Der durch eine politisch motivierte Namensänderung entstandene Reputationsschaden für das nationale Kulturzentrum der USA weitet sich aus. Nach der Absage eines Konzerts an Heiligabend will nun auch die Jazzband The Cookers an Silvester nicht im »Donald J. Trump und John F. Kennedy Memorial Center for the Performing Arts« auftreten.
Der Vorstand des Kennedy Centers hatte zuletzt dafür gestimmt, Trumps Namen in den Namen der Institution aufzunehmen. Der amtierende US-Präsident hatte den Vorstand des Kulturzentrums zu Beginn seiner zweiten Amtszeit mit Verbündeten besetzt. Präsident des Centers ist nun Richard Grenell, ein Trump-Vertrauter, der während dessen erster Amtszeit Botschafter in Deutschland war.
Jazzensemble will Zeichen setzen
An der Umbenennung gibt es seit Wochen Kritik. Die Demokraten hatten die Entscheidung, der Institution Trumps Namen hinzuzufügen, als illegal bezeichnet. Die Familie von John F. Kennedy verurteilte den Schritt als Untergrabung des Vermächtnisses des ermordeten Präsidenten.
Die Cookers wollen mit ihrer Absage des Silvesterkonzerts nun offenbar ein Zeichen setzen, wenngleich die zugehörige Stellungnahme keine offen formulierte Kritik am Kennedy Center enthält. »Jazz entstand aus dem Kampf und dem unermüdlichen Streben nach Freiheit: Freiheit des Denkens, der Meinungsäußerung und der uneingeschränkten menschlichen Stimme«, hieß es in einer Stellungnahme der Band. »Einige von uns machen diese Musik schon seit vielen Jahrzehnten, und diese Geschichte prägt uns noch immer.«
Der Schlagzeuger der Band, Billy Hart, räumte im Gespräch mit der »New York Times« jedoch ein, dass die Namensänderung für die Band »offensichtlich« eine Rolle gespielt habe.
Center-Präsident Grenell sieht »politischen Stunt«
Kennedy-Center-Präsident Grenell bezeichnete entsprechende Boykotte zuletzt als eine »Form des Verwirrungssyndroms«. Ihm zufolge kommen die Absagen von Künstlern, die von der früheren Leitung der Institution gebucht worden seien. Bei den Absagen handele es sich um einen »politischen Stunt«.
Tatsächlich wird die Liste der Absagen nun abermals länger. Auch der Moderator der eigentlich für Heiligabend geplanten Show, Chuck Redd, hatte die Absage auf die Namensänderung zurückgeführt. Die »New York Times« berichtete zudem, dass Doug Varone and Dancers, eine New Yorker Tanzkompanie, zwei Aufführungen im April abgesagt habe.
