Timo Gerach ist kein Star im Fußball, er gehört zu den eher Unbekannten der Branche. Sein Job ist es, möglichst nie im Mittelpunkt zu stehen.
Timo Gerach ist Bundesliga-Schiedsrichter.
Am Wochenende hat er die Partie zwischen Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig geleitet, 0:0 hieß es am Ende, die meisten werden das Spiel bald vergessen haben. Timo Gerach nicht.
Zwei strittige Szenen
Er wird zwei Szenen im Gedächtnis behalten: Kurz nach dem Wechsel schoss die Borussia ein Tor, Gerach erkannte es an, dann griff der Videoschiedsrichter ein und kassierte den Treffer, weil der Torschütze um eine Schuhspitze im Abseits stand. Und man dachte mit Wehmut an die Zeiten, als es noch Begriffe wie »gleiche Höhe« und »im Zweifel für den Angreifer« gab und solche Tore durchgewinkt wurden.
Später pfiff Gerach einen Elfmeter für Gladbach. Wieder revidierte der VAR: Der Leipziger Willi Orban hatte zwar seinen Gegenspieler, aber auch den Ball getroffen.
Zweimal hatte der Schiedsrichter nichts falsch gemacht.
Das Abseits war selbst im Standbild nicht zu erkennen, das Foul war Auslegungssache. Und dennoch: Weil DFB und DFL eingeführt haben, dass Schiedsrichter Korrekturen durch den Videobeweis per Mikrofon dem Publikum zu erläutern haben, musste Gerach vor 50.000 Menschen zweimal erklären, dass er sich geirrt habe.
Wie ein Schüler, der vor der Klasse öffentlich zugeben soll, dass er abgeschrieben hat.
Gerach hat zweimal nach seinem Ermessensspielraum entschieden. Aber die moderne Videotechnik duldet kein Ermessen.
Und so musste er öffentlich Fehler eingestehen, die im Grunde keine sind. Ein würdeloser Moment. Man sollte Timo Gerach und seine Kollegen bewundern, dass sie Spieltag für Spieltag Würde bewahren.

