SpOn 22.01.2026
19:07 Uhr

Donald Trumps Friedensrat: König Donalds Tafelrunde


Politiker aus 19 Staaten haben die Gründungsakte von Donald Trumps »Friedensrat« unterzeichnet. Was soll man von einem Gremium halten, das den Weltfrieden verspricht, aber organisiert ist wie ein Golfklub?

Donald Trumps Friedensrat: König Donalds Tafelrunde

Was sind in diesen bewegten Zeiten schon eine Milliarde Dollar, wenn man sich damit einen Sitz an König Donalds Tafelrunde kaufen kann?

Am Donnerstagmorgen ließ US-Präsident Trump in Davos das Statut seines »Friedensrates«  unterzeichnen, des »größten und renommiertesten Gremiums, das jemals an irgendeinem Ort versammelt wurde« und dessen Gründung er vor knapp einer Woche erst angekündigt  hatte. Rund 30 Länder und Staatenlenker haben sich bislang dem Bunde angeschlossen, darunter »sechs Monarchen, drei frühere sowjetische Apparatschiks, zwei Militärregimes und ein politischer Führer, der vom Internationalen Strafgerichtshof gesucht wird«, wie die »Financial Times« respektlos zusammenfasste.

Nicht alle erschienen persönlich in Davos, doch immerhin 19 Staats-, Regierungschefs und Außenminister nahmen auf dem Podium Platz und setzten ihren Namen unter die Gründungsakte: vom Argentinier Javier Milei bis zum Kasachen Qassym-Schomart Toqajew, vom Ungarn Viktor Orbán bis zum Indonesier Prabowo Subianto.

»Jeder von ihnen ist ein Freund von mir.«

Donald Trump über die Gründungsmitglieder seines Friedensrates

»Jeder von ihnen ist ein Freund von mir«, begrüßte Trump die Runde, »ihr seid die mächtigsten Leute auf der Welt.« Der Allermächtigste aber, das sah man den leuchtenden Gesichtern an, war wieder einmal Donald Trump. In seinem Glanze sonnten sich die anderen.

Trumps Friedensrat ist ein merkwürdiges Gebilde, so kompliziert, dass es eigentlich ein Organigramm  braucht, um all seine Ober-, Zwischen- und Unterkomitees zu verstehen. Hervorgegangen ist es aus dem 20-Punkte-Plan, mit die Trump-Regierung im vergangenen Herbst einen Waffenstillstand im Gazakrieg vermittelte. Schon darin war ein »Board of Peace« festgeschrieben, eine internationale Behörde unter Trumps Führung, die die Nachkriegsordnung in Gaza überwachen sollte.

Kinder in einem zerstörten Haus in Dschabalia im Gazastreifen: Friedensrat mit globaler Mission

Kinder in einem zerstörten Haus in Dschabalia im Gazastreifen: Friedensrat mit globaler Mission

Foto: Mahmoud Issa / REUTERS

Was Trump nun in Davos unterzeichnen ließ, geht über das Gaza-Mandat aber weit hinaus. Der neue Friedensrat gilt praktisch für die ganze Welt. Er soll »in von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten Stabilität fördern« und sich dabei ausdrücklich »von Ansätzen und Institutionen lösen, die allzu oft gescheitert sind«. Mit anderen Worten: Er soll das maßgeblich von den USA geprägte und in den Vereinten Nationen verankerte System der Konfliktlösung direkt dem US-Präsidenten, nein, Trump persönlich unterstellen: eine »Pax Trumpiana« statt der »Pax Americana«.

Seine Errungenschaften sind nicht annähernd so groß, wie er selbst behauptet

Dass die Uno in ihrer Mission zuletzt wieder und wieder gescheitert ist, ist nicht zu bestreiten. Ebenso wenig wie Trumps Verdienst, dass er entscheidend zum Ende des Gazakrieges beigetragen und zumindest Bewegung in andere, völlig festgefahrene Konflikte gebracht hat. Seine Errungenschaften sind zwar nicht annähernd so groß, wie er selbst behauptet. Aber doch so bedeutend , dass zum Beispiel auch Armeniens Premier Paschinjan und Aserbaidschans Machthaber Alijew seinem Friedensrat beitraten.

Doch was soll man von einem Gremium erwarten, das den Weltfrieden verspricht, aber im Grunde wie ein Golfklub organisiert ist? Mitglied kann vorerst nur werden, wer von Trump dazu eingeladen wurde – rund 60 Staats- und Regierungschefs, darunter auch die von Russland (hat sich noch nicht entschieden) und Belarus (hat zugesagt). Wer im ersten Jahr eine Milliarde überweist, erwirbt eine zeitlich unbegrenzte Mitgliedschaft. Wer nicht, muss darauf hoffen, dass ihn Trump nicht nach drei Jahren rauswirft.

Frierende in Kyjiw: »In von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten Stabilität fördern«

Frierende in Kyjiw: »In von Konflikten betroffenen oder bedrohten Gebieten Stabilität fördern«

Foto: Sergei Gapon / AFP

Dessen Vollmachten sind übrigens nicht an seine Präsidentschaft gebunden, sondern bestehen laut Satzung auf Lebenszeit. Wie Chinas Machthaber Xi Jinping in der Kommunistischen Partei ist Trump im Friedensrat »Chairman of Everything«, und das so lange, wie er mag. »Monarchisch« nennt  der Politologe Jonas Wolff diese Art von »club governance«.

Es sollte ihn nicht wundern, dass die Schweiz seiner Einladung bislang nicht gefolgt ist

Zweifel an Trumps Ernsthaftigkeit weckt auch die Eile, mit der aus einem auf den Gazakonflikt konzentrierten Gremium ein Friedensrat mit globaler Mission geworden ist. In den Anfang der Woche bekannt gewordenen Statuten war von Gaza gar keine Rede mehr gewesen. Diesen Eindruck versuchte Trumps Schwiegersohn Jared Kushner am Donnerstag zu zerstreuen. Auf ihn, den vielleicht begabtesten Diplomaten unter Trumps Vertrauten, geht dem Vernehmen nach die Idee zurück, das »Board of Peace« im Weltmaßstab zu erweitern.

Die schwerste Bürde dieses ambitionierten Unternehmens wird aber Trump selbst bleiben. Der Mann, der am Donnerstag von Frieden und Respekt unter den Völkern sprach, hatte die Somalier am Tag zuvor noch als »Menschen mit niedrigem IQ« bezeichnet und die Schweizer Bundespräsidentin verunglimpft. Sie habe sich in den Zollverhandlungen dauernd wiederholt und sei ihm »ziemlich auf die Nerven gegangen«. Es sollte ihn nicht wundern, dass die Schweiz seiner Einladung in den Friedensrat bislang nicht gefolgt ist.

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Ob das so bleibt, darauf sollte man trotzdem keine Wetten abschließen. Das gilt auch für andere europäische Länder, die fürs Erste abgesagt haben (Frankreich, Großbritannien) oder sich bedeckt halten (Deutschland).

Trump sieht sich, wie seine Auftritte in Davos gezeigt haben, im Zenit seiner Macht. Er dominiert mit seinem Weltbild bis in viele andere Länder hinein die politische und wirtschaftliche Debatte. Solange Europa dieser Dominanz nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen hat, bleibt es für Einzelne schwierig, sich Trumps Werben zu entziehen. Auch wenn es bei Trumps Friedensrat weniger um das hohe Gut des Friedens geht als um Donald Trump.