Donald Trump, US-Präsident:
»Das war noch gar nichts. Uns wird es noch besser und besser und besser gehen. Das ist das goldene Zeitalter Amerikas.«
Donald Trump lobt sich in seiner Rede zur Lage der Nation ausgiebig selbst. Dabei gibt es dafür eigentlich keinen Grund.
Britta Kollenbroich, DER SPIEGEL:
»In jüngsten Umfragen ist Donald Trump so unbeliebt bei den Amerikanerinnen und Amerikanern wie nie zuvor. (…) Und auch viele der Themen, mit denen er zum Beispiel im US-Wahlkampf 2024 noch punkten konnte, wie dem Versprechen, dass es den Menschen wirtschaftlich unter ihm besser gehen wird oder auch seiner harten Einwanderungspolitik. Diese Themen sind eigentlich mittlerweile eher zu Schwächen von ihm geworden.«
Von seinen republikanischen Anhängern wird er dennoch – geradezu demonstrativ – gefeiert. Die Demokraten verfolgen das Spektakel mit eiserner Miene.
Britta Kollenbroich, DER SPIEGEL:
»Es war, wenn überhaupt, eine Rede zur Lage der halben Nation. Er hat viele Themen angesprochen, die seine Anhängerschaft beschäftigen. Er hat da vor allen Dingen viele Erfolge, viele Wahlkampfversprechen, die er vermeintlich eingelöst haben will, noch mal vorgehoben. Er hat aber all die Themen, die die andere Hälfte der Amerikanerinnen und Amerikaner sehr beschäftigt, überhaupt nicht angesprochen, wie zum Beispiel den brutalen ICE-Einsatz in Minneapolis.«
Besonders bemerkenswert: wie viel Zeit sich Trump nahm, um Gäste im Kapitol vorzustellen. Etwa die Witwe des ermordeten Charlie Kirk, die Eltern einer erschossenen Nationalgardistin oder ein siebenjähriges Mädchen, das Opfer eines Verkehrsunfalls mit einem illegalen Einwanderer geworden war.
Britta Kollenbroich, DER SPIEGEL:
»Die Gäste waren natürlich nicht zufällig hier, sondern immer verbunden mit einer Botschaft. Und ganz oft war das eben die Botschaft: Seht her, wozu die radikale Linke imstande ist.«
Trump nutzt menschliche Schicksale, um seinen rechtspopulistischen Kurs zu untermauern. Echte Visionen für die USA, die in diesem Jahr ihr 250-jähriges Bestehen feiern, fehlen in seiner »State of the Union«-Rede.
Britta Kollenbroich, DER SPIEGEL:
»Stattdessen hat Donald Trump diese zweistündige Redezeit, die er sich hier heute Abend genommen hat, genutzt, um die Rede zur Lage der Nation in eine Wahlkampfrede umzufungieren. Er hat damit mehr oder weniger offiziell den Wahlkampf für die Midterm-Wahlen hier im November 2026 eröffnet.
