SpOn 18.12.2025
04:18 Uhr

Donald Trump: US-Präsident wütet in Rede an die Nation gegen Joe Biden und feiert sich selbst


Eingerahmt von Christbäumen hat sich Donald Trump an die Nation gewandt. Die Rede geriet zur Lobeshymne auf die eigene Leistung und zur Dauerattacke auf seinen Vorgänger. An entscheidenden Stellen hielt er sich dagegen bedeckt.

Donald Trump: US-Präsident wütet in Rede an die Nation gegen Joe Biden und feiert sich selbst

Das erste Jahr im Amt ist für den 47. US-Präsidenten beinahe vorbei. Am 20. Januar war Donald Trump in seine zweite Amtszeit gestartet. Da bot es sich kurz vor Weihnachten an, Bilanz zu ziehen. Der Republikaner tat dies in einer Rede an die Nation aus dem Weißen Haus, eingerahmt von Christbäumen und vor einem Porträt seines Amtsvorgängers George Washington. Der atemlose Auftritt schwankte zwischen Rechtfertigungen, Versprechen und Selbstbeweihräucherung.

»Vor elf Monaten habe ich Chaos geerbt. Nun sorge ich für Ordnung«, erklärte Trump mit Blick auf seinen Vorgänger, den Demokraten Joe Biden. Überhaupt ging es in Trumps Rede bemerkenswert oft um Biden – und wie katastrophal dieser das Land an Trump übergeben habe.

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In den USA wächst derzeit der allgemeine Unmut über die Lebenshaltungskosten, Inflation und den lahmenden Jobmarkt. In seiner Rede betonte Trump gleich mehrfach, was unter seiner Regentschaft so alles billiger geworden sei. Er sprach von Autos, Hotelbesuchen, Flugtickets und Benzin – ohne allerdings irgendwo ins Detail zu gehen.

Trump hatte kürzlich eingeräumt, dass seinen regierenden Republikanern bei den Zwischenwahlen im kommenden Jahr eine Niederlage drohen könnte.

Die Midterms, zur Halbzeit einer Präsidentschaft, gelten als Zwischenzeugnis für die regierende Partei – und die Person im Weißen Haus. Nicht selten fällt dieses Zeugnis mies aus. Mehrere Wahlen im laufenden Jahr fielen für die Demokraten sehr positiv aus und könnten in der Tat darauf hindeuten, dass Trumps Republikanern im November 2026 ein Denkzettel droht.

Das Vertrauen der Verbraucher in den USA war Ende November auf den niedrigsten Stand gesunken, seit Trump im April mit seiner Zollpolitik für Unsicherheit gesorgt hatte.

Ein Scheck für die Armee – und bald ein neuer Fed-Chef

Konkret wurde der US-Präsident immerhin bei einem Versprechen, mit dem er sich offenbar das Wohlwollen des Militärs sichern will: Mehr als 1,4 Millionen Mitglieder der Streitkräfte würden noch vor Weihnachten eine »Krieger-Dividende« über jeweils 1776 US-Dollar erhalten. »Die Schecks sind schon in der Post«, erklärte Trump.

Das dürfte in Militärkreisen zwar für Freude sorgen, gleichzeitig wächst dort die Sorge mit Blick auf Venezuela, wo Trump die Lage immer weiter eskalieren lässt. In seiner Rede schien Trump anzudeuten, dass die Schecks mit den Strafzöllen gegen viele andere Länder in Verbindung stehen. »Wir haben mehr Geld eingenommen als irgendwer sonst«, so der Republikaner.

Weitere Themen, die Trump in seiner Ansprache abarbeitete:

  • Hohe Preise für Wohnraum: Im kommenden Jahr will seine Regierung »ein paar der aggressivsten Wohnraumpläne in der Geschichte unseres Landes« vorstellen. Details blieb er schuldig.

  • Führung der Zentralbank (Fed): »Schon bald« will Trump einen Nachfolger für den von ihm viel kritisierten Jerome Powell benennen. Die neue Person an der Spitze der Fed werde die Zinsen massiv senken, so der US-Präsident.

  • Kurs gegen Migranten: Trump behauptete, er habe »einige der gefährlichsten Städte des Landes« sicherer gemacht. In Umfragen wird sein überhartes Vorgehen gegen Migranten (und US-Bürgerinnen und -Bürger), ebenso wie die Entsendung von Nationalgarde und Militär in liberale Großstädte, immer wieder kritisiert.

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Bei allem Bravado: Auch Trump dürfte wissen, dass das Thema Lebenshaltungskosten unter Umständen wahlentscheidend sein könnte. Daher hatte er schon im Vorfeld – auf seine Art – zur Geduld gemahnt. Er habe als Präsident zwar für »die beste Wirtschaft der Geschichte« gesorgt, hatte Trump am Wochenende gegenüber dem »Wall Street Journal« mit Blick auf die Wachstumszahlen behauptet. »Aber es könnte sein, dass die Menschen eine Weile brauchen, um das zu verstehen«, fügte er hinzu. Eine ähnliche Taktik – der Verweis auf angebliche Erfolge, während Millionen Menschen knapsen müssen – hatte schon Bidens Regierung in große Probleme gebracht.

Interessant war an Trumps Rede auch, was er nicht sagte: Mit keinem Wort erwähnte der US-Präsident den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine – und das in einer Woche, in der in Europa ein Treffen von Toppolitikern auf ein anderes folgt. Auch namentlich nicht genannt: Venezuela. Dabei hatte Trump noch am Vortag den Druck auf den autoritär regierenden Präsidenten Nicolás Maduro massiv verstärkt und eine Blockade von sanktionierten Öltankern vor der dortigen Küste angeordnet. Doch Trump ließ das Thema außen vor – er streifte lediglich den Kampf gegen Drogenschmuggel auf See, der erfolgreich verlaufe.

jok/AP/dpa