SPIEGEL: Frau Wagenbreth, in Überlingen, wo das Dreikönigstauchen stattfindet, waren es heute Morgen minus acht Grad. Wie kommt man auf die Idee, da ins Wasser zu gehen?
Wagenbreth: Die Lufttemperatur macht uns nichts aus. Der Bodensee ist im Winter immer gleich kalt, egal ob draußen Minus- oder Plusgrade sind. Heute war das Wasser sogar deutlich wärmer als die Luft: drei Grad. Mit guter Ausrüstung ist das kein Problem. Außerdem kann es sich sogar lohnen, im Winter zu tauchen.
SPIEGEL: Wieso?
Wagenbreth: Die Sicht ist besser. Wir haben heute sehr viele große Hechte gesehen.
SPIEGEL: Um die geht es beim Dreikönigstauchen aber nicht.
Wagenbreth: Zumindest nicht nur. Das Ziel ist es, eine Schatzkiste auf dem Boden des Sees zu finden. Um acht Uhr geht es los, bis jemand die Kiste herausholt. Heute war das unsere Gruppe. Eigentlich waren wir schon überzeugt, dass es jemand anderes geschafft hat. Am Ende des Tauchgangs haben wir sie dann aber doch noch entdeckt. Sie lag im Seegras, vier Meter unter der Wasseroberfläche.
Fisch auf dem Grund des Bodensees: »Die Sicht ist besser«
Foto: Thomas Wagenbreth / Tauchteam BodenseeSPIEGEL: Wie lange haben Sie gesucht?
Wagenbreth: Eine Stunde und 20 Minuten. Anfangs waren wir zu zehnt, am Ende waren nur noch drei von uns übrig: Mein Mann Thomas Wagenbreth, Georg Häußler und ich. Die anderen sind schon aus dem Wasser gegangen, weil ihre Pressluftflaschen zur Neige gingen oder sie gefroren haben.
SPIEGEL: Wie schützen Sie sich vor der Kälte?
Wagenbreth: Die meisten von uns tragen Trockentauchanzüge. Anders als bei Neoprenanzügen wird die Haut dabei nicht nass, das kalte Wasser kommt also gar nicht an den Körper. Ich hatte dazu noch eine Heizweste an, wie eine Sitzheizung im Auto. Damit kann man locker mehrere Stunden unter Wasser bleiben. Nur an den Händen war es am Ende etwas frisch.
SPIEGEL: Es hat noch gereicht, um die Schatzkiste zu tragen?
Wagenbreth: Die Kiste ist auch unter Wasser schwer, da sie mit Steinen beschwert ist, damit sie nicht wegschwimmt. Zum Glück waren wir zu dritt und konnten sie gemeinsam ans Ufer bringen. Darin war Rum, zum ersten Mal alkoholfrei. Und Gutscheine für einen Tauchladen in der Region.
Georg Häußler und Maren Wagenbreth mit Schatzkiste: »Ein besseres Geschenk kann ich mir nicht vorstellen«
Foto: Thomas Wagenbreth / Tauchteam BodenseeSPIEGEL: Wie haben Sie den Fund gefeiert?
Wagenbreth: Es gab Bratwürstchen, Glühwein und Punsch von der Tauchgruppe Überlingen, die das Dreikönigstauchen organisiert. Journalisten haben Fotos gemacht und uns interviewt. Denen war auch kalt, sie waren froh, als wir mit der Kiste aus dem Wasser kamen. Ich kannte den ganzen Ablauf zum Glück schon. Es ist jetzt das fünfte Mal, dass wir die Kiste gefunden haben. Seit 2015 waren wir immer dabei.
SPIEGEL: Was macht das Dreikönigstauchen für Sie so besonders?
Wagenbreth: Wir dürfen etwas, was sonst nicht erlaubt ist: direkt an der Uferpromenade entlang tauchen. Am 6. Januar gibt es eine Sondergenehmigung für den Bereich. Dort fällt über das Jahr einiges ins Wasser, was man sich dann ansehen kann, Tische oder Stühle zum Beispiel. Und es kommen viele Schaulustige. Zumindest dann, wenn es nicht minus acht Grad kalt ist.
SPIEGEL: Wie viele Taucher machen mit?
Wagenbreth: Heute waren es mehr als 200 Taucher. Einige kommen auch aus der Schweiz oder aus Österreich. Das Dreikönigstauchen gibt es seit 1970, bei vielen steht es fest im Terminkalender. Wir treffen also auch Freunde und Bekannte wieder, und Schüler aus unserer Tauchschule. Für mich ist das doppelt schön, weil der 6. Januar mein Geburtstag ist. Die Schatzkiste zu finden, ist immer ein besonderes Geschenk.




