Noam Tibon hat schon viele Schlachten geschlagen. Der israelische Ex-General hat das Nordkommando der Streitkräfte kommandiert, war im palästinensischen Westjordanland im Einsatz und diente auch in der Eliteeinheit Sajeret Matkal. Den wichtigsten Kampf gewann er aber am 7. Oktober 2023.
Er war damals in Tel Aviv, seinem Wohnort, als Sohn Amir ihm panisch Nachrichten schrieb. Die Hamas hatte da gerade dessen Wohnort überrannt, das Kibbuz Nahal Oz. Amir Tibon versteckte sich mit seiner Frau und den beiden kleinen Töchtern vor den palästinensischen Terroristen, stundenlang. Tibon senior raste gemeinsam mit seiner Frau sofort ins Kriegsgebiet. Alles, was sie dabei hatten, war Elternmut und eine Pistole .
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Die Geschichte hatte ein Happy End. Der erfahrene Militär kämpfte sich bis zu seiner Familie durch. Alle überlebten. Gezeichnet sind sie dennoch vom 7. Oktober 2023. Wie das ganze Land. Deshalb wechselt Noam Tibon nun in die Politik. Am Dienstagabend wurde bekannt, dass er sich Jesch Atid anschließt, der Partei von Oppositionsführer Yair Lapid.
Tibon hatte in den vergangenen Monaten oft auf Demonstrationen gegen die Gaza-Politik von Premierminister Benjamin Netanyahu gesprochen. »Er sabotiert auf zynische Weise jeden Deal, obwohl er weiß, dass die Geiseln in den Tunneln von Gaza Folter und Mord erleiden«, hatte er etwa im Juni bei einem Protest in Tel Aviv gesagt.
Laut Lapid wird Tibon eine Führungsrolle in seiner Partei bekommen. Er dürfte auch beim Thema Wehrpflicht eine markante Stimme werden. Dieses Thema ist in Israel besonders umstritten.
Streng religiöse Männer waren in Israel jahrzehntelang von der Wehrpflicht befreit. Diese Ausnahmeregelung lief jedoch im vergangenen Jahr aus. Der israelischen Regierung gelang es nicht, ein neues Gesetz zu verabschieden, um diesen Sonderstatus für die Ultraorthodoxen zu zementieren. Der Oberste Gerichtshof erließ schließlich im Sommer 2024 ein Urteil, wonach ultraorthodoxe Männer zum Wehrdienst einzuziehen sind. Bislang hat Premier Netanyahu aber noch nichts unternommen, um dieses Urteil auch umzusetzen. Tibon kritisiert das scharf.
