar an einer neuen Laserwaffe, berichtet das US-Magazin »The Atlantic« . Ukrainische Soldaten haben das Modell namens »Sunray« demnach vorgeführt. Der Prototyp erinnert laut dem Bericht an eine Art Teleskop mit Kameras und passt in den Kofferraum eines Autos.
Anders als in Hollywoodfilmen sende die Laserwaffe kein sichtbares Licht aus und verursache auch keinen Lärm. Installiert auf dem Dach eines Pick-Ups, habe der Laser innerhalb von Sekunden eine Drohne vom Himmel geholt, die zu Testzwecken gestartet worden sei.
Gebündeltes Licht
Laser sind Lichtverstärker, sie bündeln Licht. Laserstrahlen können verschiedene Materialien erhitzen und dadurch etwa schneiden oder sie zum Schmelzen oder Brennen bringen. Das israelische Abwehrsystem Iron Beam hat laut dem Rüstungsunternehmen Rafael eine Leistung von hundert Kilowatt. Ein Laserstrahl, der auf eine kleine Fläche fokussiert wird, könnte durch diese Leistungsdichte etwa eine Kamikazedrohne stark beschädigen und dadurch außer Gefecht setzen.
Auch andere Länder erproben Laserwaffen zur Abwehr von Drohnen oder Kurzstreckenwaffen, das System Iron Beam hat Ende Dezember den Betrieb aufgenommen. Die USA verfügen über ein System namens Helios, das laut »The Atlantic« im Jahr 2022 auf einem US-Zerstörer installiert wurde. Auch Russland und China sollen an ähnlichen Waffensystemen arbeiten. Die Bundeswehr testete ebenfalls eine Laserwaffe an Bord eines Kriegsschiffs.
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Russische Streitkräfte attackieren die Ukraine seit Monaten massiv mit Drohnen und ballistischen Raketen. Vor allem die ukrainische Energieinfrastruktur wird angegriffen. Hunderttausende Menschen in der Ukraine müssen deshalb immer wieder ohne Strom oder Heizung auskommen – und das bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius. (Was das für die Menschen in Kyjiw bedeutet, erfahren Sie hier.)
Am Donnerstag vergangener Woche endete eine zweite Runde der Verhandlungen in Abu Dhabi zwischen Russland, der Ukraine und den USA. Alle Seiten sprachen von Fortschritten. Einen Durchbruch, der zu einem Ende der Kämpfe führen könnte, gab es jedoch nicht.
Günstiger, aber keine Wunderwaffe
Der Ukraine mangelt es immer noch an Waffen zur Flugabwehr. Deshalb setzt sie zunehmend auf eigene Entwicklungen. Mit einer Laserabwehr könnte sie, so die Hoffnung, das große Problem der russischen Massenangriffe mit Langstreckendrohnen zumindest teilweise in den Griff bekommen.
Die Entwickler des ukrainischen Prototyps hätten in etwa zwei Jahre und ein paar Millionen Dollar gebraucht, um die Laserwaffe zu bauen, heißt es in dem Artikel von »The Atlantic« weiter. Das System soll einige Hunderttausend Dollar pro Stück kosten. Welche Firma die Waffe gebaut hat, geht aus dem Artikel aus Sicherheitsgründen nicht hervor.
Laserwaffen sollen gleich mehrere Vorteile haben: Sie zu entwickeln, dürfte zwar sehr kostspielig sein, sie anzuwenden, soll dann aber erhebliche Kosten sparen. Aktuell kosten Abfangraketen Zehntausende US-Dollar und mehr. Das israelische Laserwaffensystem Iron Beam soll dagegen Ziele für 3,50 US-Dollar pro Schuss abschießen können, erklärte 2022 der damalige israelische Premierminister Naftali Bennett. Und Iron Beam hat prinzipiell ein unbegrenztes Magazin, kann also viele Angriffe hintereinander abwehren.
Der Einsatz von Laserwaffen hat jedoch Grenzen. Sie sollen in erster Linie kleinkalibrige Mörser-Artilleriegranaten, Raketen und Drohnen auf kurze Distanz abwehren. Laut dem Hersteller Rafael hat Iron Beam nur eine Reichweite von wenigen Kilometern. Deshalb sind an bestimmten Stellen zur Abwehr womöglich mehrere Systeme nötig, um ein größeres Gebiet abzudecken. »Laserwaffen können ein sinnvoller Teil in einem Mix aus Flugabwehrsystemen sein, aber sie sind keine Wunderwaffen«, sagte Militäranalyst Fabian Hinz von der Londoner Denkfabrik International Institute for Strategic Studies dem SPIEGEL im vergangenen Sommer, als Israel den Iron Beam vorstellte. (Mehr dazu lesen Sie hier).
