Es war einiges befürchtet worden, vor dem Treffen von Donald Trump mit dem kolumbianischen Staatschef Gustavo Petro. Immerhin geht der Republikaner sogar mit Verbündeten mitunter ruppig um. Und dem Termin im Weißen Haus war eine ganze Reihe gegenseitiger Vorwürfe vorausgegangen.
Die Begegnung fand – anders als sonst üblich – nicht vor laufenden Kameras statt. Stattdessen veröffentlichten Petro und sein Büro im Anschluss Fotos von der Begegnung. Trump verkündete, das Treffen sei hervorragend gelaufen, er finde Petro »wunderbar».
Seine Tonlage fiel deutlich anders aus als noch zuletzt, als er Petro als »kranken Mann« abtat, der gerne Kokain produziere und in die USA verkaufe. Nun sprach er davon, seine Abneigung habe daran gelegen, dass er Petro nicht besonders gut gekannt habe. Jetzt arbeite man aber an einer Vereinbarung, um den Schmuggel illegaler Drogen in die USA zu reduzieren.
Trump schenkte dem linksgerichteten Politiker demnach eine Ausgabe seines 1987 erschienenen Buches »The Art of the Deal« (Deutsch: Die Kunst des Erfolgs). Darin hatte der US-Präsident die Widmung »Sie sind großartig« geschrieben.
Petro gab sich nicht ganz so euphorisch wie der US-Präsident. Er sagte: »Ich mag direkte Amerikaner, Menschen, die sagen, was sie denken«, sagte der kolumbianische Präsident. Trump und er seien »zweifellos sehr unterschiedlich«, aber Offenheit stehe an erster Stelle.
Anbau von Kokapflanzen in Kolumbien (2022)
Foto: Raul Arboleda / AFPDazu betonte Petro aber auch die unterschiedlichen Auffassungen zum Problem des Drogenhandels. Statt eines harten militärischen Ansatzes gegen die kriminellen Organisationen will der Ex-Guerillero einerseits Bauern in Kolumbien davon überzeugen, legale Agrarprodukte wie Kaffee oder Kakao statt Kokain anzubauen. Anderseits plant er, entschlossen gegen die Finanziers des internationalen Drogengeschäfts vorzugehen.
»Er hat seine Denkweise nicht geändert, ich auch nicht», sagte Petro über Trump. »Aber einen Pakt schließt man auch nicht zwischen Zwillingsbrüdern, einen Pakt schließt man zwischen Gegnern, die einen gemeinsamen Weg finden.«
Petro hatte Trump zuletzt ein »seniles Hirn« bescheinigt und scharfe Kritik an der Gefangennahme des linksnationalistischen venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte geübt (mehr dazu hier). Danach hatte wiederum Trump Kolumbien ebenfalls mit einer Militärintervention gedroht.
Petro lässt Drogendealer an USA ausliefern
Kolumbien war lange Zeit der wichtigste Partner der USA in Südamerika. Zuletzt – seit Trumps zweitem Amtsantritt – kühlte sich das Verhältnis allerdings ab. Die US-Regierung stufte Kolumbien im vergangenen Jahr als Land ein, das seine internationalen Verpflichtungen im Kampf gegen illegale Drogen nicht erfüllt. Gegen Petro verhängten die Vereinigten Staaten zudem Sanktionen – mit der Begründung, dass er nicht entschlossen genug gegen den Drogenhandel vorgehe (mehr hier).
Erst am Dienstag lieferte Kolumbien einen wichtigen Drogenhändler an die USA aus. Petro hatte am vergangenen Wochenende angeordnet, den als Pipe Tulua bekannten Kriminellen so schnell wie möglich zu überstellen, gab Verteidigungsminister Pedro Sánchez am Montag bekannt. Am Dienstagmorgen wurde der Drogenboss in ein Privatflugzeug gesetzt, das vom militärischen Teil des Flughafens von Bogotá abhob.
Kolumbien ist der größte Kokainproduzent der Welt. Nach Angaben der Vereinten Nationen verfügt das Land mit mehr als 250.000 Hektar über rund 65 Prozent der weltweiten Anbaufläche für Koka. Obwohl sich die Sicherheitslage seit dem Friedensabkommen mit der Rebellenorganisation Farc vor zehn Jahren verbessert hat, werden immer noch Teile des Landes von bewaffneten Gruppen kontrolliert.
