SpOn 10.02.2026
16:10 Uhr

Dortmund: Brüder von Mouhamed Dramé sollen Deutschland verlassen


Der Senegalese Mouhamed Dramé starb 2022 in Dortmund bei einem Polizeieinsatz. Seine Brüder leben seit zwei Jahren in der Stadt. Doch jetzt ist ein Streit entbrannt. Es geht um ihr Bleiberecht.

Dortmund: Brüder von Mouhamed Dramé sollen Deutschland verlassen

Am 8. August 2022 starb der Senegalese Mouhamed Dramé im Garten einer Dortmunder Flüchtlingseinrichtung durch fünf Schüsse aus einer Maschinenpistole. Abgedrückt hatte ein Polizist. Es traf ihn keine Schuld, so befand später das Landgericht Dortmund, es habe »eine unmittelbare Gefahr« bestanden.

Der Fall löste weit über Dortmund hinaus eine Debatte aus über den Umgang mit psychisch kranken Geflüchteten, über Waffen, Taser und Bodycam-Einsätze bei Polizeieinsätzen. Und es ging um die Gefahr, die von Menschen mit Messern ausgeht. Dramé hatte sich mit einem Messer selbst bedroht. Nachdem die Beamten eingetroffen waren, eskalierte die Situation innerhalb weniger Minuten. (Mehr zu dem Vorfall finden Sie hier.)

Der Schütze und seine vier mitangeklagten Kollegen wurden freigesprochen. Staatsanwaltschaft und Nebenklage legten Revision beim Bundesgerichtshof (BGH) ein.

BGH-Entscheidung steht aus

Wann der BGH über die Revisionsanträge entscheiden wird, ist noch unklar; doch in Dortmund droht der nächste juristische Streit. Zwei Brüder des Getöteten, die als Nebenkläger nach Deutschland kamen und den Prozess verfolgten, sollen jetzt das Land wieder verlassen. Dagegen wehren sich Unterstützer der Familie in einem offenen Brief, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Sie fordern, dass die Brüder bleiben dürfen.

Für die weitere Begleitung des Prozesses, so heißt es in dem zweiseitigen Schreiben, sei »ihre Präsenz und ihr Wirken als Angehörige essenziell«. Neben einer langfristigen Verlängerung des Aufenthalts der Brüder wird auch eine Arbeitserlaubnis für sie gefordert. Unterzeichnet ist der Brief etwa von mehreren Bundes- und Landtagsabgeordneten, dem Dortmunder Stadtdirektor Jörg Stüdemann (SPD) und diversen lokalen Initiativen.

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Die Brüder Sidy und Lassana Dramé, 39 und 26 Jahre alt, waren als Nebenkläger im Verfahren um den Tod ihres Bruders vor zwei Jahren nach Dortmund gekommen. Ermöglicht wurde das durch Spendengelder und privates Engagement. Laut einer mit dem offenen Brief veröffentlichten Pressemitteilung verfügen sie aktuell »jedoch über keinen Aufenthaltstitel mehr und leben somit in erheblicher Unsicherheit«.

In einem Schreiben des Amtes für Migration der Stadt Dortmund vom 13. Januar 2026, das dem SPIEGEL vorliegt, wird statt einer Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis eine Frist zur Ausreise vorgeschlagen. Falls die Brüder in diesem Fall einer Frist nicht nachkämen, drohe eine »zwangsweise Abschiebung in den Senegal oder in ein anderes aufnahmebereites Land«.

Es sei derzeit nicht absehbar, so die Behörde, ob und wann es im Revisionsverfahren vor dem BGH zu einer mündlichen Verhandlung komme. Das Gleiche gelte für eine mögliche neue Hauptverhandlung, sofern der BGH das Urteil des Landgerichts kippt. Ohnehin sei die Begleitung der Revision und der Austausch mit der anwaltlichen Vertretung auch aus dem Ausland möglich.