Jedes Jahr findet am Tegernsee der Ludwig-Erhard-Gipfel statt, der als »Deutschlands Meinungsführertreffen« beworben wird. Tatsächlich nahmen über Jahre regelmäßig hochrangige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft als sogenannte Speaker teil. Als solche war für dieses Jahr auch Forschungsministerin Dorothee Bär angekündigt, die nun aber fernbleiben will. Darüber informierte auf Nachfrage ihre Pressestelle.
Die Teilnahme Bärs sei seitens ihres Ministeriums »grundsätzlich vorgesehen« gewesen, die endgültige Entscheidung hierzu habe jedoch noch ausgestanden. »Terminliche Überschneidungen machen eine Teilnahme am Gipfel nun leider nicht möglich.« Die Ministerin werde auf einer Auslandsreise sein.
Das ist eine weitere Niederlage für die Veranstalter, die Weimer Media Group, deren Mitgründer der heutige Kulturstaatsminister Wolfram Weimer ist. Der Erfolg des Events misst sich stets an Bekanntheit und Einfluss seiner Teilnehmer. Anfang der Woche hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder wissen lassen, dass er das Treffen in diesem Jahr weder besuche noch anderweitig unterstütze, »um kein Gschmäckle« entstehen zu lassen.
Ministerpräsident Söder 2025 auf dem Ludwig-Erhard-Gipfel: Nun eine Grauzone
Foto: Frank Hoermann / Sven Simon / picture allianceKritisiert worden war in den vergangenen Monaten, dass die Mediengruppe aus dem Zugang zu Politikern und Wirtschaftsspitzen ein Geschäftsmodell gemacht habe und Wolfram Weimers Berufung in die Bundespolitik dieses noch stärke. Auch Söder sprach nun von einer »Grauzone«. In den vergangenen Jahren war er noch eine Art Stargast am Tegernsee, hatte die Schirmherrschaft übernommen und Staatsempfänge im Rahmen der Veranstaltungen ausrichten lassen. Seinen Kabinettsmitgliedern stellte er die Teilnahme frei, zwei sagten aber bereits ab.
Kulturstaatsminister Weimer: Mitbegründer eines heute umstrittenen Geschäftsmodells
Foto: Bernd Elmenthaler / Geisler-Fotopress / picture allianceStaatsminister Weimer hatte im Laufe der Kontroverse um den Gipfel betont, dass das Unternehmen ausschließlich von seiner Frau Christiane Goetz-Weimer geführt werde, seit er sein Amt in Berlin angetreten habe. Mittlerweile hat er auch seine Anteile einem Treuhänder übergeben.
Dem SPIEGEL gegenüber betonte die Weimer Media Group bereits am Dienstag, die Finanzierung des Gipfels sei gesichert – und übte auch Kritik an Söder. »Wir haben eine Vielzahl von treuen Gästen und Partnern, die schon viel länger an unserer Seite stehen als der bayerische Ministerpräsident, der 2022 dazustoßen wollte.«
Auf der Webseite zum Ludwig-Erhard-Gipfel war am Mittwochvormittag noch das Porträt von Söders Parteikollegin Dorothee Bär zu sehen in der Riege derjenigen, die 2026 als Speaker teilnehmen würden. Nun ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis es dort verschwindet.
