In der Europäischen Union zeichnet sich ein Ende der Verwendung von Treibstoffen auf Basis von Sojaöl ab. Die EU-Kommission will den vor allem als Biodiesel verwendeten Stoff nun als hohes Risiko für die Änderung der Landnutzung einstufen. Demnach könnten Ölfirmen sich Sojaöl künftig nicht mehr als erneuerbaren Rohstoff anrechnen lassen, um ihre sogenannten Treibhausgasminderungsquoten zu erfüllen. Das geht aus einem Entwurf zur Änderung einer Verordnung hervor, der sich auf Expertenberichte zum Ausbau der Anbauflächen auf Kosten von Wäldern stützt.
In der 2019 erlassenen Verordnung geht es um Kraftstoffe, die mithilfe von Nahrungs- und Futtermittelpflanzen hergestellt werden. Deren Nutzung ist in der EU generell begrenzt. Pflanzen, die stark auf Kosten von Wäldern und anderer zum Speichern von Kohlenstoffen wichtigen Naturflächen angebaut werden, sollen möglichst gar nicht genutzt werden. Der Anteil am Gesamtverbrauch von Kraftstoffen muss bis 2030 schrittweise auf null sinken, der Entwurf sieht einen beschleunigten Ausstieg vor.
Blick auf ein Sojafeld
Foto: M. Henning / blickwinkel / picture allianceBisher betraf dies nur Palmöl, das oft in Südostasien in Plantagen gewonnen wird, wo früher tropischer Regenwald wuchs. Nach dem neuen Bericht überschreitet auch Soja die kritische Schwelle. Die zumeist als Tierfutter verwendeten Pflanzen werden großflächig in der Prärie des Mittleren Westens der USA, in Brasilien und Argentinien angebaut. »Biotreibstoffe aus Soja sind doppelt so schlecht für den Planeten wie fossiler Diesel«, sagte Cian Delaney, Experte der Denkfabrik Transport & Environment. Gerade nach dem Abschluss des Handelsabkommens zwischen der EU und der südamerikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur sei die neue Einstufung wichtig, »um sicherzustellen, dass amerikanisches, argentinisches und brasilianisches Soja nicht in europäischen Tanks landet«. Delaney verwies darauf, dass andere Rohstoffe noch unterhalb der Schwelle blieben. Knapp war es bei Zuckerrohr, woraus in Brasilien massenhaft Ethanol als Ersatz für Benzin produziert wird.
Umweltminister für »klimafreundlicheres Tanken«
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) begrüßte den Schritt der EU und forderte eine schnelle Umsetzung auch in Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte eine Studie im Auftrag der Umwelthilfe für Aufsehen gesorgt: Ökodiesel sei »mindestens genauso schädlich« wie fossiler Diesel, »häufig sogar noch klimaschädlicher«, hieß es da.
Die Bundesregierung hat im Dezember einen Gesetzentwurf beschlossen, der die Anforderungen für Biosprit verschärft. Das soll laut Umweltminister Carsten Schneider (SPD) »das Tanken Schritt für Schritt klimafreundlicher« machen. Dabei bleibt der Anteil von Agrartreibstoffen auf 4,4 Prozent gedeckelt, um »Konkurrenzen zwischen Teller und Tank« oder »Nutzungsdruck etwa auf Regenwälder« zu vermeiden. Der Ausschluss von Sojaöl ist in dem Entwurf noch nicht vorgesehen.
Zugleich müssen die Kraftstoffanbieter höhere Quoten für sogenannte fortschrittliche Biotreibstoffe erfüllen, seit dem Jahreswechsel ist erstmals ein kleiner Mindestanteil für Wasserstoff und synthetische Treibstoffe wie E-Fuels vorgeschrieben. Insgesamt muss der Anteil erneuerbarer Treibstoffe demnach drastisch steigen, von zwölf Prozent in diesem Jahr auf 59 Prozent 2040. Dabei geht es nur darum, den alten Bestand an Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren etwas sauberer fahren zu lassen. »Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch«, stellte Schneider klar.
